Weber & Eutin 2007

Weber-Themen im Jahr 2007

Presseausschnitt

Quelle: Stadtarchiv
Foto: Hans-Peter Förster
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Weber und die Klarinette

Eutin.
Die Eutiner Landesbibliothek und die Freunde der Eutiner Landesbibliothek laden heute
um 19.30 Uhr zu einem Vortrag in den Seminarraum der Bibliothek ein.
Die Musikwissenschaftlerin Heike Fricke (Berlin) spricht über das Thema:
„Carl Maria von Weber und die Klarinette.“
Weber widmete sämtliche seiner Klarinettenwerke dem berühmten Virtuosen Heinrich
Baermann (1784–1847), der zu den führenden Klarinettisten seiner Zeit gehörte.
Der Vortrag beleuchtet die enge Zusammenarbeit zwischen Komponist und Musiker, die
Weber zu seinen wegweisenden Klarinettenwerken inspirierte – darunter die
Klarinettenkonzerte f-Moll und Es-Dur, das Concertino Es-Dur op. 26 und das Grand
Duo Concertant.
Heike Fricke erläutert, wie Baermanns Persönlichkeit und Klangvorstellung auf Webers
Kompositionsweise einwirkten und wie Weber mit den technischen und expressiven
Möglichkeiten des Instruments experimentierte, um seinen „singenden Ton“ voll zur Geltung
zu bringen.
Der Eintritt ist frei.
Veranstalter: Eutiner Landesbibliothek in Kooperation mit der Internationalen Carl-Mariavon-
Weber-Gesellschaft.

Die Mauer am Denkmal – eine grobe Verunzierung?

(Aus der Heimatgeschichte, 2. Februar 2007)

Das Weber-Denkmal im Eutiner Eichenhain wurde am 1. Juli 1890 feierlich enthüllt.
Geschaffen hatte es der aus Charlottenburg stammende Bildhauer Paul Peterich.
Ursprünglich war die Einweihung bereits zum 100. Geburtstag Carl Maria von Webers im
Jahr 1886 vorgesehen, doch fehlte damals das Geld.
Zum 100. Todestag des Komponisten, im Juni 1926, sollte das Denkmal erneut in den
Mittelpunkt rücken. Die Feierlichkeiten dauerten vier Tage, vom 10. bis 13. Juni, und wurden
von einem umfangreichen Festkomitee vorbereitet. Insgesamt elf Ausschüsse waren tätig –
darunter Haupt-, Musik-, Empfangs-, Wohnungs-, Vergnügungs- und Bauausschüsse.

Ein Ausschuss – eine Idee

Im Bau- und Ausschmückungsausschuss, dem auch Stadtbaumeister Wilhelm und
Hofgarteninspektor Lüth angehörten, wurde überlegt, wie das Denkmal und der umgebende
Weberhain dem festlichen Anlass entsprechend hergerichtet werden könnten. Beide Anlagen
hatten in den Jahrzehnten seit 1890 sichtbar gelitten.
Einer der Programmpunkte der Weberfeier war ein Festzug vom Marktplatz zum Denkmal,
wo ein Kranz niedergelegt und Ansprachen gehalten werden sollten, umrahmt von
Männerchören. Da man Tausende Besucher erwartete, wollte man dem Ort einen würdigen
Rahmen geben.
Nach mehreren Ortsbesichtigungen schlug Hofgarteninspektor Lüth vor, den zu groß
geratenen Platz optisch zu verkleinern und ihm eine architektonisch geschlossene Form zu
geben. Dies könne durch eine halbrunde Felsenmauer aus Granit erreicht werden, die den
Platz hinter dem Denkmal abschließe und sich harmonisch in das Gelände einfüge.
Zugleich schlug Lüth vor, die Bronzeplatte mit der „Freischütz“-Szene – bisher ebenerdig
und schwer erkennbar – in Augenhöhe in die neue Mauer einzulassen. Stadtbaumeister
Wilhelm fertigte eine entsprechende Zeichnung an, und der Plan wurde ausgeführt.

Begeisterung und Kritik

So entstand die heute noch vorhandene, halbrunde Felsenmauer, wohlproportioniert und mit
der Reliefplatte aus Webers berühmtester Oper, dem Freischütz. Sie verlieh der Gedenkstätte
eine gefasste, fast theatralische Wirkung.
Doch nicht alle waren zufrieden. Nach der Fertigstellung entbrannte im Stadtrat eine Debatte.
Besonders aus der SPD-Fraktion kam scharfer Widerspruch. Man sprach von einer „groben
Verunzierung des Denkmals und seiner Umgebung“. Früher, so hieß es, habe das Auge nur
„das außerordentlich schöne Denkmal, umgeben von grüner Natur“ gesehen – jetzt aber
blicke man auf eine „nackte Felsenmauer“.
Die Kritiker forderten, die Bronzeplatte wieder an ihren ursprünglichen Platz am Sockel des
Denkmals zu versetzen.

Die Verteidigung der Mauer

Die Verantwortlichen – Bürgermeister Mahlstedt, Stadtbaumeister Wilhelm und
Hofgarteninspektor Lüth – wiesen die Kritik entschieden zurück. Die Mauer sei bewusst als
gestalterischer Abschluss des Platzes errichtet worden und solle mit Rankpflanzen
überwachsen. Zudem rücke sie das Freischütz-Relief ins Blickfeld des Betrachters.
Trotz der Proteste blieb die Mauer bestehen. Heute ist sie der einzige Teil der
Denkmalanlage, der noch im ursprünglichen Zustand von 1926 erhalten ist.

Die umstrittene Mauer und das Relief

(Eutin/kf – Heimatgeschichte, 2007)

Der Förstergeselle Max aus meiner Oper „Der Freischütz“ ist auch im Eutiner Weberhain zu
sehen – als Bronzerelief, das Teil des Denkmals zu meinen Ehren ist. Das Relief zeigt die
berühmte Probeschuss-Szene und ist in eine Felsenmauer eingelassen, die allerdings jünger
ist als das Denkmal selbst.
Die Büste des Komponisten Carl Maria von Weber, geschaffen vom Bad Schwartauer
Bildhauer Paul Peterich, wurde bereits 1890 enthüllt. Erst im Jahr 1926, anlässlich des 100.
Todestages, wurde das Denkmal „herausgeputzt“ und um die halbrunde Mauer ergänzt, in
die das Relief eingearbeitet wurde.
Diese Mauer sollte später für Diskussionen sorgen. Heimatforscher Klaus Petzold ist der
Geschichte dieser Anlage und auch der Herkunft des Bronzereliefs nachgegangen. Die Platte,
die die Freischütz-Szene des Probeschusses zeigt, gibt bis heute ein kleines Rätsel auf: Wer
sie ursprünglich geschaffen hat und wann sie nach Eutin kam, ist nicht endgültig geklärt.
Fest steht nur: Sie wurde bei den Jubiläumsfeierlichkeiten 1926 neu positioniert und in die
Mauer eingelassen – als sichtbares Symbol für Webers populärstes Werk.

Aus Pucks und Oberons Feder

Zwischen dem roten Glanz des Hornklangs und den halsbrecherischen Kunststücken von Webers Concertino folgen Oberon und Puck der Spur eines Instruments, das mehr Farbe trägt, als Menschen ahnen. In der nahezu verborgenen Horn-Ausstellung im Schlosses Eutin entdecken sie jene Naturhörner, deren Seele Webers Musik einst entzündete – und die bis heute leise von dieser Magie erzählen.

Zwischen Mär und Musik: Weber, Voß und Eutin

Oberon:
Man erzählt sich in Eutin seit Generationen eine Begegnung: der junge Carl Maria von Weber und der Dichter Johann Heinrich Voß, ein Hauskonzert, eine Maultrommel, verletzter Künstlerstolz. Die Geschichte ist schön – und sie hat sich tief eingeprägt.

Puck:
Schön, ja. Wahr? Nicht ganz. Die Chroniken widersprechen ihr. Doch auch Märchen haben ihre Wahrheit – nur liegt sie manchmal nicht im Zeitpunkt, sondern in der Wirkung.

Erinnerungen an Eutin, 1802

🪶 Aus meiner Feder

(Erfundene Gedanken Carl Marioa von Webers)

Ich war fünfzehn Jahre alt, als ich in Salzburg meine komische Oper
„Peter Schmoll und seine Nachbarn“ vollendete.
Mein Vater, rastlos wie immer, hatte sogleich die nächste Etappe
unserer „musikalischen Reise“ im Sinn: Norddeutschland.
So zogen wir im Jahre 1802 gen Eutin,
an einem hellen Frühherbsttag,
der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Unerwartet traten wir in das Rektorhaus,
wo man sich des ehemaligen Stadtmusikus, meines Vaters,
noch lebhaft erinnerte.
Doch schien unser Besuch wenig willkommen,
denn Herr Voß und seine Frau Ernestine
waren ganz vom Umzug nach Jena eingenommen.
So fanden wir erst im Hause des musikliebenden Kanzleirats Stricker
eine herzliche Aufnahme.

Schon am zweiten Abend gab man ein Hauskonzert zu Ehren der Gäste.
Ich spielte meine Schmoll-Ouvertüre
und einige kleine Fughetten,
die ich als Knabe zu Papier gebracht hatte.
Man lobte mich sehr –
bis der achtjährige Sohn des Hauses
seine Maultrommel ergriff
und mit demselben Eifer spielte,
der mir doch allein vorbehalten schien.
Sein Spiel erregte lebhaften Beifall.
Ich weiß nicht, ob es Eifersucht oder Schmerz war –
doch empfand ich die Töne dieser Maultrommel
wie kleine Stiche ins Herz.

Frau Ernestine Voß, die mein Verstummen bemerkt hatte,
sprach mir freundlich zu
und lud uns für den nächsten Tag zum Mittagessen ein.
Noch vor Tagesanbruch fuhr uns der Hofprediger Uckert
nach dem Uklei.
Über Gremsmühlen hinweg sah ich die Sonne aufsteigen,
wie sie sich im stillen See brach –
und dieser Anblick,
das Schweigen der Wälder,
die atmende Landschaft,
machte mich still und andächtig zugleich.
Ich wusste nicht, ob ich Komponist oder Träumer war.

Nach dem Mahl im Rektorhaus
saßen wir im Garten am See,
auf dem „Agneswerder“.
Voß las einige seiner Gedichte vor –
darunter das heitere „Sagt mir an, was schmunzelt ihr?“
Ich bat ihn um Abschriften;
die Verse klangen in mir nach,
als ich am Abend allein durch den Schlossgarten ging.
Zu seinen Worten hörte ich eine Melodie,
so luftig und verspielt,
dass ich sie sogleich niederschrieb,
noch ganz erfüllt von jener stillen Freude,
die nur die Schöpfung kennt.

Später, beim Konzert im Hause Stricker,
spielte ich sie –
und sang dazu die Voß’schen Zeilen.
Das Lächeln der Gäste war mir Beifall genug.
Aber kaum verklangen die letzten Akkorde,
nahm der junge Stricker wieder seine Maultrommel zur Hand.
Er stellte sich neben mich,
als wolle er wetteifern.
Er spielte nun mit zwei Maultrommeln zugleich –
und das Publikum jubelte.
Sogar mein Vater nickte freundlich:
„Wie schön!“ sagte er.
Ich aber stand da, wie gelähmt,
als sei mir der Boden entzogen.

Was war dies für ein Tag!
Er begann im Zauber des Morgens,
und endete in einer bitteren Lektion.
Doch vielleicht war es eine heilsame.
Denn in jener Stunde lernte ich,
dass Beifall flüchtig ist –
und dass wahre Musik
nicht im Lärm der Hände,
sondern in der Bewegung der Seele lebt.

Carl Maria von Weber mit ca. 18 Jahren
(Quelle: Kupferstich von J. Neidl nach J. Lang, Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin)