PETER SCHMOLL

und seine Nachbarn

PETER SCHMOLL UND SEINE NACHBARN

Weber-Oper zum Lesen & Hören

Eine frühe Eutiner Weber-Episode …

Hat Carl Maria von Weber die Ouvertüre zu seiner komischen Oper Peter Schmoll und seine Nachbarn 1802 in Eutin vorgestellt – oder zumindest eine musikalische Kostprobe gereicht? Der Gedanke ist reizvoll… – Der fünfzehnjährige Weber hatte seine Oper gerade in Salzburg vollendet, als er gemeinsam mit seinem Vater zu einer „musikalischen Reise“ nach Norddeutschland aufbrach. Im Haus des musikliebenden Kanzleirats Stricker in der Pfaffenstraße soll am zweiten Abend ein Hauskonzert stattgefunden haben. Carl Maria habe dabei unter anderem die Ouvertüre zu Peter Schmoll gespielt. – So jedenfalls erzählt es die Eutiner Überlieferung, Carl Maria von Weber und Eutin aus dem Jahr 1951. Unabhängig vom historischen Wahrheitsgehalt der Überlieferung ist Peter Schmoll und seine Nachbarn bis heute nur fragmentarisch greifbar, da die ursprünglichen Sprechtexte als verschollen gelten.

 

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    Denk- und Arbeitsraum

    Schmoll 2027 macht Webers frühes Musiktheater als heutigen Experimentierraum erfahrbar. Ist das Werk besser geeignet für szenische Lesungen, für konzertante Versionen, kammermusikalische Singspiele oder gar für szenische Umsetzungen auf kleinen und großen Bühnen? Vier Themen-Module mit Leitfragen-Checklisten, Stärken- Schwächen-Analysen, Fragen zu eigenen Beobachtungen und Skalen zur Einschätzung helfen, Antworten zu finden.

    Edutainment: Marginalien, durchgängig am Rand jeder Buchseite, bieten Platz für Notizen, Kommentare oder Anmerkungen. Eine Übersicht im Anhang zeigt, welche Romanstellen in die editorische Rekonstruktion eingeflossen sind. Peter Schmoll und seine Nachbarn neu lesen – und als musiktheatrale Premiere wiederentdecken.

Weber-Oper
lesen und hören

  • Ouvertüre
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Peter-Schmoll-Szene-Partitur.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Ouvertüre_01.mp3

„Peter Schmoll 2027“ verbindet Rekonstruktion und Neubearbeitung nach der Romanvorlage von Carl Gottlob Cramer (1799 in zwei Bänden erschienen). Das neue Textbuch mit Hörbeispielen soll Webers Frühwerk als schlüssiges Musiktheater neu erfahrbar machen und an den ersten Besuch seiner Geburtsstadt Eutin erinnern.

In 2027 steht ein 100-jähriges Jubiläum an.
Die Peter-Schmoll-Premiere vom 18. November 1927 am Stadttheater Lübeck.
Die Abbildung des Theaterzettels aus dem Stadtarchiv Lübeck finde Sie unten im Tabulator „Rekonstruktion“.

Libretto Premiere

Noch ist der Vorhang nicht ganz geöffnet – doch die Libretto-Premiere rückt näher.
Das Libretto zum Lesen und Hören erscheint im Laufe des Weber-Jubiläumsjahres 2026.
Vorab stehen eine erste Leseprobe und 60-Sekunden-Hörbeispiele bereit.

Eine Singspiel voller Herz, Humor – und unglaublicher Verwechslungen

In „Peter Schmoll und seine Nachbarn“ treffen Menschen aufeinander, die in Folge der Französischen Revolution untergetaucht sind, ihre Namen geändert haben und nicht wissen, wer ihnen gegenübersteht – obwohl ihre Vergangenheit eng miteinander verwoben ist.

Mitten hinein platzt eine zarte Liebe zwischen Minette und Carl, zwei jungen Menschen, die sich als Kinder kannten und jetzt nicht wiedererkennen. Ein geheimnisvoller Greis, ein Eremit, ein panischer Kaufmann und ein überforderter Diener sorgen für überraschende Wendungen.

Was als verzweifeltes Versteckspiel beginnt, endet als warmherzige Wiedervereinigung:
Eine Oper über Identität, Mut, Freundschaft – und die Kraft der Liebe, die trotz aller Masken ihren Weg findet.

Ideal für Neugierige, Neueinsteiger*innen und alle, die Geschichten mögen, in denen Menschen sich verlieren – und am Ende umso tiefer wiederfinden.

„Eine erste musikalisch vollständige Talentprobe stellt die 1803 uraufgeführte Oper Peter Schmoll und seine Nachbarn dar. Während sich die Ouvertüre (die erste in der Reihe der „typischen“ Weber-Ouvertüren) bis heute als lebendiges und effektvolles Konzertstück gehalten hat, hat das Werk als Ganzes nur seltene Wiederbelebungsversuche erlebt. Das erscheint ein wenig unverständlich; muss man denn ein Opernpublikum immer nur mit großen, bekannten Stücken locken? Findet denn nicht auch etwa Mozarts Jugendoper Bastien und Bastienne ihre Liebhaber? Man sollte daher ruhig einmal wieder versuchen, auch Peter Schmoll einem breiteren Publikum nahezubringen.“

Quelle:
Die vergessenen Werke – Webers unbekannte Opern
in Programmheft Eutiner Sommerspiele 1968, S. 18f.

Gerald Mertens
Chefredaktion das Orchester

 

Die vorliegende Fassung von Peter Schmoll und seine Nachbarn ist eine Werkstatt-Rekonstruktion. Sie versteht sich als dramaturgischer Entwurf – als Anstoß, ein selten gespieltes Frühwerk Carl Maria von Webers in seiner ursprünglichen Spielbarkeit neu erfahrbar zu machen.
Die gesprochenen Dialoge gelten als verschollen. Frühere Aufführungen griffen daher wiederholt tief in Struktur, Nummernfolge, Figurenkonstellation und Handlung ein. Diese Bearbeitung wählt einen anderen Weg: Auf Grundlage der Romanvorlage, der überlieferten Gesangstexte und der originalen musikalischen Abfolge wurde das Werk wie ein dramaturgisches Puzzle neu zusammengesetzt. Ziel war es, Liedtexte und erzählerische Prosa zu einer schlüssigen Bühnendramaturgie zu verbinden, ohne die musikalische Substanz zu verändern.
Die Rekonstruktion erhebt keinen Anspruch auf Endgültigkeit. Sie ist als Arbeitsgrundlage gedacht – offen für Kürzungen, Erweiterungen, szenische Umdeutungen oder neue Akzentsetzungen. Gerade im Frühwerk liegt die Chance, Strukturen sichtbar zu machen, die in späteren Opern weiterentwickelt wurden: Identität und Verstellung, gesellschaftliche Rollenbilder, Besitz und Moral, komische Brechung als Schutzmechanismus.
Die anschließenden Kapitel zur Inszenier und Werkstatt-Module sind als Denk- und Arbeitsfelder konzipiert. Sie dienen der Öffnung: für Analyse, Diskussion, Probenarbeit oder thematische Spielzeitplanung. Das Werk soll erneut befragt werden. Diese Fassung ist ein Aufschlag – eine Einladung, Peter Schmoll wieder als spielbares Musiktheater zu denken und eigenständig weiterzuentwickeln.
Auch private Leserinnen und Leser lade ich ein, Figuren, Handlung und musikalische Dramaturgie aktiv nachzuvollziehen und weiterzudenken. Die Module sollen es ermöglichen, historische Stoffe konstruktiv-kreativ mit heutigen Fragen zu verbinden – die Oper aufzunehmen und sich ein eigenes Urteil zu erarbeiten

 

 

 

Frühere Neufassungen

Laut der Carl Maria von Weber Gesamtausgabe entstanden zwischen 1927 und 1963 – soweit bekannt – sechs Neufassungen, die das Problem
der verlorenen Dialogtexte jeweils auf unterschiedliche Weise zu lösen versuchten. In einigen Neuauffassungen griff man wiederholt in die Partitur ein: Gesangsnummern wurden umgestellt, gekürzt oder ganz gestrichen. Die erste Neufassung in fünf Bildern mit Dialogen in Versform erarbeitete der Lübecker Opernregisseur Carl Eggert. Die Premiere fand am 18. November 1927 im Stadttheater Lübeck statt – ihr hundertjähriges Jubiläum fällt somit auf das Jahr 2027. Am einflussreichsten wurde die Fassung von Willy Werner Göttig (1963), der erneut  Prosadialoge bevorzugte.

Quelle: Archiv der Hansestadt Lübeck 04.04-1/7 – Theaterbehörde/Bühnen der Hansestadt Lübeck Nr. 294

 

Die 20 Nummernfolgen hat Götting erheblich verändert: 1, 11, 3, 7, 5, 6, 8, 17, 18, 4, 9, 10, 13, 16, 15, 12, 19, 2, 14, 20. In dessen Bearbeitung wurde Peter Schmoll einen Bruder namens Martin zugeschrieben. Peter Schmoll und seine Nachbarn – eine Figur, die im Roman nicht vorkommt. Auch die Gesangstexte wurden verändert. Minette ist im Roman anfangs 15 Jahre alt und am Ende des zweiten Bands angekommen 21 Jahre. Als Minette Carl das erste Mal nach ihrer Trennung wiedersieht und beide sich nicht wiedererkennen, verliebt sich Minette sofort in Carl Sie ist zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt. Möglicher Kritik vorbeugend richtet sich Romanverfasser Cramer im Buch direkt an Rezensenten und erklärt Minettes spontane Verliebtheit.

 

Rekonstruktion nach dem gleichnamigen Roman

Der Roman Peter Schmoll und seine Nachbarn umfasst sechs Perioden: Die erste reicht bis 1791, die sechste endet 1797. Über seine literarische Bedeutung gehen die Urteile auseinander:

  • Vorwort des Klavierauszugs (1963):
    Der Roman habe 1800 zwar eine zweite Auflage erlebt, besitze aber „keinen besonderen literarischen Wert“
    (nach der Gesamtausgabe Webers, Reihe 2, Bd. I, S. XII/XIII).
  • Gerald Mertens (Spielzeitheft der Eutiner Festspiele, 1986):
    „Es war ein damals sehr populärer Roman.“
  • Christoph Schwandt, Carl Maria von Weber in seiner Zeit (Schott, 2014, S. 44):
    Cramers Romane seien beliebt gewesen, und Peter Schmoll habe „rasch weitere Auflagen“ erlebt. „Carl Marias drittes Bühnenwerk war also eine Oper zu einem Bestseller mit tagesaktuellem Bezug.“
  • Jürgen Gauert (CD-Booklet zur Schmoll-Aufnahme, 1993):
    Die Idee, den Roman als Opernstoff zu bearbeiten, stamme von Franz Anton Weber. „Cramer war zu seiner Zeit ein beliebter Bestsellerautor.“ Librettist Türke habe sich „pedantisch an die umständliche Romanvorlage“ gehalten.

Letzteres bestätigt sich weitgehend: Textfragmente des Romans wurden nahezu wörtlich in die Gesangsnummern übernommen. In der vorliegende Neufassung steht jede Nummer nachvollziehbar im Kontext des jeweiligen Romankapitels. In der Libretto-Rekonstruktion ist die gesamte Handlung der Spielbarkeit wegen auf ein Jahr reduziert.

 

I. Akt

Der misstrauische, aus Amsterdam geflohene Kaufmann Peter Schmoll lebt mit seiner Tochter Minette und dem treuen Diener Hans Bast zurückgezogen in einem alten Jagdhaus auf den Mauern der Bärenburg. Ein rätselhafter Brief, den er kurz vor der Flucht erhielt, lässt ihn nicht los: Andeutungsweise ist die Rede davon, dass sein engster Freund Helmers ein ähnliches Schicksal erlitten habe wie Abbé Saurin, Minettes ehemaliger Hauslehrer – doch niemand weiß, was das bedeutet.
Aus Angst vor Verfolgung hat sich Schmoll völlig eingekapselt, zählt obsessiv sein gerettetes Geld und lebt in ständiger Sorge, während Minette unter ihrer Isolation leidet.

Nicht nur Schmoll verbirgt sich: Auch andere aus seinem früheren Umfeld haben anonym in derselben Gegend Zuflucht gefunden – unter falschen Namen, verstellten Stimmen oder als Einsiedler. Alle leben inkognito, sodass selbst Menschen, die früher eng verbunden waren, einander nicht mehr erkennen. Dazu gehören auch Minette und Carl, die als Kinder miteinander spielten und sich nun, erwachsen geworden, nicht wiedererkennen.

Minette begegnet in der Waldeinsamkeit dem jungen Carl, der als Oberbereiter beim Grundherrn Michelsen arbeitet und ebenfalls unter falscher Identität lebt. Eine zarte Liebe entsteht, doch beide verschweigen aus Angst ihre Herkunft und verabreden ein geheimes Zeichen.

Hans Bast bemerkt Minettes Verwandlung. Kurz darauf bittet Bauer Niklas um ein Quartier für Michelsens besten Mitarbeiter – ohne zu ahnen, dass es Carl ist. Minette überredet Bast, den jungen Mann heimlich im Haus aufzunehmen. Als es zum ersten Zusammentreffen kommt, begreift Bast langsam, was vor sich geht. Zwischen ihm und Carl entsteht Sympathie.

Carl träumt vom Pferdehandel und wird von Minette unterstützt; doch als er einem erschöpften alten Mann sein gesamtes Geld schenkt, bewundert Minette seine Güte – ein Moment, den Chor und Handlung gleichermaßen feiern.

 

II. Akt

Carl ist tief von der Begegnung mit dem alten Mann berührt, und Minette versucht, seine Unruhe zu mildern. Währenddessen beginnt sich Schmoll durch die Beobachtung der Reiter vor der Burg – insbesondere eines Reiters im roten Rock, nicht wissend, dass es Carl ist – langsam wieder für das Leben zu öffnen.

Minette und Carl besuchen den geheimnisvollen, fast blinden Greis, der sich schweizerisch gibt und als Einsiedler lebt. Niemand der drei ahnt, dass es Helmers ist – Carls Vater und Schmolls lang vermisster Freund. Der Greis spricht über die Missverständnisse und Gerüchte im Dorf, die zeigen, wie leicht Menschen sich falsch beurteilen – das zentrale Motiv der Oper. Am Ende segnet er Minette.

Minette möchte Carl nun ihrem Vater vorstellen. Carl legt seinen besten blauen Rock an, doch gerade dieser Anblick erschreckt den misstrauischen Schmoll, der ihn nicht erkennt und für einen Eindringling hält. Die Situation eskaliert, bis Schmoll vor Aufregung zusammenbricht.

Jetzt beginnen die Masken zu fallen.
Hans Bast und Carl holen den nahe wohnenden Eremiten, der Schmoll mit Tropfen versorgt. Dabei erkennt Schmoll den Mann verblüfft wieder: Es ist Abbé Saurin, Minettes ehemaliger Lehrer und der Verfasser des rätselhaften Briefes.

Schritt für Schritt lichten sich jetzt die Schleier des Inkognito-Lebens: Der Greis enthüllt sich als Helmers – Carls Vater und Schmolls Geschäftspartner und bester Freund. Minette und Carl erkennen ihre alte Kinderfreundschaft wieder.

Damit wird klar: Alle lebten seit Jahren als Nachbarn – ohne einander zu erkennen. Am Ende verteilt Schmoll großzügig sein gerettetes Vermögen und beschließt, Land zu kaufen, damit alle – Minette, Carl, Helmers, Bast und Saurin – künftig gemeinsam und ohne Masken leben können.

Die einst angstbesetzte Bärenburg wird zum Zuhause einer wiedergefundenen Gemeinschaft.

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    Peter Schmoll und seine Nachbarn

    Erschienen am 10. Nov. 1993
    Gerhard Markson, Philharmonisches Orchester Hagen
    Label: Marco Polo, Art. Nr.: 8.223592-93, EAN: 4891030235922

    *

    Die Originalpartitur zeigt „eine große dramatische Begabung, und für einen fünfzehnjährigen Komponisten ist es ein außergewöhnliches Werk …  Peter Schmoll steht am Beginn eines Weges, der schließlich zu Oberon und Der Freischütz führt.“

    *

     

     

     

     

     

     

     

Lesen. Hören. Vergleichen.

Hörbeispiele ergänzen das Libretto. Die Ersteinspielungen wurden freundlicherweise von NAXOS für das Libretto zur Verfügung gestellt.

Empfehlung: Zur Libretto-Ausgabe Peter Schmoll 2026 Tonaufnahmen hören und vergleichen.

  • Ersteinspielung mit Gerhard Markson und dem Philharmonischen Orchester Hagen vom 5. Februar 1993.
  • Zusammenspiel von Text und Musik: Hauptmerkmale des Weberschen Tonsprache sind darin zu erkennen

  • Ideales Arbeitsmittel für Studium, Dramaturgie und Inszenierungsvorbereitung

  • Peter Schmoll nicht nur lesen, sondern als Musiktheater erfahren

 

Beispiel (Beta-Version):
Texte der Bearbeitung von Willy Werner Götting aus dem Jahr 1963 hören und synchron dazu die Texte der Urfassung um 1801/02 von Joseph Türke im Libretto lesen (Sie sehen im Obertitel den Text Urfassung, darunter synchron die Untertitel der Ersteinspielung).
B: Hans Bast, M: Minette, S: Peter Schmoll

 

60-Sekunden-Hörbeispiele

Ersteinspielung 1963 mit geänderten Gesangstexten

  • Das sind die schönsten Früchte der Revolution
  • CD Nr. 1 Man sollt' es gar nicht glauben (Libretto I. Akt, 1. Szene, ♫ Seite 15)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • https://carlmariavonweber.de/schmoll-libretto/#1778261000986-2200bc2d-ce0f
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr1-NeueNr1-Terzett_01.mp3
  • Spiele, alter Esel Du
  • CD Nr. 11 Spiele, alter Esel Du (Libretto I. Akt, 1. Szene, ♫ 2, Seite 18)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr2-NeueNr11-Terzett_01.mp3
  • Im Rheinland eine Dirne war
  • CD Nr. 3 Ein Mädchenherz, das wahrhaft liebt (Libretto I. Akt, 2. Szene, ♫ 3, Seite 21)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Oberon-CD-Cover.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr3-NeueNr3-Romanze_01.mp3
  • Der Wüstling verschwendet der Liebe Gefühl
  • CD Nr. 7 Oh Liebe, beschütze mich (Libretto I. Akt, 3. Szene, ♫ 4, Seite 23)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr4-NeueNr7-Arie_01.mp3
  • Die Menschen sind schon so
  • CD Nr. 5 Ich bin ein armer Hund (Libretto I. Akt, 3. Szene, ♫ 5, Seite 27)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr5-NeueNr5-Ariette_01.mp3
  • Wenn er nur Ruh und Ordnung hält
  • CD Nr. 6 Zeigt hier, was ihr im Korbe habt (Libretto I. Akt, 5. Szene, ♫ 6, Seite 37)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr6-NeueNr6-Terzett_01.mp3
  • Hans Bast, gib Acht, Hans Bast
  • CD Nr. 8 Hans Bast, sei klug, Hans Bast (Libretto I. Akt, 5. Szene, ♫ 7, Seite 39)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr7-NeueNr8-Ariette_01.mp3
  • O Hoffnung, gütigste der Feen
  • CD Nr. 17 Ich bin an meiner Wünsche Ziel (Libretto I. Akt, 6. Szene, ♫ 8, Seite 41)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr8-NeueNr17-Rezitativ-und-Arie_01.mp3
  • Dich an dies Herz zu drücken
  • CD Nr. 18 Welch himmlisches Entzücken (Libretto I. Akt, 6. Szene, ♫ 9, Seite 42)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr9-NeueNr18-Duett_01.mp3
  • Der edle junge schöne Mann
  • CD Nr. 4 Ihr seid fürwahr mein bester Freund (Libretto I. Akt, 7. Szene, ♫ 10, Seite 45)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr10-NeueNr4-Duett_01.mp3
  • Es ist das seligste Vergnügen
  • CD Nr. 9 Ihr müsst mir schwören jetzt Verschwiegenheit (Libretto I. Akt, 9. Szene, ♫ 11, Seite 56)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr11-NeueNr9-Terzett-Finale1_01.mp3
  • Du fröhlicher Jüngling, mit Flaumen um's KIinn
  • CD Nr- 10 Wie glücklich schlägt heute mein liebendes Herz (Libretto II. Akt, 1. Szene, ♫ 12, Seite 57)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr12-NeueNr10-Arie_01.mp3
  • Ja! Gottes Erde ist doch so schön!
  • CD Nr. 13 Es ist ein herrliches Gefühl (Libretto II. Akt, 2. Szene, ♫ 13, Seite 63)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr13-NeueNr13-Arie_01.mp3
  • Empfanget hier des Vaters Segen
  • CD Nr. 16 So nehmet meinen Vatersegen (Libretto II. Akt, 3. Szene, ♫ 14, Seite 68)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr14-NeueNr16-Terzett_01.mp3
  • Wie der bange Pilger zittert
  • CD Nr. 15 Hier soll ich sie wiederfinden (Libretto II. Akt, 3. Szene, ♫ 15, Seite 70)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr15-NeueNr15_Arie_01.mp3
  • Ein Lügner ist ein großer Mann
  • CD Nr. 12 Die Menschen lügen gar zu gern (Libretto II. Akt, 4 Szene, ♫ 16, Seite 73)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr16-NeueNr12-Ariette_01.mp3
  • Fort! Fort! Von hier, er ist es nicht!
  • Schert Euch zum Teufel! (Libretto II. Akt, 4. Szene, ♫ 17, Seite 74)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr17-NeueNr19-Quartett_01.mp3
  • Fürwahr ich bin ein kleines Tier
  • CD Nr. 2 Haha! Haha! Das wär ja doch gelacht! (Libretto II. Akt, 4. Szene, ♫ 18, Seite 76)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr18-NeueNr2-Arie_01.mp3
  • O großer Gott! Ich danke Dir für meines Vaters Leben
  • Geliebter Mann, ich ruhe in Deinen liebevollen Armen (Libretto II. Akt, 5. Szene, ♫ 19, Seite 79)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr19-NeueNr14-Duett_01.mp3
  • So hab ich nach schmerzlich vertrauerten Stunden
  • Ich bin ja so glücklich (Libretto II. Akt, 5. Szene, ♫ 20, Seite 87)
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Nr20-NeueNr20-Finale_01.mp3
  • Ouvertüre
  • CD Ouvertüre
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/2026/01/Naxos-Marco-Polo-CD-Cover-Peter-Schmoll.jpg
  • OPER
  • https://carlmariavonweber.de/wp-content/uploads/audio/schmoll-mp3/Ouvertüre_01.mp3

Gesangstexte

Urfassung und Ersteinspielung: Hören, lesen und vergleichen.  

Gesangstexte

Linke Spalte:
Überlieferte Gesangstexte in unveränderter Reihenfolge (Autograph)

Rechte Spalte:
Veränderte Gesangstexte in geändeter Reihenfolge (NAXOS CD 1993)

Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 1 Peter Schmoll, Minette, Hans Bast
„Das sind die schönen Früchte der Revolution“
Nr. 1 Introduktion – Terzett (Minette, Schmoll, Bast)
SCHMOLL:
Das sind die schönen Früchte
Der Revolution,
Das ist die Mordgeschichte
Der Frankennation.MINETTE:
Mein Vater, guten Morgen!SCHMOLL:
Da sitz‘ ich nun verborgen.MINETTE:
Sag‘, wie befind‘st Du dich?SCHMOLL:
Kein Frank‘ verfolget mich;
Doch bin ich nicht zufrieden,
Weil mir die Freiheit fehlt;
Sie ist es, die hienieden.
Des Menschen Muth beseelt.MINETTE:
Des guten Vaters Sinne
Hat Kummer ganz verkehrt.
O Tochter! jetzt beginne,
Was Liebe nur begehrt.HANS BAST:
Hier bin ich zu Befehle,
Mein werter Herr Patron.SCHMOLL:
Nimm, dumme Stockfischseele,
Der Domestiken Lohn.HANS BAST:
O Herr! Die Domestiken
Sind lange von uns fort.SCHMOLL:
Sieh, Hornochs, die Rubriken
Steh‘n noch am alten Ort.
Ein Hauptbuch kann nicht lügen,
Das merk Dir, dummer Wicht!MINETTE, HANS BAST:
Sein Kopf liegt ja in Zügen,
Ich glaub‘ es anders nicht.
Schmoll

Man sollt‘ es gar nicht glauben,
die Menschen sind so schlecht!
Sie stehlen und sie rauben –
dem Pack ist alles recht!

Bast
Sie stehlen und sie rauben – sie haben ja so Recht!

Minette
Warum denn immer klagen an diesem schönen Ort …

Schmoll
Ich muss die Wahrheit sagen!

Bast
Ja, ich versteh kein Wort!

Minette
Es eilen die Gedanken zu jener Zeit zurück.
Nur Liebe schenkt das süße, das wahre wahre Glück!

Schmoll
Der Dieb ist ausgerissen, das bare Geld ist fort!

Bast
Beruhigt Euch, Herr Schmoll!
Jetzt möchte ich nur wissen, wie ich ihn trösten soll!

Minette
Es ist so schön zu hoffen, die Sonne lacht so hell!
Es wird noch alles gut – die Zeit vergeht so schnell!

Schmoll
Geglückt wär‘ es mir fast, dass ich den Dieb gefasst!
Hätt‘ ich ihn hier zur |Stell‘ – wie gerbt ich ihm das Fell!

Bast
Ihr jammert doch vergebens, beruhigt euch, Herr Schmoll!

Schmoll
Du Hölle meines Lebens, du machst mich noch ganz toll!

Bast
Ihr habt genug gerettet, ich weiß es ganz genau!

Schmoll
Ich hab‘ genug gerettet?

Bast
Ich weiß es ganz genau!

Schmoll
Woher willst Du das wissen?
Du bist doch sonst nicht schlau!
Hör auf mit deinem Schwatzen,
weil ich nichts hören will!
Der Herr bin ich in meinem Hause!
Drum schweige endlich still!

Minelle
Solange sie sich streiten, gibt keiner acht auf mich.
Ich denke, was ich will, was ich will!

Schmoll
Der Herr bin ich im Hause, drum schweige Du ietzt still!
So schweig doch endlich still, schweige still, schweige still!

Bast
Der Herr seid Ihr im Hause, drum schweige ich ietzt still!
Ich denke, was ich will. Ich denke, was ich will!

♫ 1 Peter Schmoll, Minette, Hans Bast
„Das sind die schönen Früchte der Revolution“

Urfassung, komponiert um 1801-1802 Neufassung 1963, Willy Werner Göttig 
♫ 1 Peter Schmoll, Minette, Hans Bast
„Das sind die schönen Früchte der Revolution“
Nr. 1 Introduktion – Terzett (Minette, Schmoll, Bast)
SCHMOLL:
Das sind die schönen Früchte
Der Revolution,
Das ist die Mordgeschichte
Der Frankennation.MINETTE:
Mein Vater, guten Morgen!SCHMOLL:
Da sitz‘ ich nun verborgen.MINETTE:
Sag‘, wie befind‘st Du dich?SCHMOLL:
Kein Frank‘ verfolget mich;
Doch bin ich nicht zufrieden,
Weil mir die Freiheit fehlt;
Sie ist es, die hienieden.
Des Menschen Muth beseelt.MINETTE:
Des guten Vaters Sinne
Hat Kummer ganz verkehrt.
O Tochter! jetzt beginne,
Was Liebe nur begehrt.HANS BAST:
Hier bin ich zu Befehle,
Mein werter Herr Patron.SCHMOLL:
Nimm, dumme Stockfischseele,
Der Domestiken Lohn.HANS BAST:
O Herr! Die Domestiken
Sind lange von uns fort.SCHMOLL:
Sieh, Hornochs, die Rubriken
Steh‘n noch am alten Ort.
Ein Hauptbuch kann nicht lügen,
Das merk Dir, dummer Wicht!MINETTE, HANS BAST:
Sein Kopf liegt ja in Zügen,
Ich glaub‘ es anders nicht.
Schmoll
Man sollt‘ es gar nicht glauben, die Menschen sind so schlecht!
Sie stehlen und sie rauben dem Pack ist alles recht!Bast
Sie stehlen und sie rauben – sie haben ja so recht!Minette
Wa rum denn immer klagen an diesem schönen Ort …Schmoll
Ich muss die Wahrheit sagen!Bast
Ja, ich versteh kein Wort!Minette
Es eilen die Gedanken zu jener Zeit zurück.
Nur Liebe schenkt das süße, das wahre wahre Glück!
Nur Liebe schenkt das süße, das wahre wahre Glück!Schmoll
Der Dieb ist ausgerissen, das bare Geld ist fort!Bast
Beruhigt Euch, Herr Schmoll!
Jetzt möchte ich nur wissen, wie ich ihn trösten soll!Minette
Es ist so schön zu hoffen, die Sonne lacht so hell!
Es wird noch alles gut die Zeit vergeht so schnell!Schmoll
Geglückt wär‘ es mir fast, dass ich den Dieb gefasst!
Hätt‘ ich ihn hier zurStell‘ – wie gerbt ich ihm das Fell!Bast
Ihr jammert doch vergebens, beruhigt euch, Herr Schmoll!Schmoll
Du Hölle meines Lebens, du machst mich noch ganz toll!
dDu machst mich noch ganz toll!Bast
Ihr habt genug gerettet, ich weiß es ganz genau!
Ich weiß es ganz genau!Schmoll
Ich hab‘ genug gerettet?Bast
Ich weiß es ganz genau!Schmoll
Woher willst Du das wissen? Du bist doch sonst nicht schlau!
Hörauf mit deinem Schwatzen, weil ich nichts hören will!
Der Herr bin ich in meinem Hause! Drum schweige  endlich still!
Der Herr bin  ich im Hause! Drum schweige  du jetzt  still,
ja schweige  du jetzt  still, so schweig doch endlich still,
schweige still, schweige still!Minette
Solange sie sich streiten, gibt keiner acht auf mich.
Ich denke, was ich will, ich denke was ich will, was ich wii,
was ich will!Bast
Der Herr seid Ihr im Hause, drum schweige ich ietzt still!
Ich denke, was ich will, ich denke, was ich will,
ich denke, was ichwill, was ich will, was ich will!
 de

♫ 1 Peter Schmoll, Minette, Hans Bast
„Das sind die schönen Früchte der Revolution“

 

 

Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 2 Terzett – Schmoll, Hans Bast, Minette
„Spiele, alter Esel, Du“
Nr. 11 Terzett – Schmoll, Hans Bast, Minette
SCHMOLL:

Spiele, alter Esel, Du,
Immerhin die blinde Kuh;

HANS BAST:
Ja, wir spielen blinde Kuh;
Bindet mir die Augen zu.

MINETTE:
[verbindet Bast die Augen mit einem weißen Tuch]
Lass Dir das Gesicht verbinden;
O Du sollst uns schwerlich finden.

HANS BAST:
Wenn sie mich auch ganz verbinden,
Werde ich sie dennoch finden;
Drehet Euch nun dreimal stumm
Bis ich stampfe, rund herum.

Schmoll und Minette springen dreimal um Bast im Kreise herum. Bast stampft mit dem Fuß und fängt an im Zimmer zu suchen. Schmoll und Minette weichen ihm auf allen Seiten sorgfältig aus. Bast verfolgt insbesondere Schmoll, dieser entwischt ihm aber durch verschiedene komische Seitensprünge. Bast tappt immer im Zimmer herum und kommt
endlich zu einem an der Seite stehenden Kleiderständer,
auf welchem ein Kleid Minettes hängt, das er hastig erfasst.

HANS BAST:
Herr Patron, was gilt die Wette?
Dieses ist Mamsell Minette!

SCHMOLL, MINETTE:
Ei, Hans Bast, sei doch gescheit:
Es ist meiner Tochter Kleid.
Sieh doch! Es ist nur mein Kleid.

HANS BAST:
[nimmt das Tuch vom Gesicht]
Es ist leider nur ihr Kleid.

SCHMOLL, MINETTE:
[verbindet Bast nochmals die Augen, leise]
Ha! er findet ein Vergnügen
An dem Spaß, das freut mich sehr.
Unser Plan, er wird nun siegen,
Er hat keinen Kummer mehr.

HANS BAST:
Wenn ich sie nicht diesmal fange,
Schlag ich mir den Schädel ein.

SCHMOLL, MINETTE:
[leise]
Vor Dir ist uns gar nicht bange,
Denn Du müsstest klüger sein.

HANS BAST:
[sucht wieder im Zimmer herum, taumelt hastig hin und her und
fällt der Länge nach über einen Stuhl]
O Herr Jemine! Mir krachen
Alle Rippen in dem Leib‘.

SCHMOLL, MINETTE:
Aber, das ist doch zum Lachen,
Das ist wahrer Zeitvertreib.
Steh‘ doch fester auf den Füßen,
Ungeschickter Tölpel Du!
Sollte Dich der Fall verdrießen,
Geben wir Dir gerne Ruh.
HANS BAST:
Soll mich nicht der Fall verdrießen?
Herzlich gerne geb‘ ich Ruh!
Soll ich‘s Morgen wieder büßen,
Hol‘ die Pest die blinde Kuh!

Bast
Spiele, alter Esel, Du, spiele lustig Blindekuh!
Ganz vergeblich wartest Du auf den Kuss der Blindekuh!Schmoll
Los, wir spielen Blindekuh! Bindet mir die Augen zu!
Ich bin jetzt die Blindekuh! Bindet mir die Augen zu!Bast
Diese blöde Kinderei! Wer hat da schon Spaß dabei!Minette
Lasst die Augen Euch verbinden! Ei, versucht es, mich zu finden!
Ehe ich Euch werde küssen, werdet Ihr mich haschen müssen!Bast
Ja, Minett‘ hat flinke Beine, doch Herr Schmoll hat le􀀦er keine!Minette
Ei, so hascht mich! Ei, so hascht mich!Schmoll
Ja, wie mach ich es mit List, dass Minette den Onkel küsst,
dass sie ihn endlich küsst!Bast
Mein Herr Schmoll, was gilt die Wette?!
Ich bin leider nicht Minette, ich bin leider nicht Minette!Minette
Es ist nichts mit einem Kuss, weil er mich erst fangen muss!Schmoll
Es ist nichts mit einem Kuaa, weil ich sie erst fangen muss!Bast
Es ist nichts mit einem Kuss!Minette
Aber nun heißt’s aufgepasst!
Blindekuh ist ietzt Hans Bast!Schmoll
Es ist nichts mit einem Kuss!
Jetzt heißt’s: aufgepasst!Bast
Was gilt die Wette?!
Es war leider nur Hans Bast, den Du Dir gefangen hast!Minette
So, nun fangt mich, aufgepasst!

Schmoll
Beinoh wär es ihm geglückt.

Bast
Ach, ich bin ein armer Wicht!

Minette
Ich bin doch ganz nah, Hans Bast!

Schmoll
Doch er ist zu ungeschickt!

Bast
Denn Minette fang ich nicht!

Minette
Ihr braucht nur geradeaus zu gehn !Aber lasst die Mauer stehn!

Schmoll
Lass sie stehn!

Bast
Ja, ich lass die Mauer stehn !
Wenn ich diesmal sie nicht fass, kriege ich auch keinen Kuss!

Schmoll/Bast
Alter Freund, ’s ist kein Vergnügen, plagt man sich um einen Kuss!
Ich geb’s auf, mach einfach Schluss!

Bast
Ho! Ich hob Dich gefangen! Krieg ich ietzt meinen Kuss?

Alle
Was versprochen wurde, muss man immer holten:
Hier ist der Kuss!

Schmoll
Ich bin wieder Blindekuh!
Binde mir die Augen zu!

Bast
Oh, Herrjemine! Oh, Herrjemine!

Minette
Nein, Ihr müsst ietzt alle beide meine Blindekühe sein!

Schmoll
Was? Wir Beide?

Bast
Alle Beide?

Schmoll
Blindekühe?

Bast
Ach, lasst mich doch mit Eurem Spiel in Ruh!

Schmoll
Nein, das lohnt ja nicht die Müh, nein!

Bast
Lasst mich endlich jetzt in Ruh!

Schmoll
Dazu sag ich endlich nein!

Bast
Ach, lasst mich in Ruh!
Er und ich zwei Blindekühe? Dazu sog ich rundweg nein!
Wer kann schönen Frauen ernsthaft wiederstehen? Das kann nicht gehn !

Minette
Alles wird nach meinem Kopfe und nach meinem Wunsche gehn!

Bast
Wie sie will wird alles gehn!

Minette
Und den Kuss?

Schmoll
Und den Kuss?

Bast
Diesen Kuss bekommt er nie!

Minette
Den bekommt Ihr, wenn Ihr mich gefangen habt!

Schmoll
Den bekomm ich, wenn ich sie gefangen hab!

Bast
Den bekommt Ihr, wenn Ihr sie gefangen habt!

Minette
Und Ihr bleibt ohne Kuss!

Schmoll
Und jetzt kriege ich den Kuss!

Bast
Niemals kriegt er einen Kuss!

Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 3 Ballade – Minette
„Im Rheinland eine Dirne war“
Nr. 3 Romanze (Minette)
MINETTE:
Im Rheinland eine Dirne war,
Recht lieblich, schön und rein,
Hellblau ihr Aug, kohlschwarz ihr Haar,
Das Antlitz zart und fein.Ein Herzchen, wie gediegen, Gold,
Und warmes, junges Blut,
Agnese war der Menschheit hold,
Die Menschheit war ihr gut.Ihr Vater stracks ein Rittersmann
Nach alter deutscher tugendhafter Art –
Mit Mann‘skraft stattlich angetan,
Rau, wie sein ein Ross und Bart –Versteckte einst in Tod‘sgefahr
Sein schmuckes, Töchterlein
Zum Dienste Gottes am Altar
Ins stille Klösterlein.Schön Liebchen folgte wie ein Lamm
Mit tiefverschloss‘nem Mund
Voll herzertötend bitterm Gram,
Die Äuglein rot und wund;Doch seht, es fühlte selbst der Tod
Mitleid in ihrem Harm,
Und in der höchsten Herzensnot
Schloss er sie sanft in Arm.Carl wiederholt die letzte Strophe der Ballade auf der Flöte.„Bei Minettes Romanze wiederholt die Soloflöte ohne jegliche Begleitung die ganze Melodie nach dem Gesang noch einmal, ein noch nicht dagewesenes Verfahren.“ Quelle: Berühmte Musiker, Heinrich Reimann.
Minette
Ein Mädchenherz, das wahrhaft liebt,
hält einem Mann die Treu.
Die lieb entzückt es jeden Tag
mit ihrem Glück aufs neu.Und immer ich wohl denken
muss an Deinen ersten Kuss,
da ich mein Herz in Lieb Dir gab –
ich bin Dir treu bis ins Grab!Die Seligkeit vergess ich nie,
das traute erste Glück!
Die Zeit der süßen Zärtlichkeit,
wie sehn‘ ich sie zurück!Und immer ich wohl denken muss
an Deinen ersten Kuss,
da ich mein Herz in Lieb Dir gab …
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 4 Arie – Carl
„Der Wüstling verschwendet der Liebe Gefühl“
Nr. 7 Arie (Karl)
Der Wüstling verschwendet
Der Liebe Gefühl,
und jammervoll endet
Das wonnige Spiel.
Zwar redlichen Herzen
Macht Liebe nur Schmerzen;
Doch führt sie die Trauten zum glücklichen Ziel.
Sie leitet die Großen
Zur rühmlichen Tat.
Es keimen auch Rosen
Auf dornichtem Pfad.
Heil allen Getreuen,
Die rein sich ihr weihen:
Sie ernten die Früchte der köstlichsten Saat.
D‘rum Mädchen der Liebe!
D‘rum kümmert Euch nicht,
Wenn selten durchs Trübe
Ein Sonnenstrahl bricht.
Die Schmerzen verfliegen,
Die Tränen versiegen,
Und hinter den Wolken strahlt heller das Licht.
Oh liebe, beschütz mich in dieser Gefahr!
Minette, ich lieb Dich so treu und so wahr!
Ja, glaub es fürwahr!
In allen landen sucht ich Dich,
ich muss Dich wiederfinden,
Das Band für’s Leben binden.
Erreich ich nun endlich das heißersehnte Ziel?
Die Liebe, sie führt mich zum glücklichen Ziel.
Wo mag Minette weilen?
Oh, könnt ich zu ihr eilen, das Leben mit ihr, für immer zu teilen!
Wir schworen im Kuss uns ewige Treu.
Geloben will ich sie Dir heute auf’s neu!
Gott Amor! Ich beschwör Dich! Gott Eros! Erhör mich!
Führt mich zur Geliebten auf heimlichen Pfad,
oh gebt, dass die Liebste mir heute noch naht!
Wie wollet mein Blut! Die liebe gibt Mut!
Ich sehe sie wieder. Ich sink vor ihr nieder,
ich schließe die liebste beglückt in den Arm!
In seliger Wonne werd glücklich ich sein!
In seliger Wonne wird glücklich sie sein!
Sie wird glücklich sein, sie wird glücklich sein!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 5 Arie – Hans Bast
„Die Menschen sind schon so –“
Nr. 5 Ariette (Niklas)
Die Menschen sind schon so!
Stets furchtsam wie die Kinder,
Der mehr, der Eine minder,
Des Lebens selten froh.
Die Menschen sind schon so.
Die Menschen sind schon so!
Sie fürchten, was sie wollen:
Und was sie fürchten sollen,
Erfreut sie oft sehr hoh.
Die Menschen sind schon so.
Die Menschen sind schon so.
Sie gehen hin und wandern.
Und jeder zeigt dem Andern
Sich nur inkognito.
Die Menschen sind schon so.
Die Menschen sind schon so.
Ich bin ein armer Hund!
Das Leben wird mir sauer!
Ich bin ein kleiner Bauer!
Und bin trotzdem gesund!
Die Eier legt mein Huhn,
da hab‘ ich nichts zu tun!
Die Erbsen und die Bohnen
der Mühe gar nicht lohnen.
Es macht mich desparat
der Preis von dem Salat!
Die Arbeit macht der Knecht,
das kommt mir grade recht.
Noch alter Bauernweise,
nehm ich die höchsten Preise.
So bleib ich hübsch gesund
und bin kein armer Hund!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 6 Terzett – Minette, Hans Bast und Niklas
„Wenn er nur Ruh und Ordnung hält“
Nr. 6 Terzett (Minette, Niklas, Bast)
HANS BAST:
Wenn er nur Ruh und Ordnung hält,
So ist er schon ein Mann,
Der mir und meinem Herrn gefällt,
Und uns beschützen kann.NIKLAS:
Ich schwöre Euch bei meiner Ehr:
Er ist gefällig, gut,
Ein wackrer Mann, wie keiner mehr,
Er hat Gefühl und Mut.MINETTE:
Ha! dieses Lob entzückt mich sehr,
Erheitert meinen Muth,
O, wenn ich nur bei ihm bald wär!
Er ist so herzlich gut.NIKLAS:
Er hat ein engelgutes Herz,
Und viel, recht viel Verstand,
Drückt Jemand Kummer oder Schmerz,
Gleich ist er bei der Hand.HANS BAST:
So sind mit diesem braven Mann,
Der Alles hier vermag,
Ich und mein Herr recht gut daran,
Und frei von aller Plag.MINETTE:
[zu sich]
Es ist mit diesem braven Mann,
Der Alles hier vermag,
Niemand so gut, als ich, daran,
Die an der Brust ihm lag.NIKLAS:
Ihr seid mit diesem lieben Mann,
Der Alles hier vermag,
Gewiss am allerbesten dran,
Und frei von jeder Plag‘.
Bast
Zeigt her, was Ihr im Korbe habt,
ob es den Gaumen labt?
Wir schmausen gern sehr delikat,
nicht Kohl nur und Spinat,
Nicht Kohl nur und Spinat, nein – delikat!Niklas
Ich bring Euch nur die feinsten Sachen,
ganz frisch von meinem Feld.
Wenn Ihr bei Vater Niklas kauft,
habt Ihr gut lachen!
Was er Euch bringt, ist gute War‘
für Euer gutes Geld!
Die Köchin soll sich freun,
den Kauf auch nicht bereun!Minette
Ist dieser Spargel auch schön zart?
Dann wär er sehr apart.
Mit einer Soße Hollandaise
wird das ein fein Gericht!
Das wir ein lyrisches Gedicht!
Das gibt ein fein Gericht,
ein lyrisches Gedicht!Niklas
Er ist so zart! Er schmeckt apart!
Er ist wie Butter zart!
Das gibt ein fein Gericht,
das wird ein lyrisches Gedicht!Bast
Er muss uns auf der Zunge
wie Butter zart vergehn!
Sonst lassen wir den Spargel
auf dem Teller einfach stehn!
Wenn er uns auf der Zung vergeht,
dann ist der Spargel ein Gedicht,
ein gut Gedicht, ein köstliches,
ein fein Gericht!
Ein fein Gericht, oho,
ein lyrisches Gedicht!Niklas
Den zweiten Vers zu dem Gedicht
hab ich im Korb zum Glück:
ein prächtig Schinkenstück!
Ein Schinkenstück!
Wie das wohl munden wird?
Wie das wohl munden wird!
Auch frische Eier sind schon da,
sie sind ganz frisch gelegt, oh ja!Alle
Man kauft bei Vater Niklas gut und billig ein!
Er hat nur feine War‘ und legt die Kundschaft nicht hinein!
Nein, nein, er legt sie nicht hinein!
Kauft bei ihm ein, kauft bei ihm ein!Minette/Niklas
So soll ein Kaufmann sein, wir kauften billig ein.Bast
Ja, ja, so soll er sein. Ja, ja, wir kauften billig ein!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 7 Arie – Hans Bast
„Hans Bast, gib Acht, Hans Bast!“
Nr. 8 Ariette (Bast)
HANS BAST:
Hans Bast, gib Acht, Hans Bast!
Mit Nettchens neuem Gast
Ist‘s nun so eine Sache.
Trag‘ lieber deine Last,
Du ehrlicher Hans Bast!
Wie Du sie sonst getragen hast.
Schlaf nicht auf deiner Wache.
Bei Mädchen und beim Spiel
Gewinnt man selten viel,
Und muss oft Haare lassen,
Sei‘s wenig oder viel.
Läuft alles nach dem Ziel.
Nur Eins gewinnt das Spiel,
Klug ist‘s, stets aufzupassen.
Hans Bast, gib Acht, Hans Bast!
Wirfst Du ab deine Last,
Bekömmst Du eine frische.
Ja, ja! glaub‘ Du es fast,
Du ehrlicher Hans Bast
Mit Nettchens neuem Gast
Sind‘s wahrlich faule Fische.
Bast
Hans Bast, sei klug, Hans Bast!
Jetzt heißt’s: Brauch den Verstand!
Mit diplomatischen Kniffen
und raffinierten Pfiffen
erreicht man, was man will ­–
doch braucht man auch Verstand!
Du musst jetzt sehr verschwiegen sein.
Ich könnt’s Herrn Schmoll verraten ­–
was fällt Dir ein!
Ja, schweige nur still!
Hans Bast, sei klug, Hans Bast!
Was Du im Köpfchen hast,
das nutze ganz bescheiden,
zum Nutzen dieser Beiden!
Hans Bast, Hans Bast, sei Diplomat!
Ich habe zugesagt, zu schweigen wie das Grab!
Und werd ich nicht gefragt, so schweig ich wie das Grab!
Das ist doch völlig klar!
Im Wort und in der Tat bleib ich, was ich stets war:
ein Diplomat!
Bedenk, was Du versprochen hast!
Drum sei klug, sei klug, Hans Bast!
Jetzt heißt’s: Brauch den Verstand!
Mit diplomat’schen Kniffen und raffinierten Pfiffen
erreicht man, was man will!
Doch baucht man auch Verstand!
Du musst jetzt sehr verschwiegen sein!
Ich könnt’s Herrn Schmoll verraten ­–
was fällt Dir dann ein!
Ja, schweige nur still!
Hans Bast, sei klug, Hans Bast,
was Du im Köpfchen hast,
das nutze ganz bescheiden
zum Nutzen dieser Beiden!
Hans Bast, sei klug, Hans Bast!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 8 Rezitativ mit Begleitung und Arie – Carl
„O Hoffnung, gütigste der Feen“
Nr. 17 Rezitativ und Arie (Karl)
O Hoffnung, gütigste der Feen!
Gieß Balsam in mein liebekrankes Herz,
Das ohne deinen Trost verschmachtet,
Und wie die Frühlingsrose welkt.Schön bist du, Nettchen, wie die Sonne,
Aus deinem Auge strahlt die Wonne
Der ganzen Himmels-Seligkeit.
Ich liebe Dich mit dem reinstem Triebe,
O. Engel! fühle Gegenliebe,
Und weih mir deine Zärtlichkeit.
Die Liebe ist der Reiz des Lebens,
O Heißgeliebte! Nicht vergebens
Entflammet sie der Menschen Herz.
Sie schafft uns Freude und Vergnügen,
Und drängt mit zauberischen Zügen
Aus unserm Busen Gram und Schmerz.
Ich bin am meiner Wünsche Ziel!
Des Herzens heiße Sehnsucht ist gestillt!
Nun wird die Ruhe wiederkehren –
ein holdes Mädchen wird mein Weib!Schön ist mein Bräutchen, schön wie die Sonne!
Aus ihren Augen strahlt die Wonne der Liebesseligkeit!
Ganz gehör ich Dir, Minette, du schenkst Gegenliebe;
Dein Herz voll inniger Zärtlichkeit gehört nur mir,
gehört nur mir, mit innig süßer Zärtlichkeit.Ich liebe Dich, Mädchen, ich liebe Dich!
Die Liebe ist das Glück des Lebens.
Du Heißgeliebte, nicht vergebens entflammet sie der
Menschen Herz.Für Dich nur schlägt dies liebevolle Herz!
Die Liebe ist das höchste Gut, wer nie geliebt, hat nie gelebt!
Die Liebe gibt zum kühnsten Hoffen Mut,
zu Sternen uns die lieb erhebt!
Welch ein Gefühl bewegt die Brust, die liebe einer treuen Frau ist höchste Lust!Welche wunderbare Zaubermacht ist die Liebe,
sie lässt uns vergessen das wirre Weltgetriebe,
sie hüllt uns in einen Traum, in einen schönen Traum!
Aus jedem Tag macht die Liebe Sonntag,
und freudevoll jagt der Puls im Herzensschlag.
Die liebe schenkt mir heut den schönsten, den wundervollsten Tag!Die Liebe ist das Glück des Lebens,
Du Heißgeliebte, nicht vergebens entflammet sie der Menschen Herz
in wonnig süßem Liebesschmerz!
Ein Glück, dass es die Liebe gibt!
Ich bin verliebt! Ich bin geliebt!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 9 Duett – Carl und Minette
„Dich an dies Herz zu drücken“
Nr. 18 Duett (Karl, Minette)
CARL:
Dich an dies Herz zu drücken
Ist wahre Götterlust.MINETTE:
Mein Herz schlägt voll Entzücken
An Deiner trauten Brust.BEIDE:
Der Liebe sanfte Wonne
Begeistert und entzückt,
So wie die goldne Sonne
Saat, Flur und Hain erquickt.CARL:
Lass‘, Mädchen, dieses Leben
Uns nur der Liebe weihn!MINETTE:
Mein einziges Bestreben
Soll Dich zu lieben sein.CARL:
Und wenn auch herbes Leiden
Die Freude manchmal trübt, –MINETTE:
So kann doch den nichts scheiden,
Der treu und zärtlich liebt.BEIDE:
Du mächt‘ger Gott der Liebe!
O führ‘ uns Hand, in Hand,
Entflammt vom reinsten Triebe,
Am Rosen-Gängelband.
Karl
Welch himmlisches Entzücken ist Deiner Lippen Kuss!Minette
Wie wird mich stets entzücken der lieben Stimme Gruß!Beide
Der liebe süße Wonne erhebt uns tief beglückt.
So wie die helle Sonne der Menschen klares Aug allmorgendlich entzückt.Karl
Geliebte, lass das leben uns nur der Liebe weihn!Minette
Dann werden unsere Tage voll reinsten Glückes sein.Beide
Voll reinsten Glückes sein!Karl
Wenn draußen Stürme toben,
halt treu ich Deine Hand, holt treu ich Deine Hand.Minette
Wir sind ja wohl geborgen in unserer liebe Land.
Uns meiden dann die Sorgen, weil Liebe uns verband!Beide
So soll mich stets beglücken der lieben Stimme Gruß ­
welch himmlisches Entzücken ist Deiner Lippen Kuss,
ist Deiner Stimme Gruß, ist Deiner Lippen Kuss!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 10 Duett – Minette und Hans Bast
„Der edle junge schöne Mann“
Nr. 4 Duett (Minette, Bast)
MINETTE:
Der edle, schöne, junge Mann
Hat ganz mein Herz entzückt,
Ich bin ihm innigst zugetan,
Er ist‘s, der mich beglückt.
Der reinsten Liebe Sympathie
Hat nun mein Herz besieget
Und meine trunkne Fantasie
In Schlummer eingewieget.
Hans Bast hört Minette und lauscht an der Tür,
ohne von Minette bemerkt zu werden.HANS BAST:
Ei, ei, der junge Reitersmann,
Den sie heut‘ hat erblicket.
Steckt schon ihr Herz mit Feuer an,
Hat ihr den Kopf verrücket.MINETTE:
So sanft sein Herz, sein Blick so mild
Voll Zärtlichkeit und Leben,
Des teuren Lieblings Ebenbild
Wird ewig mich umschweben.HANS BAST:
Des teuren Lieblings holdes Bild?
Hans Bast, was wird das geben?
Jetzt sage mir es, wer da kann,
Dass ich es nicht erraten.
Ihr Herz ist durch den jungen Mann
In volle Flamm‘ geraten.
Und geht das Ding noch lang so fort,
So wird mir wirklich bange;
Denn die erstickt bei meinem Wort,
Vor lauter Liebesdrange.
Ihr Herz ist mit dem jungen Mann
Auf und davon geloffen.MINETTE:
Sein wonnevoller Kuss durchglüht
Den Busen mit Entzücken,
Das Feuer reiner Liebe glüht
Aus seinen Zauberblicken.
Mein Herz, o Trauter! schlägt so warm,
Und überströmt vom Drange,
Geliebter, komm in meinen Arm,
Und weile nicht so lange!
Minette
Ihr seid fürwahr mein bester Freund, der’s ehrlich mit mir meint.
Die Freundschaft ist ein hohes Gut, im leid gibt sie uns Mut.
Ein Freund wird nicht nur roten, er hilft auch stets mit Taten!
Ihr müsst daher, mein lieber Freund, für mich nun etwas wagen.
Ihr müsst, so tollkühn es auch scheint, die volle Wahrheit sagen!
Wenn lhr’s nicht tut, so muss ich selbst die volle Wahrheit sagen!
Ihr seid ja doch mein bester Freund, der’s ehrlich mit mir meint!Bast
Wo denkst Du hin, mein liebes Kind, das wäre doch das Ende!
Oh, überlege nur geschwind, ob sich nicht’s Besseres fände.
Wir finden eine kluge List, die noch Dein Schicksal wende.Minette
Sein Kuss glüht noch auf meinem Munde, gemahnt mich jener Stunde,
da ich mich ganz an ihn verlor, hab ew’ge Treu geschworen!Beide
Da ich mich ganz an ihn verlor, hab ew’ge Treu geschworen!Bast
Ich will Dir helfen!Minette
Sein innig zärtlicher Kuss erfüllt die Seele mit Entzücken!
In seiner Augen klarem Licht konnt ich mein Bild erblicken.
Ich will ihn nicht vergessen! Ich kann ihn nicht vergessen!
Mein Herz, Geliebter, schlägt für Dich, in guten und bösen Tagen!
Drum will für unser Liebesglück ich alles mutig wagen.
Wenn’s gar nicht anders möglich ist, so wird ein bisschen gelogen!
Ich will mich gerne fügen und selbst ein bisschen lügen!
Das Beste ist wohl eine List, eine kleine List!Bast
Was tu ich nur, ich armer Mann, ich bin doch viel zu dumm!
Wie fang ich’s diplomatisch an und bring den Alten rum?!
Ich soll die Wahrheit sagen? Ich muss die Wahrheit sagen?
Mit einer klugen, feinen List, helf ich den Liebesleuten.
Wenn sie mit ihm verbunden ist, hat’s wenig zu bedeuten.
Wie oft wird um geringre Ding viel ärger noch gelogen!
Hier wird doch nur ein Lebensglück von mir zurecht gebogen.
Das Beste ist wohl eine List!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 11 Chor – Minette, Carl, Hans Bast
„Es ist das seligste Vergnügen“
Nr. 9 Terzett – Finaletto 1 (Minette, Niklas, Bast)
MINETTE:
Es ist das seligste Vergnügen,
Wohltätig, gut und sanft zu sein,
Die Leidenschaften zu besiegen,
Der Menschenliebe sich zu weihn.ALLE:
Wer edel denkt, noch edler handelt,
Die Menschen liebt, die Tugend ehrt,
Nicht schleicht, nicht kriecht, gerade wandelt,
Der Mann ist wahrlich Goldes wert
Minette
Ihr schwört mir jetzt Verschwiegenheit für heut und alle Ewigkeit!
Ihr wisst von nichts – seid völlig dumm,
und fragt man Euch, so bleibt Ihr stumm!
Doch wenn Ihr sprecht, dann macht es »schwapp« ­–
dann schneid ich Euch die Ohren ab!
Seid dumm – seid stumm – das fällt Euch doch nicht schwer,
das fällt Euch ja nicht schwer!Bast/Niklas
Wir schwören Euch Verschwiegenheit für heut und alle Ewigkeit,
wir wissen nichts, sind völlig dumm,
und fragt man uns, so sind wir stumm!Minette
Gelobet mir Verschwiegenheit für heut und alle Ewigkeit!Bast
Oh süße Sehnsucht, zartes Hoffen, das Auge sieht den Himmel offen.Minette
Mit List und Tück macht ich mein Glück!
Ihr lust’gen Zwei helft mir dabei!
Ihr seid nicht dumm – Ihr bleibt nur stumm!Bast/Niklas
Mit List und Tück macht sie ihr Glück,
wir lust‘ gen Zwei sind mit dabei!
Wir sind nicht dumm, wir sind nur stumm!Alle
Hans Bast und Niklas und Minett‘
sind jetzt, sind jetzt, sind jetzt,
sind ein Verschwörerterzett!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 12 Arie – Minette
„Du fröhlicher Jüngling, mit Flaumen um‘s Kinn“
Nr. 10 Arie (Minette)
MINETTE:
[geht zu Carl, der noch immer auf dem Stuhl sitzt
und streichelt ihm über das Kinn]Du fröhlicher Jüngling mit Flaumen um‘s Kinn,
und Glut in den wonnigen Blicken!
Wo ist Deine muntere Laune nun hin,
Was sticht Dich im Busen, was liegt Dir im Sinn?
Was mag Dir das Herzchen so drücken?
Hast Du vielleicht Jemand ein Unrecht getan,
Und kannst Dir die Schuld nicht vergeben?
Wie? Oder es nagte mit giftigem Zahn
Ein tückischer Wurm Dir das Herzchen schon an,
Fraß ab Dir Dein jugendlich Leben?
Lass fahren die Grille, bekämpfe den Schmerz,
Die Freude kehrt herrlicher wieder.
Ein ruhig Gewissen macht fröhlich das Herz,
Auf giftigem Grunde gedeihet kein Scherz,
Denn Tugend und Frohsinn sind Brüder.
Minette
Wie glücklich schlägt heut‘ mein liebendes Herz,
es jubelt und singt voller Freude.
Wie schnell doch vergaß es der Trennung Schmerz!
Ich warte auf Dich, Du geliebter Freund,
ich bin ja mit Dir bald vereint!
Wann schließt Du, Geliebter, mich fest in den Arm?
Wie lang werd ich harren müssen?
Ach!
liebe und Treue, sie geben uns Mut,
noch leidvollem Harren wird alles noch gut ­–
ich sehne mich nach Deinen Küssen!
Die Sonne locht wieder am blauen Himmelszelt,
und fröhlich erklingen die Lieder im blumengeschmückten Feld!
Mein Herz es ist so froh und es klopft so erregt,
es ist ja die Liebe, die es so bewegt,
und glücklich allein ist ein Herz, das liebt!
Was schenkt uns die liebe doch glückliche Zeit,
vergessen sind Kummer und Sorge und leid!
Denn glücklich allein ist ein Herz, das liebt,
das liebend dem Freund sich zu eigen gibt!
Oh, komm doch, Geliebter!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 13 Arie – Schmoll
„Ja! Gottes Erde ist doch schön!“
Nr. 13 Arie (Schmoll)
SCHMOLL:
Ja! Gottes Erde ist doch schön,
Die Saaten, Fluren, Felder,
Gebirge, Täler, Wälder,
Sind wunderlieblich anzusehn,
Ja Gottes Erde ist doch schön.
Sie bleibt stets ein Elysium;
Die Menschen mögen grollen
Darüber, wie sie wollen,
Und geht‘s darauf auch noch so krumm,
Sie bleibt stets ein Elysium.
Genuss der Schöpfung ist uns Pflicht,
Und wenn auch unsre Herzen
Des Schicksals Stürme schmerzen
So ist‘s nur Schatten in das Licht,
Genuss der Schöpfung ist uns Pflicht!
Schmoll
Es ist ein herrliches Gefühl so heiß geliebt zu werden!
Nichts gleichet ihm auf Erden!
Es gibt dem Alter neuen Schwung –
es macht uns neugeboren jung!
Die liebe ist ein Elixier,
das kann uns nur verjüngen!
Bei mir wird’s schon gelingen!
Und macht die Liebe uns auch dumm,
sie bleibt stets ein Elysium!
Ich weiß nicht, was ich machen soll,
ich bin nicht mehr der alte Peter Schmoll!
Ich möchte springen wie ein Ross!
Die Liebe glüht im Herzen,
des Schicksals süße Schmerzen!
Ich glaub‘, ich zog dos große Los!
Ich bin zum letzten Mal verliebt!
Ich werd‘ zum ersten Mal geliebt!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 14 Terzett – Greis, Minette, Carl
„Empfanget hier des Vaters Segen“
Nr. 16 Terzett (Minette, Karl, Martin Schmoll)
GREIS:
Empfanget hier des Vaters Segen
Aus einer welken Greises-Hand,
Er leite Euch auf Rosenwegen
Hinüber in der Wonne Land.MINETTE:
O edler Greis, Dein Vater-Segen
Entströmt der hehren Allmacht Hand.CARL:
Er schlingt auf diesen Dornen-Wegen
Um uns der Liebe himmlisch Band.GREIS:
Kein Schlag, kein Sturm des Missgeschickes
Trüb‘ eures Lebens Sonnenschein;
Geschaukelt in dem Schoß des Glückes,
Sollt ihr unendlich glücklich sein.MINETTE:
O Greis! die Urquell‘ unsers Glückes
Wird stets Dein Vatersegen sein.CARL:
Entfernt vom Sturm des Missgeschickes
Wird unser Leben glücklich sein.GREIS:
Der Menschen-Freundschaft edle Triebe,
Lohn‘ Euch der reichlichste Gewinn,
Nehmt zum Beweis der Gegenliebe,
Mein dankend Herz als Opfer hin.CANON:
Selbst auf rauem Dornenpfade
Geht die Tugend rein in‘s Grab;
Denn unendlich ist die Gnade,
Die Gott ihren Freunden gab.
Martin
So nehmet meinen Vatersegen, ich segne Eurer Liebe Band.
Es führe Euch auf schönen Wegen hinüber in der Liebe Land.Minette
Geliebter Vater, ja Dein Segen, er weihet unser Liebe Band,
Er knüpft um uns das Band der Liebe – uns eint der Liebe zartes Band.Karl
Geliebter Vater, ja Dein Segen geleit‘ uns in der Liebe Land.
Er knüpft um uns das Band der Liebe – uns eint der Liebe zartes Band.Martin
Ich segne Euch, ich segne Euren Bund der treuen Gattenliebe!
Die liebe ist das höchste Glück auf Erden, sie knüpft der Ehe Band!Alle
Und Treue sei ihr Unterpfand!Martin
Ihr Unterpfand der liebe Band!
Und eines Tages werd ich Großpapa!
Das wird die größte Freude sein!
Papa ist er und du bist Mama, das Enkelbübchen ist so klein!
Dann strahlt des Glückes Sonnenschein
noch hundertmal so hell wie heute:
Das ist nun mal der Lauf der Welt –
aus Kindern werden große Leute!Karl
Aus Kindern werden große Leute,
das ist nun mal der Lauf der Welt!
An Deinem Finger glänzt mein Ring als Zeichen meiner Treu!Minette
An Deinen Finger steckte ich den goldnen Ring als Zeichen meiner Treu !Martin
Ein Ring als Zeichen Eurer Treu!Minette/Karl
Wenn wir die Treu in Liebe holten wird unser Leben glücklich sein.Martin
In Liebe müsst Ihr stets die Treue holten,
dann werdet Ihr sehr glücklich sein!
In des Lebens schweren Stunden steht in Lieb und Treu vereint
sind die Kämpfe überwunden, bald die Sonne wieder scheint!Martin/Karl
In des Lebens schweren Stunden steht in Lieb und Treu vereint
sind die Kämpfe überwunden bald die Sonne wieder scheint.

Alle
Auf Fortunas flüchtge Launen soll man keine Zukunft bauen.
Nur auf eigner Arbeit Wirken kann der Mensch getrost vertraun!

Minette/Karl
Seid der Ehr bedacht: seid der Ehr bedacht!
Seid der Tugend treue Hüter, auf die Ehre habet acht!

Martin
Freuet Euch der irdschen Güter, doch seid stets auf Gott bedacht!

Minette
Ja, der Tugend treue Hüter wollen stets wir beide sein ­
glücklich werden wir dann sein!

Karl
Ja, der Tugend Hüter sein – glücklich werden wir dann sein!

Martin
Ja, der Tugend Hüter sein – glücklich werden wir dann sein!
Ja, Ihr werdet glücklich sein!

Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 15 Arie – Greis
„Wie der bange Pilger zittert“
Nr. 15 Arie (Martin Schmoll)
GREIS:
Wie der bange Pilger zittert,
Wenn im dichtverwachs‘nen Wald
Sturm aus hohlen Klüften wittert,
Und des Donners Brüllen hallt;
So voll Ahndung, so verlegen
Schlägt mit innerm Gram und Schmerz
Dem verlornen Sohn entgegen
Mein verwaistes Vaterherz.
Wie so bang die Brust mir bebet
Vom Gedanken, ihn zu seh‘n;
Ha! dann wär ich neu belebet,
Und erhört mein heißes Fleh‘n.
Hier soll ich sie wiederfinden,
meinen Bruder und mein Kind!
Was wird mir der Tag noch künden,
denn das Schicksal waltet blind!
Wird nach vielen langen Jahren,
die ich einsam zugebracht,
Freude noch mein Herz erfahren,
die den Vater glücklich macht.
Niemand kann das Glück erzwingen,
daran kindlich er geglaubt!
Doch ich will mich willig fügen,
will dem Schmerz nicht erliegen!
Trost soll mir die Hoffnung geben,
die im Herzen ich empfand.
Sie gab Mut zum bittren leben,
doch zum Guten wird’s
Ja, der Mensch soll niemals murren,
denn er steht in Gottes Hand.
Seltsam sind des Schicksals Wege
und der Mensch erkennt sie nicht.
Wandelt er des Herren Pfade,
leuchtet ihm der Gnade Licht!
Oh, mein Bruder! Oh, treue Tochter!
Euch zu finden, welch ein Glück!
Schließ ich Euch in meinen Arm,
kehrt der Friede mir zurück.
Wir sind uns einig.
Auf! Verscheuche schwere Sorgen!
Gott vertrau ich, es gelingt!
Unbekümmert um das Morgen,
nimm nur, was der Tag Dir bringt,
nimm nur, was der Tag Dir bringt!
Niemand ahnt, was ich gelitten!
Keinem Menschen sei’s geklagt!
Mit verfolgend harten Schritten
hat das Unheil mich gejagt –
Keinem Menschen sei’s geklagt.
Hier soll ich sie wiederfinden,
meinen Bruder und mein Kind!
Was wird mir der Tag noch künden,
denn das Schicksal wachet blind“
Wird nach vielen langen Jahren,
die ich einsam zugebracht,
Freude noch mein Herz erfahren,
die den Vater glücklich macht.
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 16 Arie – Hans Bast
„Ein Lügner ist ein großer Mann“
Nr. 12 Ariette (Bast)
HANS BAST:
Ein Lügner ist ein großer Mann,
Wie die Erfahrung lehrt;
Weil er die Sachen lenken kann,
Wie es sein Wunsch begehrt.
Doch ist die Lüge gar so groß,
Dass man‘s mit Händen greift;
So ist die Peitsche oft sein Loos,
Die um den Rücken pfeift.
Die Lüge muss manierlich sein,
Und passen auf die Tat;
Nicht gar zu derb, nicht allzufein,
Wie oft im Zeitungsblatt.
Ihr guten Freunde, lügt ihr gern
Und macht oft blauen Dunst
So lügt doch wie gewisse Herrn!
Denn so ist‘s eine Kunst.
Bast
Die Menschen lügen gor zu gern und oft fällt man drauf rein!
Ob schöne Frauen, feine Herren: es muss gelogen sein!
Doch wird die Lüge gar zu dick, so nennt man’s Politik!
Wer lügt, hat mehr vom Leben, ja!
Doch kommt die Wahrheit raus, ist die Geschichte aus!
Die Lüge muss manierlich sein, doch auch nicht allzu matt,
nicht gar zu derb, nicht allzu fein –
wie oft im Zeitungsblatt!
Was hier im Stück gelogen wird, geschieht doch nur aus List,
damit der liebe Sieg am End‘ gewonnen ist!
Ihr guten Freunde lügt ihr gern
und macht auch blauen Dunst,
so lügt doch wie gewisse Herrn.
Dann ist es eine Kunst, dann ist es eine Kunst!
Was ich soeben sagte, ist leider nur zu wahr.
Wenn jedermann die Wahrheit spräch, wär immer alles klar!
Doch selten ist es so!
Die Schlüssel klimpern nur im Sack bei manchen Lumpenpack!
Wer lügt, hat mehr vom leben, ja!
Doch kommt die Wahrheit raus, ist die Geschichte aus!
Ich frag mich oft: was ist denn das?
Macht denn das Lügen Spaß?
Wird man erwischt, ist man blamiert und tüchtig angeschmiert.
Man hat mir neulich mal erzählt, dass ein Minister lügt!
Doch das ist gar nicht wahr, das ist doch sonnenklar!
Ihr guten Freunde, lügt Ihr gern, und macht auch blauen Dunst,
so lügt doch wie gewisse Herrn:
dann ist es eine Kunst, dann ist es eine Kunst!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 17 Quartett – Schmoll, Hans Bast, Carl, Minette
Fort! Fort! Von hier, er ist es nicht!
Nr. 19 Quartett (Minette, Schmoll, Karl, Bast)
SCHMOLL:
Fort! fort! von hier, er ist es nicht,
Bei meinem Ehrenwort!CARL:
Mein Herr!SCHMOLL:
Er ist ein schlechter Wicht!
Gleich pack‘ er sich fort;
Wird er nicht gleich vom Schlosse gehn,
Lass ich die Hunde los.HANS BAST:
Ei, Herr Patron! Sie missversteh‘n,
Es ist ein Irrtum bloß.SCHMOLL:
Nein! Nein! Nein! Nein! Er ist es nicht,
Der junge schlanke Mann
Hat ganz ein freundlicheres Gesicht,
Und rote Kleider an.CARL:
Ich weiß nicht, was ich denken soll!SCHMOLL:
So jagt den Hund doch fort!HANS BAST:
Ei, Herr Patron! Das ist zu toll!MINETTE:
Geh‘, meide diesen Ort!
Schmoll
Schert Euch zum Solon! Fort!
Halunke, Räuber, Mörder, Dieb!Karl
Mein Herr!Schmoll
Schweigt still und redet nicht ein Wort, wenn Euch das Leben lieb!Karl
Mein Herr!Schmoll
Er ist ein Lumpenkerl!
Mit seinem Mottenbart!
Ja, solch ein Galgenstrick hat keine Lebensort!
Wenn er nicht gleich das Weite sucht, lass ich die Hunde los!Bast
Ihr habt gar keinen Hund!Minette
Er hat gar keinen Hund!Schmoll
Da hat er recht, ich hab gar keinen Hund!Karl
Ihr habt gar keinen Hund!Schmoll
Dann hole ich die Polizei, die kommt sehr schnell herbei!Bast
Er holt die Polizei!Schmoll
Sie sperrt ihn ins Gefängnis ein, da hilft ihm auch kein Schrein!Bast
Bei Wasser und bei Brot!Schmoll
Die Braut wollt er mir stehlen gar, das hätt‘ ihm so gepasst!
Ich kam im rechten Augenblick, Minett‘ ist wieder frei!
Der Mädchenhändler wird gefasst. Ich hol die Polizei.Minette
Das ist ein tolles Spiel, wir wagen wirklich viel!Karl
Ich weiß nicht, wss ich sogen soll. Sie irren sich, Herr Peter Schmoll!Schmoll
Bei Wasser und bei Brot sitzt er im Loch.
Nur so kuriert man diesen Gauner noch!Bast
Was tut Ihr denn, Herr Peter Schmoll?!Karl/Bast
Die Eifersucht macht ihn ganz toll!
So hört mich an, Herr Peter Schmoll!Schmoll
Die Eifersucht macht mich ganz toll,
ich wüsst nicht, was ich hören soll!

Minette
Ja, lieber Onkel Schmoll!

Bast
Er ist kein Gauner, ist kein Dieb! Kein böser Dieb!

Schmoll
Das wär mir gar nicht lieb!

Bast
Er ist ein echter Ehrenmann, ein Ehrenmann!

Schmoll
Fürwahr, man sieht’s ihm an!
Nur Räuber haben so’nen Rauschebart!
Er kündet seine schlechte Lebensart!

Karl
Mein Rauschebart ist falsches Haar,
doch sonst, mein Herr, ist alles echt und wahr!

Minette
Der Bart ist falsches Haar, doch sonst ist alles wahr!

Bast
Ihn stört der schöne Rauschebart!

Minette
Es ist doch wahr, es ist doch alles wahr!

Karl
Ja, ja, es ist doch wahr, es ist doch alles wahr!

Schmoll
Ja, ja, gar nichts ist wahr, gar nichts, gar nichts ist wahr!

Bast
Ja, ja, es ist doch alles wahr, es ist doch wahr!

Alle
Falsch ist der Rauschebart!

Karl
Ich bin Minettens Bräutigam –

Schmoll
Ha, ha!

Bast
Ei, ei!

Karl
Der aus der Ferne wiederkam, der Bräutigam!

Minette
Aus weiter Ferne kam mein Bräutigam!

Schmoll
Dass ich nicht lache!
Weither kommt der richtige Bräutigam!

Bast
Es ist ihr Bräutigam!

Karl
Ihr könnt mir wirklich glauben,
ich will Euch wahrlich nicht berauben!

Bast
Ihr müsst es ihm schon glauben,
er will Euch nicht berauben!

Minette
Er will Euch nicht berauben!

Schmoll
Er will mich doch berauben!

Minette
Er ist mein Bräutigam!

Karl
Ich bin ihr Bräutigam!

Schmoll
Ihr Bräutigam!

Bast
Ihr Bräutigam!

Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 18 Arie – Hans Bast
„Fürwahr ich bin ein kleines Tier“
Nr. 2 Arie (Peter Schmoll)
HANS BAST:
Fürwahr, ich bin kein kleines Tier,
Der General im Haus;
Fällt ein fataler Casus für,
Ich fecht allein ihn aus.
Ich hab‘ Courage in dem Leib
Mehr als mein Herr Patron,
Und käm‘ der Satan und sein Weib,
So lief ich — – schnell davon.
Ich bin der Schlossvogt und der Herr,
Der Kellner und der Koch,
Minister, Rath und Sekretär,
Gott weiß, was alles noch.
Vor mir trägt alles hoch Respekt,
Ich handle, wie ich will,
Und ist mir wirklich was suspekt.
So bin ich – – mäusestill.
Ich stehe immer auf der Wacht
Und schütze unser Schloss,
Zu jeder Stunde Tag und Nacht,
Vor räuberischem Tross.
Und drohte uns der Feinde Schwarm
Mit aller Kriegesnot,
So macht‘es mir doch niemals warm
Denn ich wär – plötzlich tot.
Schmoll
Das wäre doch gelocht!
Ich bin der Herr, ich bin der Herr, ich bin der Herr im Haus!
Wenn ihr auch kühne Pläne macht, es wird doch nichts daraus!
Was ich befehle, das geschieht!
Wie jedermann hier sieht!
Ich dulde keinen Widerspruch ­doch von Minett‘ nehm ich ihn hin,
weil ich in sie – in sie – verliebt bin!
Jetzt ist’s gestanden! Niemand darf es wissen!
Sie wird mich niemals innig küssen!Ich alter Esel! Oh ich Schaf!
Die Liebe, sie raubt mir den Schlaf!
In meine eigne Nichte muss ich mich verlieben!
So etwas hat schon manchen zur Raserei getrieben!Auch mich lässt Lieb‘ nicht kalt, ja, ja!
Ein Mann wird niemals alt!
Doch Peter Schmoll bewahrt die Ruh:
die Ehe kommt als Schicksal auf mich zu!
Jedoch was soll ich tun?
lhr’s sagen? Sie fragen?
Das wäre vielleicht nicht opportun!
lhr’s sagen? Sie fragen?
Sie sagt am Ende glattweg nein!
Dann wär ich fürchterlich blamiert
und schrecklich angeschmiert!
Drum wart es ab, Herr Peter Schmoll,
es kommt, wie’s kommen soll!
Und keine Kohle brennt so heiß, als die verschwieg’ne Lieb,
von der kein Mensch nichts weiß, von der kein Mensch nichts weiß!
Ja in Minett‘ bin ich verliebt, so verliebt!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 19 Duett – Minette und Carl
„O großer Gott! Ich danke Dir für meines Vaters leben“
Nr. 14 Duett (Minette, Karl)
MINETTE:
O großer Gott! Ich danke dir
Für meines Vaters Leben.CARL:
Der Himmel wird der Freuden dir
Unzählige noch geben.MINETTE:
Wie hätte mich sein Tod gekränkt!
Mein Herz liebt ihn so warm.CARL:
Das Schicksal guter Kinder lenkt
Ein unsichtbarer Arm.MINETTE:
Hoch werden solche edle Triebe
Des alten Vaters Herz erfreun;CARL:
Auch ich, Du Teuerste! Ich liebe
Den guten Vater heiß und rein.MINETTE:
Es sinkt uns freilich im Gedränge
Der schwersten Leiden oft der Mut,CARL:
Des Schicksals unbelauschte Gänge
Sind zwar verworren, aber gut!BEIDE:
Vertraut der Vorsicht! Erdenwonne
Ist nur ein flüchtig Spiel der Zeit;
Denn wirklich unter dieser Sonne
Reift keine wahre Seligkeit.
Minette
Geliebter Mann, ich ruhe in Deinen liebevollen Armen.Beide
Wie ist mein Glück unendlich groß,
das Schicksal hat mit unserem Los ein gütiges Erbarmen!Minette
Nun soll uns keine Macht mehr trennen, wir sind in Treue vereint!
Du kehrst zu mir, geliebter Freund, für alle Zeit zurück!Minette
Ich liebe Dich! Nur Dich allein!Karl
Mein Herz gehört nur Dir, mein Herz gehört nur Dir!Minette
Nur Dir allein!Karl
Ich lieb nur Dich allein!
Mit Dir vereint ist höchstes Glück, zu Dir kehr ich zurück!Minette
Was tief das Herz mir heut bewegt, in Worte ist’s zu fassen kaum!Karl
Was Deinen Sinn so schön erregt, es ist ja Wahrheit, ist kein Traum!
Es ist ja Wahrheit, ist kein Traum!Beide
0 Seligkeit und süßes Hoffen,
es tönt der Liebe zaub’risch Lied.Karl
Es klingt als Trost, ja als Trost in dos bekümmerte Gemüt.Beide
Es klingt als Trost in das bekümmerte Gemüt!
Es ist ja wahr, es ist kein Traum!
Es ist ja Wahrheit, ist kein Traum!
Es ist wahr! Ist kein Traum!
Vertrau der Treue und der liebe, sie währen ewig alle Zeit.
Sie sind die edelsten der Triebe, sie bringen Freud und Seligkeit!
Lass uns ertragen leid und Not, und trennen kann uns nur der Tod!
Ja, trennen kann uns nur der Tod!
Vereint sind wir in Glück und leid, vereint für Zeit und Ewigkeit!
Wir sind vereint für unser Leben, mit Dir nur kann ich glücklich sein!
Nur Deinem Glück gilt all mein Streben, ich bin für alle Zeiten Dein!Minette
Wir sind vereint für unser leben.Karl
Mit Dir nur kann ich glücklich sein! Ich bin für alle Zeiten Dein.
Ich schwör Dir Treue!
Ich geb dem Zauber ganz mich hin! Ich schwör Dir Treue!
Ich geb Dir alles, was ich bin! Vertrau der Liebe Leidenschaft­Minette
Ich bin Dein!Karl
Sie ist des Lebens Wunderkraft!Minette
Ich bin Dein!Beide
Des Liebeszaubers Herrlichkeit birgt wahre Erdenseligkeit!
Urfassung, komponiert um 1801-1802 Ersteinspielung der Neufassung 1963 NAXOS
♫ 20 Finale – Minette, Carl, Schmoll, Greis, Hans Bast
„So hab ich nach schmerzlich vertrauerten Stunden“
Nr. 20 Finale II (Minette, Schmoll, Niklas, Martin, Bast, Karl)
CARL:
So hab ich nach schmerzlich vertrauerten Stunden,
O himmlische Wonne, entzückende Lust!
Doch endlich den zärtlichen Vater gefunden,
Hier liegt er an meiner hochschlagenden Brust.SCHMOLL UND DER EREMIT:
[im höchsten Ausdruck der Überraschung und Freude,
zu dem Greis, der sich allmählich erholt]
Oberster Freund Helmers! So find‘ ich Dich wieder,
Du Edler, der immer mein Herz hat entzückt;
So sehen sich wieder die besten der Brüder,
O gütige Vorsicht, wie bin ich beglückt!MINETTE:
O Freund meines Vaters! So find‘ ich Dich wieder,
Du Edler! der immer mein Herz hat entzückt,
So seh‘n sie sich wieder, die traulichen Brüder,
O gütige Vorsicht! Wie bin ich beglückt!GREIS:
Ihr edelsten Freunde! Wir sehen uns wieder,
Verzeiht mir, das Maß meiner Freude ist voll;
Kommt an meinen Busen, singt dankbare Lieder,
Mein Liebling! Mein Saurin! Mein Nettchen! Mein Schmoll!HANS BAST:
[kommt furchtsam dahergeschlichen]
Potz Donner und Hagel!
die soll ich ja kennen!
Freund Saurin und Helmers! Du himmlische Macht!
Ich möchte den Kopf an die Felsenwand rennen,
Wie hat Euch der Zufall zu uns hergebracht?GREIS:
Du guter und treuer Hans Bast, lasse Dich küssen!
Willkommen mein Alter in friedlicher Ruh!
Küssen sich wechselweise.SCHMOLL:
Ich trete, so wahr der Herr lebt, Dich mit Füßen,
Wenn du nicht bald schweigst, du Plappermaul, du!
Hier hat nach des Schicksals tiefblutenden Wunden,
Nach schrecklichen Stürmen im trauten Verein,
Das Kleeblatt der Freundschaft sich wieder gefunden,
Hier soll auch der Wohnplatz der Nachbarschaft sein.
Du liebst meine Tochter?CARL:
Mit zärtlichster Liebe.SCHMOLL:
Und Du fühlst für diesen?MINETTE:
Die feurigsten Triebe.SCHMOLL:
Nun wohl denn, so schlinge mit seligstem Triebe
Freund Hymen ein nimmer auflösliches Band,
Gewirket aus Einigkeit, Anmuth und Liebe
Durch Reihen von Jahren um eure Hand.
Es ströme der Allmacht beglückender Segen.GREIS:
Auf Euch aus dem Füllhorn des Glückes herab
O wandelt in Wonne auf blumigen Wegen
Als Muster der kindlichen Liebe zum Grab.MINETTE UND CARL:
Hier hat sich das Kleeblatt der Freundschaft gefunden,
Hier nenn‘ ich Dich Mein! Und Du nennst mich Dein!
Hier haben uns liebende Eltern verbunden,
Hier soll auch das frohe Verlobungsfest sein.HANS BAST:
Jetzt muss ich zur Hochzeit recht schön gratulieren,
Und mache vom Herzen auch mein Kompliment.
Jetzt dürfens durch‘s vordre Tor herein spazieren,
Und unser Inkognito hat auch ein End‘.SCHLUSS-CHOR  – ALLE
O traut auf die Vorsicht mit redlichem Herzen,
Verliert nie im Drange der Leiden den Mut;
Sie prüft oft der Sterblichen Zutrau‘n durch Schmerzen,
Die Wege des Schicksals sind dunkel, doch gut.
Karl
Ich bin ja so glücklich! Es ist ja so schön,
mit Dir nun vereint durch’s Leben zu gehn!
Wie dank ich dem Schicksal, das mich zu Dir geführt,
das lang schon Dein Herz für mich hat gerührt!Minette
Er wird nun mein Ehemann! Gleich hier auf der Stelle!
Ich schenk ihm so gerne mein Herz, meine Hand!Schmoll
Ich werd nicht ihr Ehemann! Ich bleib Junggeselle!
Zum Freien gehört doch noch mehr als Verstand!Minette
Ich fühle im Herzen nur ehrliche Liebe!
Es eine uns beide der lieb zärtlich Band.
Ich schenke ihm gerne mein Herz, meine Hand!Schmoll
Was soll ich nur machen? Mir ist nicht zum lachen!
Sie gab mir den Korb, den ich Esel verdient hab,
ja, den Korb statt der zärtlichen Hand –
da hilft kein Verstand!Martin
Geliebter Bruder, Ihr lieben Kinder,
ich bin ja so glücklich, hier bei Euch zu sein!
Die Tochter, den Bruder, ich fand Euch zu zwei’n.
Zu Ende sind Sorge und Kummer und Pein!Bast
Das nenne ich Zufall!
Herr Martin, Herr Peter, auch Karl noch – da steht er!Niklas
Ich eile ins Dorf!
Zum Hochzeitsschmause, braucht viel man im Hause!
Ich darf gratulieren, ich wünsche viel Glück!Schmoll/Martin
Ja, eilt nur noch Hause, bringt vieles zu Schmause.
Sie wünschen viel Glück!Bast /Niklas
Ich wünsche viel Glück!Schmoll
Geliebte Minett‘!
Ich habe zwar anders mir alles gedacht.
Ein Hagestolz sein keine Freude mir macht.
Ich mach gute Miene zum bösen Spiel
und freu mich mit Euch am erreichten Ziel.
Ja! Ja! Ja, so nehmt meinen Vatersegen!
Du liebst meine Tochter?Karl
Mit ehrlichster Liebe!Schmoll
Und du liebst den Jüngling?Minette
Mit ehrlichster liebe!Schmoll
Na, also!Martin
Du hast wie ein Pfarrer gesprochen!
Nur eines kam Dir wohl ganz aus dem Sinn!?
Dass ich ja der Vater bin!

Schmoll
Was soll das heißen?
Hab ich keine Rechte an unserem Kind!

Martin
Mein Bruder! Scherze nicht in diesem Augenblick,
wo zwei Menschen verbinden ihr Geschick!
Es ist eine ernste, erhabene Stunde.
Den Segen des Himmels erfleh ich dem Bunde,
erfleh ich dem Bund!

Minette/Karl
Da liebend mein Herz sich zu Deinem gefunden,
mein tiefstes Gefühl, es spricht nur für Dich!
Mit Dir ist mein leben für ewig verbunden,
ohn Schranken in Liebe – so gebe ich mich!

Minette/Karl/Peter/Martin
Von nun an in Ewigkeit, so geb ich mich (gibt sie sich) hin!

Minette /Karl
Da liebend mein Herz sich zu Deinem gefunden,
mein tiefstes Gefühl es spricht nur für Dich!
Mit Dir ist mein Leben für ewig verbunden,
ohn Schranken in Liebe – so gebe ich mich!Schmoll
Es wär so schön gewesen!
Doch denk, was Klugheit sprach:
Der Klügere gibt nach!

Martin
Der Peter, der kommt sich sehr klug und gescheit vor,
dabei war er doch ein verliebter Tor!

Beide
Es ist wie ich sprach: der Klügre gibt nach!

Bast /Niklas
Nun muss ich zur Hochzeit recht schön gratulieren
und mach untertänigst ein tief Kompliment!
Was Schöneres konnt uns gar nicht passieren,
die Einsamkeit hat jetzt für immer ein End!

Bast
Ich sag’s Euch ganz ehrlich, dem alten Hans Bast,
die Geschichte hat ihm schon lange nicht mehr gepasst!
Seid lustig! Seid fröhlich! Und lacht, ei, lacht!

Alle
Wir freun uns des Lebens! Wir freun uns der Liebe!
Nur der lebt vergebens, der niemals geliebt!
Es ist doch das Ziel alles menschlichen Strebens,
dass Liebe dem Herzen die Seligkeit gibt.
Ist einer schon fünfzig und kennet die Liebe noch nicht:
ja, der ist ein armer Wicht, ein ganz armer Wicht!
Verlieb Dich mit zwanzig, da bist Du noch jung,
dann gibt Dir die Liebe den nötigen Schwung!
Mach’s nicht wie Herr Schmoll!

Niklas/Martin/Bast
Das war die Geschichte von Herrn Peter Schmoll!

Alle
Aus der jedermann lernen soll!
Das war die Geschichte vom Herrn Peter Schmoll,
aus der ja ein jeder was lernen soll!