Weber & Eutin 1996

200. Geburtstag

Plakat

Quelle: Stadtarchiv Eutin
Foto: Hans-Peter Förster
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Presseausschnitte

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Quelle der Presseausschnitte:
Stadtarchiv Eutin

Vorbereitungen für das Weber-Jahr 1986

Festspiele, Plakatwettbewerb und ein „Oberon“ unter freiem Himmel

Eutin –
Das Jahr 1986 wird für die Eutiner Festspiele und die Stadt ein ganz besonderes: Dann jährt
sich der 200. Geburtstag Carl Maria von Webers. Schon jetzt laufen die Planungen auf
Hochtouren, um dem großen Sohn Eutins ein würdiges Jubiläum zu bereiten.
Bürgermeister Gernot Grimm teilte im Magistrat mit, dass für die Vorbereitung des Weber-
Jahres 1986 ein Sonderetat von 95.000 DM zur Verfügung steht. Diese Mittel sollen für
kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und ein vielfältiges Rahmenprogramm eingesetzt
werden.
Im Mittelpunkt der Festspiel-Saison steht 1986 Webers Spätwerk „Oberon“, das auf der
Freilichtbühne am Großen Eutiner See gezeigt werden soll.
Damit wird erstmals nach langer Zeit wieder ein Werk des Komponisten selbst auf der Bühne
seiner Geburtsstadt erklingen.
Daneben sind zahlreiche musikalische und bildkünstlerische Beiträge geplant:
Ein Kammerkonzertabend, eine Sonderausstellung „Carl Maria von Weber und seine
Zeit“, mehrere Vortragsveranstaltungen sowie ein Symposion Bildender Künstler.
Letzteres erinnert an das bereits 1977 in Eutin veranstaltete Bildhauersymposion, das damals
überregionale Beachtung fand. Auch 1986 sollen wieder Künstler aus dem In- und Ausland
eingeladen werden, um im Schlosspark und auf dem Festspielgelände Skulpturen zum Thema
„Weber und Musik“ zu schaffen.
Als besondere Aktion kündigte der Kulturausschuss außerdem einen Plakatwettbewerb an.
Unter dem Motto
„Weber und Eutin – Bild einer musikalischen Stadt“
sind Grafikschaffende und Gestalter aufgerufen, bis zum 31. Oktober 1985 ihre Entwürfe
einzureichen.
Für die besten drei Arbeiten werden Geldpreise ausgelobt.
Auch die Eutiner Bürger sollen sich beteiligen: Vorgesehen ist eine Ausstellung von
Schülerarbeiten, ein Festzug durch die Stadt und ein Bürgerkonzert mit
Musikschülerinnen und -schülern.
Darüber hinaus ist eine Kooperation mit der Dresdner Musikhochschule und mit Künstlern
aus der DDR im Gespräch, um das Jubiläum grenzübergreifend zu feiern.

Eutin sucht ein Plakat für das Weber-Jahr 1986

Eutin –
Schritt für Schritt nähert sich die Stadt Eutin der großen Aufgabe, im kommenden Jahr den
200. Geburtstag Carl Maria von Webers würdig zu feiern.
Als Beitrag zur Vorbereitung hat der Magistrat nun einen Plakatwettbewerb ausgeschrieben,
an dem sich Grafiker, Maler, Schüler und Autodidakten beteiligen können.
Gesucht werden Entwürfe, die – so die offizielle Ausschreibung –
„geeignet sind,
a) allgemein für das Weber-Jahr 1986 zu interessieren und
b) durch Freiflächen für ergänzende Textbeiträge über einzelne festliche Veranstaltungen zu
informieren.“
Das Plakat soll thematisch der Person und dem musikalischen Schaffen Carl Maria von
Webers gewidmet sein und zugleich einen Bezug zu seiner Geburtsstadt Eutin erkennen
lassen.
Eine vordergründige Fremdenverkehrswerbung sei nicht beabsichtigt, betonte Bürgermeister
Gernot Grimm in einer Pressemitteilung.
Die Wettbewerbsbeiträge müssen bis zum 31. Oktober 1985 beim Magistrat der Stadt Eutin
eingereicht werden.
Zugelassen sind Entwürfe im Hochformat DIN A1 oder DIN A2, sowohl in farbiger als
auch grafischer Ausführung.
Über die Prämierung entscheidet der Kulturausschuss der Stadtvertretung.

Es werden drei Geldpreise vergeben:
1. Preis: 1.000 DM
2. Preis: 500 DM
3. Preis: 200 DM

Die prämierten Entwürfe sollen im Anschluss in einer Ausstellung gezeigt werden und als
offizielles Werbemotiv des Eutiner Weber-Jahres 1986 dienen.

Die kleine Stadt und ihr großer Sohn

Zum 200. Geburtstag von Carl Maria von Weber

von Otto Bönnpag
Wenn im Jahr 1986 überall in der Welt des 200. Geburtstags Carl Maria von Webers
gedacht wird, so ist selbstverständlich auch seine Geburtsstadt Eutin dem großen Meister in
besonderer Weise verpflichtet – und wird sich bemühen, dieser Verpflichtung würdig gerecht
zu werden.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadt sich ihres großen Sohnes erinnert. Schon oft rief sie
ihre Bürger auf, des Mannes in würdiger Form zu gedenken, von dem Richard Wagner an
seinem Grab sagte:
„Nie hat ein deutscherer Meister gelebt als du!“
Die engeren Bande zwischen Weber und seiner Geburtsstadt wurden zwar schon wenige
Monate nach Geburt und Taufe abgerissen, als die Familie Eutin verließ – weshalb man ihn
später gelegentlich einen „zufälligen Eutiner“ nannte. Und doch blieb die Stadt, in der er das
Licht der Welt erblickte, Ursprung und Symbol seiner Wurzeln.
Die Eintragung im Taufbuch der Michaeliskirche nennt:
„Carl Maria Friedrich Ernst Weber, Sohn des Kapellmeisters Franz Anton von Weber und
seiner Ehefrau Genovefa.“
Als Paten werden aufgeführt:
„Se. Durchlaucht Prinz Carl zu Hessen, Statthalter von Schleswig-Holstein, Höchstdero
Gemahlin, Frau Prinzessin Louise, und Fräulein Hofdame von Both.“
Weber wurde am 20. November 1786 getauft, nach katholischem Brauch also ein bis zwei
Tage nach der Geburt. Demnach dürfte sein Geburtstag auf den 18. oder 19. November
fallen.
Eine Notiz seines Vaters nennt den 18. Dezember, und da dieses Datum in der Familie stets
gefeiert wurde, gilt es heute allgemein als Webers Geburtstag.
So oder so – Eutin bleibt der Ort, an dem der kleine Carl Maria seine ersten Atemzüge tat.

„Der Freischütz“ – Musik, Theater und Zeitgeist

Rede von Prof. August Everding zur Ausstellungseröffnung, Eutin 1986

„Sie erinnern sich“, begann Everding,
„die Freiheitskriege hatten das nationale Gefühl geweckt – und in Webers Freischütz fand
dieses Gefühl seine Stimme.“
Er betonte, dass die Oper nicht nur ein romantisches Märchen sei, sondern eine musikalischpolitische
Tat:
„Weber wollte nicht Preußens Gloria, sondern Preußens Misere zeigen – die Unterordnung
des freien Menschen unter Staat und Macht. In dieser Spannung liegt die Kraft seiner Musik.“
Everding beschrieb, wie der Freischütz das Musiktheater veränderte:
„Die Natur wurde selbst zur handelnden Figur. Nicht mehr gemalte Kulissen, sondern
atmende, spielende Natur. Das Bühnenbild wurde lebendig – und mit ihm das Bürgertum, das
in dieser Oper seine eigene Seele hörte.“
Er warnte zugleich vor der Gefahr einer sentimentalen Romantik:
„Wir wissen heute, wie gefährlich Romantik werden kann, wenn sie sich selbst genügt. Sie
kann kippen – in Kitsch, in falsches Pathos, in Nationalismus.“
Und doch bleibe Webers Werk ein Aufruf:
„Das Theater soll erinnern, aber auch ermahnen. Weber ruft uns zu: Freiheit braucht
Verantwortung, nicht Prunk.“
Everding schloss mit einem Seitenblick auf die neu erschienene „Freischütz“-Sondermarke
der Bundespost:
„Dass die Post nun Geschichte, Musik und Marken verbindet – das ist mehr als Symbolik. Es
ist, als hätte man dem Komponisten endlich sein Porträt in die Hand gedrückt und gesagt:
Dein Werk reist weiter.“

Kieler Nachrichten, 25. Oktober 1996

Weber-Tage ’96: Kultur vor allem für Gäste

Eutin (eye) – Statt hohler Traditionspflege um Carl Maria von Weber sei einmal „bedachtkeckes
Weber-Nachspüren“ vonnöten, dachten sich Eutiner Künstler, Kulturbewusste und
Vertreter der Stadt. Sie gründeten im März einen Arbeitskreis. Ergebnis: die ersten „Eutiner
Weber-Tage 1996“ – eine Mischung aus klassischer Musik, Pop-Art, vertonten
Lebensweisheiten Webers sowie einem Menü, wie es zu seiner Taufe hätte gereicht werden
können.
Vom 8. bis 23. November soll das kulturelle Ereignis jedoch nicht nur dem großen
Komponisten gerecht werden, sondern vor allem auswärtige Gäste in die Rosenstadt locken.
Eröffnet werden die Weber-Tage ’96 mit einem musikalischen Pop-Art-Spektakel im Festsaal
der Schlossterrassen. The Black Rider, ein Bühnenmusical aus den Federn der Amerikaner
Robert Wilson, Tom Waits und William Burroughs, nimmt sich Webers Freischütz auf eigene
Weise vor – eine Produktion, die „humorlosen Opernpuristen gewiss Entsetzen einjagen
wird“, wie Kulturreferentin Simone Handschuck augenzwinkernd versprach.
Weiter geht es am 18. November – Webers vermutetem Geburtstag – mit einem Liederabend
unter dem Titel Nein! Heiraten ist meine Sache nicht! in der Galerie Schlossgarten. Ein
Tenor, ein Gitarrist und der Eutiner Künstler Martin Karl-Wagner gestalten ein
Kammerkonzert mit wenig bekannten Stücken Webers aus Handschriften der
Landesbibliothek Eutin.
Am 23. November folgt eine „musikalische Reise durch die Holsteinische Schweiz“ im
ehemaligen Kapitelshof Rastleben.
Wer Webers Zeit lieber auf kulinarische Weise erleben möchte, kann dies im November und
Dezember in den Eutiner Restaurants L’Etoile und Le Bistro: Dort wird ein Weber-Menü mit
Mastgans, Hecht, Ochsen und Dessert serviert.
Karten für die „Eutiner Weber-Tage 1996“ gibt es im Haus des Kurgastes, bei Radio
Kischkat, im Reisebüro Stern-Tours oder bei der Konzertagentur Haase in Neustadt.
Die Eutiner Künstlerin Maria Dorwarth-West entwarf das Plakat und die Faltblätter für die
ersten Weber-Tage.

 

Erstmals Weber-Tage in Eutin


Musikalisch-lukullische Veranstaltungsreihe wird am 8. November eröffnet

Zur Erinnerung an Carl Maria von Weber gab es in Eutin bereits verschiedene
Veranstaltungsreihen mit wechselnder Beständigkeit. Erstmals sind nun „Weber-Tage“
geplant, bei denen zu Ehren des Komponisten – und wohl auch zum Nutzen seiner
Geburtsstadt – die schönen Seiten des Lebens im Mittelpunkt stehen: Musik, Theater und
gutes Essen.
Die neue Initiative schlägt für eine Kleinstadt selbstbewusste Töne an, wie bei der
Vorstellung des Programms deutlich wurde. Ihr Ziel ist es, Webers Werke und seine Zeit
lebendig zu illustrieren – statt hohler Traditionspflege ist „bedacht-keckes Weber-
Nachspüren“ angesagt. So wie Weber einst von hier in die weite Welt zog, soll seine
musikalische Weltgeltung nun kulturbewanderte Gäste nach Eutin führen.
Musical zum Auftakt
Eröffnet werden die Weber-Tage am 8. November (Freitag) mit dem Bühnenmusical The
Black Rider. Im 175. Jubiläumsjahr nach der Uraufführung des Freischütz (Juni 1821 im
Theater am Gendarmenmarkt in Berlin) kommt damit der Sagenstoff wieder einmal in
Webers Geburtsort auf die Bühne – in einer Pop-Art-Version, die humorlosen Opernpuristen
wohl Entsetzen einjagen dürfte.
Auf Einladung des Kulturbundes Eutin führt das Theater der Altmark Stendal in den
Schlossterrassen die Bearbeitung der drei Amerikaner Robert Wilson, Tom Waits und
William Burroughs auf, deren Werk seit 1990 an vielen Bühnen weltweit Furore machte.
Am 18. November, dem vermutlichen Geburtstag Webers, folgt in der Galerie Schlossgarten
ein Konzertabend unter dem Titel Nein! Heiraten ist meine Sache nicht! – Lieder und
Instrumentalmusik aus Webers Zeit, präsentiert von Wolfram Wende (Tenor) und Hartwig
Diekmann (Gitarre). Martin Karl-Wagner, der auch Flöte spielt, übernimmt die Moderation
und stellt zugleich historische Noten aus seinem Privatbesitz aus.
Der Abend endet mit einer musikalischen Reise durch die Holsteinische Schweiz am 23.
November im Kapitelshof Rastleben, wo Dr. Dietrich Fey Texte und Musik der Romantik
miteinander verbindet. Fünf Künstler der Lübecker Musikhochschule tragen Werke von
Beethoven, Schubert, Weber, Schumann und Strauss vor – eine romantische Reise bei
Kerzenlicht.
Parallel zu den Konzerten bieten die Restaurants L’Etoile und Le Bistro von Dr. Jürgen
Herrnberger im November und Dezember das „Weber-Menü“ mit Gerichten nach
Originalrezepten aus Webers Zeit an. Chefkoch Klaus Heidel stöberte dafür in Archiven und
alten Kochbüchern.
An der Gestaltung der ersten Weber-Tage beteiligt sind Martin Karl-Wagner, Klaus Heidel,
Karin Leider, Dr. Dietrich Fey, Simone Handschuck und Maria Dorwarth-West.

Lübecker Nachrichten, 25. Oktober 1996

Ostholsteins Kreisstadt erinnert an ihren berühmten Sohn:
Weber in Pop-Art-Version

Von Eckhard Meier
Eutin – Es gibt nicht viele Kleinstädte, die einen wahrhaft großen Sohn hervorgebracht haben.
In Eutin ist das anders: Vor 200 Jahren wurde hier Carl Maria von Weber geboren, der erste
deutsche Komponist der Romantik von Weltrang. Dass er seine Geburtsstadt bereits im
Säuglingsalter verließ, hat die Bürger in ihrer Anhänglichkeit nie beeinträchtigt. Die „Eutiner
Weber-Tage 1996“ sind nun das jüngste Kind dieser langen, harmonischen Beziehung.
Eröffnet werden die Weber-Tage am Freitag, 8. November, um 20 Uhr mit dem
Bühnenmusical The Black Rider. Im 175. Jubiläumsjahr nach der Uraufführung des
Freischütz in Berlin kommt damit der Sagenstoff wieder einmal in Webers Geburtsort auf die
Bühne – allerdings in einer Pop-Art-Version, die humorlosen Opernfreunden wohl ein Graus
sein dürfte. Auf Einladung des Kulturbundes führt das Theater der Altmark Stendal in den
Schlossterrassen die Bearbeitung der Amerikaner Robert Wilson, Tom Waits und William
Burroughs auf.
Fortgesetzt werden die Weber-Tage am Montag, 18. November – dem vermutlichen
Geburtstag Carl Maria von Webers – mit einem Konzertabend in der Galerie Schlossgarten.
Unter dem Titel Nein! Heiraten ist meine Sache nicht! werden Lieder und Instrumentalmusik
aus Webers Zeit von Martin Karl-Wagner präsentiert. Eine Notenausstellung aus seinem
Privatbesitz ergänzt das Programm.
Ein Nachtwächter wird die Besucher auf einem Rundgang durch den Schlossgarten in die Zeit
des historischen Eutin zurückversetzen. Interessierte treffen sich um 18.45 Uhr am Schloss.
Zum Abschluss der Weber-Tage findet am Sonnabend, 23. November, ab 20 Uhr im
ehemaligen Kapitelshof Rastleben an der Stolbergstraße eine „Musikalische Reise durch die
Holsteinische Schweiz“ statt. Fünf Künstler der Lübecker Musikhochschule gestalten diesen
Abend mit Werken von Beethoven, Schubert, Weber, Schumann und Strauss. Die
Veranstaltung ist bereits ausverkauft.
Parallel dazu bietet das Unternehmen Herrnberger im November und Dezember in seinen
Feinschmeckerrestaurants L’Etoile und Le Bistro mittags und abends ein „Weber-Menü“ mit
Gerichten nach Rezepten aus Webers Zeit an.
Im Rathaus gaben sich die Initiatoren selbstbewusst: „Das Ziel der Veranstaltung ist schnell
umrissen. Webers Werke und seine Zeit sollen lebendig illustriert werden. Statt hohler
Traditionspflege ist bedacht-keckes Weber-Nachspüren angesagt. So wie Weber einst von
hier in die weite Welt zog, soll seine musikalische Weltgeltung jetzt kulturbewanderte
Menschen nach Eutin führen.“
Dr. Dietrich Fey, Mitveranstalter, betonte, dass es ihm dabei nicht nur um die Kultur gehe,
sondern auch um wirtschaftliche Impulse: „Es geht maßgeblich darum, Kaufkraft nach Eutin
zu ziehen.“

Freischütz in Schräglage

Kulturbeitrag zu den Weber-Tagen: Ungewohnte Pop-Ästhetik
Eutin – Mit einer ungewöhnlichen und schrägen Interpretation begann in Eutin die Reihe der
„Weber-Tage 1996“. Das Theater der Altmark Stendal brachte im Festsaal der
Schlossterrassen die Pop-Art-Version von The Black Rider auf die Bühne – ein Werk der
Amerikaner Robert Wilson, Tom Waits und William Burroughs, das sich auf Webers
Freischütz bezieht und ihn in eine völlig neue, moderne Bildsprache überführt.
Unter der Regie von Thomas Wenke entstand eine Mischung aus Sprechtheater, Musik,
groteskem Witz und expressiver Symbolik. Statt eines romantischen Schützen wurde hier ein
zerrissener, von inneren Konflikten geplagter „Anti-Freischütz“ gezeigt – ein Mensch, der in
seinem Pakt mit dem Teufel mehr über sich selbst als über das Böse erfährt.
Das Bühnenbild bestand aus schräg gestellten Flächen, Projektionen und Schatten, die wie
eine Comicwelt zwischen Traum und Alp zu schweben schienen. Die Musiker standen
sichtbar auf der Bühne, was dem Abend den Charakter eines düsteren Konzerts verlieh.
Besonders eindrucksvoll war die Musik, die Tom Waits komponiert hatte: eine Mischung aus
Balladen, Polka, Moritat und Blues, durchzogen von rostigen Trompetenklängen, verzerrten
Gitarren und melancholischem Akkordeon. Der typische romantische Glanz Webers war hier
durch einen rauen, gebrochenen Sound ersetzt – herzzerreißend schräg und doch voller
Energie.
Das Publikum reagierte zwiespältig: Manche waren begeistert von der schaurigfaszinierenden
Atmosphäre, andere vermissten die vertraute Romantik des Originals. Doch
die Inszenierung erwies sich als klug, pointiert und handwerklich präzise.
So wurde The Black Rider zum gelungenen Auftakt der Eutiner Weber-Tage – ein Stück, das
sich von der Vergangenheit löst, ohne sie zu verleugnen.

Weber-Tage sollen Eutin bereichern

Private Initiative belebt die Würdigung des Komponisten in seiner Geburtsstadt

Eutin (bu) – Nicht mehr bedrückt im städtischen Kämmerlein, sondern künftig im hellen
Scheinwerferlicht soll in Eutin im November des Geburtstages von Carl Maria von Weber
gedacht werden. Die privat entwickelte Initiative der „Weber-Tage“ will – mit ausdrücklicher
Billigung der Stadt Eutin – das Profil der Kreisstadt als Geburtsort des Freischütz-
Komponisten neu beleben.
In einer Pressekonferenz im Rathaus stellten die Initiatoren ihre Pläne vor. Als Privatleute
zeichnen dafür Dr. Dietrich Fey, Dr. Jürgen Herrnberger und Malte Tech in Kooperation
mit Martin Karl-Wagner sowie dem Kulturbund Eutin verantwortlich.
Für das Jahr 1996 sind innerhalb der Weber-Tage folgende Veranstaltungen geplant:
Der Kulturbund eröffnet die Reihe am 8. November mit einer Aufführung des
Bühnenmusicals The Black Rider in den Schlossterrassen. Dieses Gemeinschaftswerk von
Robert Wilson (Regie), Tom Waits (Musik) und William S. Burroughs (Text) basiert auf
Webers Freischütz. Nach den Erfolgen in Hamburg wagt nun auch das Landestheater Stendal
eine Neuauflage dieser gefeierten Produktion. „Wir sind sicher, dass dies auch in Eutin
Aufsehen erregen wird“, meinte Kulturbund-Vorsitzende Karin Leider zuversichtlich.
Das gilt auch für das zweite Programm am 18. November, dem vermutlichen Geburtstag
Webers: Nein! Heiraten ist meine Sache nicht! – ein Konzertabend in der Galerie
Schlossgarten mit Liedern und Instrumentalmusik aus Webers Zeit, zusammengestellt von
Martin Karl-Wagner, der zum Teil auf Notenbestände der Landesbibliothek Eutin
zurückgreift.
Zum Abschluss der ersten Weber-Tage findet am 23. November im Haus Rastleben die
Veranstaltung Eine musikalische Reise durch die Holsteinische Schweiz statt. Kompositionen
und Texte aus der Romantik zeichnen dabei ein Klangbild der Landschaft.
Parallel dazu bietet das Restaurant L’Etoile eine festliche Dîner-Reihe mit Gerichten nach
Rezepten aus Webers Zeit.
Bürgermeister Gernot Grimm zeigte sich begeistert: „Ich bin erfreut über diese privat
entstandene Initiative. Die Weber-Tage werden ein zusätzlicher Besuchermagnet für Eutin.“
Ausgangspunkt für die neue Veranstaltungsreihe war die Erkenntnis, dass die ostholsteinische
Kreisstadt bislang zu wenig mit ihrem berühmtesten Sohn verbunden war. Die zum 200.
Geburtstag Webers ins Leben gerufene Konzertserie hatte sich als wenig zugkräftig erwiesen.
„Das Schicksal sollen die neuen Weber-Tage nicht teilen“, betonte Dr. Fey. „Wir wollen sie
zu einem über die Stadtgrenzen hinaus attraktiven und anspruchsvollen Angebot gestalten.“

 

Lieder zum Geburtstag

Weber-Konzert in der Galerie Schlossgarten

Eutin (pd) – Zu Ehren von Carl Maria von Weber findet am kommenden Montag, dem 18.
November – seinem wahrscheinlichen Geburtstag – in der Galerie Schlossgarten ein Konzert
statt. Nicht die Werke für den großen Konzertsaal, sondern Musik für die intimen Stunden im
privaten Kreis stehen im Mittelpunkt dieser zweiten Veranstaltung der Eutiner Weber-Tage.
Weber, selbst ein hervorragender Sänger und Improvisator auf der Gitarre, hat eine Reihe von
Liedern komponiert – amüsant, lebensfroh, zuweilen auch derb –, von denen eine Auswahl zu
hören sein wird. Weitere Werke seiner Zeitgenossen, zum Teil aus einer
Handschriftensammlung der Eutiner Landesbibliothek, ergänzen das Programm.
Die ausführenden Künstler sind der Lübecker Tenor Wolfram Wende, der Eutiner Gitarrist
Hartwig Diekmann und der Flötist Martin Karl-Wagner, der die Veranstaltung auch
moderieren und historische Notendrucke in den Räumen der Galerie ausstellen wird.
Wolfram Wende ist in Eutin kein Unbekannter. Er gab bereits zahlreiche Konzerte in ganz
Deutschland sowie Konzertreisen nach Polen, Finnland, Israel, Argentinien, Österreich und
Dänemark. An der Lübecker Oper wirkte er unter anderem als Belmonte in Mozarts
Entführung aus dem Serail mit. In Eutin war er bereits beim Eutiner Konzertsommer und bei
Auftritten in Wilhelmshöhe zu hören.
Vor Konzertbeginn haben die Besucher die Möglichkeit, unter Leitung einer Nachtwächterin
einen Rundgang durch den Schlossgarten zur Galerie zu unternehmen. Treffpunkt ist um 19
Uhr vor dem Ostholstein-Museum.
Karten und Reservierungen sind erhältlich bei der Eutin GmbH (Tel. 04521-3155), im
Reisebüro Sterntours (Tel. 04521-702850/702851), bei Radio Kischkat (Tel. 04521-2903)
sowie bei der Konzertagentur Haase in Neustadt (Tel. 04561-2333/8585).

Junge Solisten zum Schluss der Weber-Tage

Ein eindrucksvolles Konzert fand in den prächtigen Räumen des Kapitelshofes Rastleben statt
Eutin (rr) – So ungefähr muss es wohl gewesen sein in früheren Jahrhunderten in Eutin: Das
Abschlusskonzert der „Eutiner Weber-Tage 1996“ im ehemaligen Kapitelshof Rastleben in
der Stolbergstraße vermittelte den Besuchern eine Vorstellung davon, wie in jener Zeit
musiziert wurde, als die heutige Rosenstadt den Beinamen „Weimar des Nordens“ erhielt.
Dr. Dietrich Fey, Besitzer des Hauses Rastleben und engagierter Förderer des Eutiner
Kulturlebens, hatte zum Abschluss der Weber-Tage zu einer „musikalischen Reise durch die
Holsteinische Schweiz“ eingeladen.
Die einzigartigen Räume des Hauses mit ihrer historischen Ausstattung boten die ideale
Kulisse für diesen musikalisch-literarischen Abend.
Als Gesangssolistinnen traten Anja Bunneister (Sopran) und Eibe Möhlmann (Alt) auf,
begleitet von Clemens Wiencke (Klavier), Robert Bejtlich (Violine) und Benjamin Grütter
(Violoncello) – allesamt Studenten der Lübecker Musikhochschule. Dr. Fey selbst steuerte
eigens verfasste Erzählungen über die Holsteinische Schweiz bei, die er dem Publikum
persönlich vortrug.
Die jungen Musiker überzeugten mit herausragenden Leistungen. Besonders Eibe Möhlmann
überraschte trotz ihres jugendlichen Alters mit einer volltönenden, weichen Altstimme. Ihr
Vortrag des schottischen Liedes Faithful Johnie von Ludwig van Beethoven wurde mit
stürmischem Beifall bedacht.
Benjamin Grütter zeigte sein Können am Violoncello vor allem in Schuberts Klaviertrio Es-
Dur – Andante con moto, und auch Clemens Wiencke meisterte seine Partien am Klavier mit
Bravour, insbesondere Beethovens Klaviertrio Nr. 5 D-Dur zu Beginn des Abends.
Anja Bunneister und Eibe Möhlmann sorgten mit dem Gesang der Brautjungfern aus Carl
Maria von Webers Oper Der Freischütz für heimatliche Klänge, die das Publikum besonders
bewegten.
Zu Beginn des Konzerts lobte Bürgermeister Gernot Grimm das große private Engagement,
das wesentlich zum Gelingen der Eutiner Weber-Tage beigetragen habe. Mit dem Haus
Rastleben sei eines der stilvollsten Gebäude der Stadt als Veranstaltungsort gewonnen
worden. Grimm äußerte den Wunsch, dass auch 1997 ein solches Engagement von privater
Seite und eine ebenso harmonische Zusammenarbeit zwischen Stadt, Kulturbund und
Initiatoren fortgeführt werden möge.

Aus Pucks und Oberons Feder

Zwischen dem roten Glanz des Hornklangs und den halsbrecherischen Kunststücken von Webers Concertino folgen Oberon und Puck der Spur eines Instruments, das mehr Farbe trägt, als Menschen ahnen. In der nahezu verborgenen Horn-Ausstellung im Schlosses Eutin entdecken sie jene Naturhörner, deren Seele Webers Musik einst entzündete – und die bis heute leise von dieser Magie erzählen.

Zwischen Mär und Musik: Weber, Voß und Eutin

Oberon:
Man erzählt sich in Eutin seit Generationen eine Begegnung: der junge Carl Maria von Weber und der Dichter Johann Heinrich Voß, ein Hauskonzert, eine Maultrommel, verletzter Künstlerstolz. Die Geschichte ist schön – und sie hat sich tief eingeprägt.

Puck:
Schön, ja. Wahr? Nicht ganz. Die Chroniken widersprechen ihr. Doch auch Märchen haben ihre Wahrheit – nur liegt sie manchmal nicht im Zeitpunkt, sondern in der Wirkung.

Erinnerungen an Eutin, 1802

🪶 Aus meiner Feder

(Erfundene Gedanken Carl Marioa von Webers)

Ich war fünfzehn Jahre alt, als ich in Salzburg meine komische Oper
„Peter Schmoll und seine Nachbarn“ vollendete.
Mein Vater, rastlos wie immer, hatte sogleich die nächste Etappe
unserer „musikalischen Reise“ im Sinn: Norddeutschland.
So zogen wir im Jahre 1802 gen Eutin,
an einem hellen Frühherbsttag,
der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Unerwartet traten wir in das Rektorhaus,
wo man sich des ehemaligen Stadtmusikus, meines Vaters,
noch lebhaft erinnerte.
Doch schien unser Besuch wenig willkommen,
denn Herr Voß und seine Frau Ernestine
waren ganz vom Umzug nach Jena eingenommen.
So fanden wir erst im Hause des musikliebenden Kanzleirats Stricker
eine herzliche Aufnahme.

Schon am zweiten Abend gab man ein Hauskonzert zu Ehren der Gäste.
Ich spielte meine Schmoll-Ouvertüre
und einige kleine Fughetten,
die ich als Knabe zu Papier gebracht hatte.
Man lobte mich sehr –
bis der achtjährige Sohn des Hauses
seine Maultrommel ergriff
und mit demselben Eifer spielte,
der mir doch allein vorbehalten schien.
Sein Spiel erregte lebhaften Beifall.
Ich weiß nicht, ob es Eifersucht oder Schmerz war –
doch empfand ich die Töne dieser Maultrommel
wie kleine Stiche ins Herz.

Frau Ernestine Voß, die mein Verstummen bemerkt hatte,
sprach mir freundlich zu
und lud uns für den nächsten Tag zum Mittagessen ein.
Noch vor Tagesanbruch fuhr uns der Hofprediger Uckert
nach dem Uklei.
Über Gremsmühlen hinweg sah ich die Sonne aufsteigen,
wie sie sich im stillen See brach –
und dieser Anblick,
das Schweigen der Wälder,
die atmende Landschaft,
machte mich still und andächtig zugleich.
Ich wusste nicht, ob ich Komponist oder Träumer war.

Nach dem Mahl im Rektorhaus
saßen wir im Garten am See,
auf dem „Agneswerder“.
Voß las einige seiner Gedichte vor –
darunter das heitere „Sagt mir an, was schmunzelt ihr?“
Ich bat ihn um Abschriften;
die Verse klangen in mir nach,
als ich am Abend allein durch den Schlossgarten ging.
Zu seinen Worten hörte ich eine Melodie,
so luftig und verspielt,
dass ich sie sogleich niederschrieb,
noch ganz erfüllt von jener stillen Freude,
die nur die Schöpfung kennt.

Später, beim Konzert im Hause Stricker,
spielte ich sie –
und sang dazu die Voß’schen Zeilen.
Das Lächeln der Gäste war mir Beifall genug.
Aber kaum verklangen die letzten Akkorde,
nahm der junge Stricker wieder seine Maultrommel zur Hand.
Er stellte sich neben mich,
als wolle er wetteifern.
Er spielte nun mit zwei Maultrommeln zugleich –
und das Publikum jubelte.
Sogar mein Vater nickte freundlich:
„Wie schön!“ sagte er.
Ich aber stand da, wie gelähmt,
als sei mir der Boden entzogen.

Was war dies für ein Tag!
Er begann im Zauber des Morgens,
und endete in einer bitteren Lektion.
Doch vielleicht war es eine heilsame.
Denn in jener Stunde lernte ich,
dass Beifall flüchtig ist –
und dass wahre Musik
nicht im Lärm der Hände,
sondern in der Bewegung der Seele lebt.

Carl Maria von Weber mit ca. 18 Jahren
(Quelle: Kupferstich von J. Neidl nach J. Lang, Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin)