Weber & Eutin 1986

200. Geburtstag

200. Geburtstag 1986

Quelle: Stadtarchiv Eutin
Foto: Hans-Peter Förster
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  • Sonderstempel zum Webers 200. Geburtstag
    Museumsstiftung Post- und Telekommunikation: Mehr erfahren …
  • Sonderausstellung im Museum „Oberon – König der Elfen“
  • „Jubiläums-Butterzopf“ in Eutiner Bäckereien
  • Flyer „Weber-Jahr in Lübeck“ (Verbindung: Franz Anton Weber)
  • Musikwissenschaftliches Symposium „Weber – Jenseits des Freischütz“
  • Weber-Jahr in Lübeck
  • Plakatwettbewerb, Bildhauersymposium (Musik in Eutin)
  • Eutiner Festspiele: Festakt
  • selten aufgeführten Oper „Oberon“ (200 Jahre Uraufführung)

Presseausschnitte

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Quelle der Presseausschnitte:
Stadtarchiv Eutin

Die kleine Stadt und ihr großer Sohn. Zum 200. Geburtstag von Carl Maria von Weber.
In: Blätter für Heimatkunde. Beilage des Ostholsteiner Anzeigers, Nr. 14, Juli 1986, 42. Jahrgang, S. 53–56.
Rönnpag, Otto

Der Beitrag schildert die historische Verbindung zwischen Carl Maria von Weber und seiner Geburtsstadt Eutin. Behandelt werden insbesondere:

  • die Frage nach Webers genauem Geburtsdatum (1786)

  • seine beiden Besuche in Eutin in den Jahren 1802 und 1820

  • frühe Weber-Ehrungen im 19. Jahrhundert

  • die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag 1886

  • das Weber-Denkmal von Paul Peterich (1890)

  • sowie die Fortführung der Eutiner Weber-Tradition im 20. Jahrhundert

Der Artikel zeigt, wie sich über mehr als ein Jahrhundert hinweg eine lokale Erinnerungskultur um den Komponisten entwickelte, die bis in die Gegenwart das kulturelle Selbstverständnis der Stadt prägt.

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Die kleine Stadt und ihr großer Sohn

Zum 200. Geburtstag von Carl Maria von Weber –

Otto Rönnpag

Wenn im Jahre 1986 überall in der Welt des 200. Geburtstages Carl Maria von Webers gedacht wird, ist natürlich seine Geburtsstadt Eutin dem großen Meister besonders verpflichtet und wird sich auch nach Kräften bemühen, dieser Verpflichtung gerecht zu werden. Es ist ja nicht das erste Mal, daß die Stadt sich ihres großen Sohnes erinnert und ihre Bürger aufruft, in würdiger Form des Mannes zu gedenken, von dem Richard Wagner an Webers Grab sagte: „Nie hat ein deutscher Meister gelebt als du!“

Es sind zwar die engeren Bande zwischen Weber und seinem Geburtsort zwischen Geburt und Taufe wenige Monate nach Geburt und Taufe abrupt dadurch abgerissen, daß die Familie Weber Eutin verließ, so daß man auch schon gelegentlich von dem „zufälligen Eutiner“ sprach. Vieles ist auch schon bei anderen Gelegenheiten darüber berichtet worden, was die Eutiner zu seinem Ruhme getan haben. Doch mag der 200. Geburtstag Anlaß genug sein, im folgenden einen Überblick darüber zu geben, was geschehen ist, um die Verbindung Webers mit seinem Geburtsort deutlich zu machen.


Geburt und Taufe 1786

Dieses Kapitel hat die Gemüter schon seit langer Zeit beschäftigt, auch die Eutiner, denn die Eintragung im Taufregister der Schloßkirche gibt das Geburtsdatum leider nicht an. Sie lautet:

20. Nov. ist getauft Carl Maria Friedrich Ernst. Die Eltern: der Kapellmeister A. v. Weber und dessen Ehefrau.“

Gewisse Zeichen und die Stellung der Niederschrift im Buche selbst lassen aber der Möglichkeit Raum, daß der Monatsname verschrieben worden ist. Eine Notiz von Franz Anton von Weber ist in der Hand, die indes weder mehr Glaubwürdigkeit verdient als andere Niederschriften des oft sehr flüchtigen Mannes, die offenbar Unrichtigkeiten enthalten, noch auch den mit römischen Ziffern geschriebenen Monatsnamen sehr deutlich gibt, bezeichnet 1/2 11 Uhr abends am 18. Dezember 86 als Geburtsstunde ihres Kindes. Der Umstand, daß letzteres Datum in der Familie stets als Geburtstag Carl Marias gefeiert worden ist, gibt der Annahme, daß der 18. Dezember der wahre Geburtstag und der Eintrag im Kirchenbuch ein irriger sei, eine Berechtigung, obwohl auch manche Gründe für den 18. oder 19. November sprechen. In späteren Jahren liebte es Weber, das letztere Datum selbst anzusetzen, da auf diese Weise sein Geburtstag mit dem seiner Gattin Caroline zusammengefallen sein soll.

Genau wissen wir’s dennoch auch jetzt nicht! Doch verfolgen wir zunächst Webers eigene Spuren in Eutin bei den beiden einzigen Besuchen 1802 und 1820.


Erster Besuch Webers in Eutin 1802

Weber hat seine Geburtsstadt auf einer Reise mit seinem Vater zum ersten Male als Sechzehnjähriger wiedergesehen. Sein Sohn Max Maria schreibt darüber später: „Vierzehn Tage im Oktober 1802 brachten die Webers in Eutin zu, wo sie besonders im musikalischen Hause des Kanzleirats Stricker wohl aufgenommen wurden.“

Hier knüpfte sich die Bekanntschaft mit dem als Rektor dort lebenden Johann Heinrich Voß fester, der eine wahre Zuneigung zu dem interessanten Jüngling Carl Maria faßte, die später, soweit dies bei der großen Altersverschiedenheit möglich war, Freundschaft wurde.

Weber selbst hat in seinen autobiographischen Notizen über diese Reise nur kurz vermerkt: „1802 machte mein Vater eine musikalische Reise mit mir nach Leipzig, Hamburg, Holstein usw., wo ich mit größtem Eifer theoretische Werke sammelte und studierte.“

Eutin erreichte er sicher keine Konzertreise, wenn man auch private Musikabende gewiß vermuten darf, zumal auch Max Maria davon berichtet. Ein merkwürdiges Beispiel hat er ausführlicher erzählt:
Im Strickerschen Hause wurde viel musiziert, wobei es aber Carl Maria oft verdroß, daß der Sohn des Kanzleirats mit seinem fertigen Maulthrommelspiel wahre Triumphe feierte. Als aber der junge Weber selbst auf zwei Maulthrommeln spielte, erregte das solchen Enthusiasmus, daß selbst Franz Anton ausrief: ‚Gott, Maria, wie schön!‘“

Gehaltvoller war denn doch für den jungen Weber die Begegnung mit Joh. Heinr. Voß, der ihm den Weg zur Lyrik öffnen half und ihm einige eigene Gedichte vorlegte, die er vertonen konnte. Voß empfahl ihm aber auch besonders Gedichte des Hamburger Dichters Friedrich Matthias Claudius, dessen Gedicht „Die Kerze“ schon unmittelbar nach dieser Begegnung Webers erste Liedkomposition wurde.

Die Beziehungen zwischen Voß, Stricker und Franz Anton von Weber standen auch im Mittelpunkt des Festspiels „Die Verheißung“ von Julius Havemann, das bei der Weber-Feier 1926 in Eutin gespielt wurde.

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Blätter für Heimatkunde

Eutin zu, wo sie besonders im musikalischen Hause des Kanzleirats Stricker wohl aufgenommen wurden. Hier knüpfte sich die Bekanntschaft mit dem als Rektor dort lebenden Johann Heinrich Voß fester, der eine wahre Zuneigung zu dem interessanten Jüngling Carl Maria faßte, die später, soweit dies bei der großen Altersverschiedenheit möglich war, Freundschaft wurde. Weber selbst hat in seinen autobiographischen Notizen über diese Reise nur kurz vermerkt: »1802 machte mein Vater eine musikalische Reise mit mir nach Leipzig, Hamburg, Holstein usw., wo ich mit größtem Eifer theoretische Werke sammelte und studierte.« Eutin erreichte er sicher keine Konzertreise, wenn man auch private Musikabende gewiß vermuten darf, zumal auch Max Maria davon berichtet. Ein merkwürdiges Beispiel hat er ausführlicher erzählt: »Im Strickerschen Hause wurde viel musiziert, wobei es aber Carl Maria oft verdroß, daß der Sohn des Kanzleirats mit seinem fertigen Maulthrommelspiel wahre Triumphe feierte. Als aber derselbe einst sogar auf zwei Maulthrommeln spielen konnte, erregte das solchen Enthusiasmus, daß selbst Franz Anton ausrief: ‚Gott, Maria, wie schön!‘ weigerte sich der Knabe Carl Maria aus bestimmten Gründen, selbst wieder zu spielen.«

Gehaltvoller war denn doch für den jungen Weber die Begegnung mit Joh. Heinr. Voß, der ihm den Weg zur Lyrik öffnen half und ihm einige eigene Gedichte vorlegte, die er vertonen konnte. Voß empfahl ihm aber auch besonders Gedichte des Hamburgers Friedrich Matthias Claudius, dessen Gedicht »Die Kerze« schon unmittelbar nach dieser Begegnung Webers erste Liedkomposition wurde. Die Beziehungen zwischen Voß, Stricker und Franz Anton von Weber standen auch im Mittelpunkt des Festspiels »Die Verheißung« von Julius Havemann, das bei der Weber-Feier 1926 in Eutin gespielt wurde.


Webers zweiter Besuch in Eutin 1820

Wenn auch über den ersten Besuch nur relativ spärliche Angaben vorliegen, so haben wir doch ausführlichere Daten über Webers zweiten und letzten Besuch in Eutin, der ihn kurz nach der Vollendung des »Freischütz« 1820 nach hier führte. Diesmal sollte es eine Konzertreise sein, die er aber auch zugleich als Erholungsreise in Begleitung seiner Frau Caroline nutzen wollte. Die Reise führte vom Juli bis zum November von Dresden über Leipzig, Halle, Göttingen, Oldenburg, Bremen, Hamburg, Lübeck nach Eutin und dann noch nach Kiel und Kopenhagen. Seine Frau mußte er wegen einer Erkrankung in Hamburg zurücklassen, und so fuhr Weber am 11. September 1820 allein mit seinen Brüdern Fritz und Edmund nach Eutin, wo sie auch nur wenige Tage als Gäste des Stadtmusikus Carl Bernhard Fürstenau blieben.

Weber schrieb seiner Frau nach seinem Eintreffen in Eutin:
»Heute früh fuhren wir von Lübeck und kamen auf gutem Wege um 1/2 2 hier an, besahen Tisch den Garten, und nun schreibe ich diese Zeilen bei Herrn Fürstenau, wo alles herrlich ist. Übermorgen ist hier mein Konzert. Freitag in Plön. Alles ist hier arrangiert, ich habe fast nichts zu tun. Die Musiker kommen bis 11 Meilen weit auf ihre Kosten und nehmen nichts; ist das nicht außerordentlich? Meine Brüder schwimmen hier in alten Erinnerungen, da sie hier erzogen sind. Ich muß aber jetzt schließen, weil heute abend eine Probe ist.«

Der Stadtmusikus Fürstenau, ein Onkel des Weberschen Hofkapellflötisten Anton Fürstenau, hatte das Konzert vorbereitet. »Die Eutiner, stolz auf ihren berühmten Landsmann, hatten alle musikalischen Kräfte aufgeboten, ihn würdig zu feiern«, lesen wir bei Max Maria von Weber, und er fährt fort: »Man hatte einstudiert und geübt, um ihn Sachen hören zu lassen, zu letzterem wurde er, der ursprünglich nur einen Tag verweilen wollte, beredet, ein Konzert zu geben, zu dem ohne sein Vorwissen schon alles vorbereitet war. Fürstenau nahm sich der Sache mit großem Eifer an. ›Eine Anzeige in den ›Wöchentlichen Anzeigen‹ vom 8. September 1820 ist erhalten, die besagt: Der berühmte und als Komponist allgemein verehrte Tonkünstler, Herr Kapellmeister von Weber aus Dresden, wird in nächster Woche an einem noch näher bekannt werdenden Tage hier selbst in seiner Vaterstadt ein Konzert geben. Eine bereits herumgesandte Subskriptions-Anzeige, welche auch bey Herrn Fürstenau eingesehen werden kann, ergiebt das Nähere.‹«

Es wird vermutet, das Konzert habe in der sogenannten Orangerie im Schloßgarten stattgefunden, in einem Gebäude, von dem bisher angenommen wurde, es sei das Hoftheater und Konzerthaus des fürstbischöflichen Eutiner Hofes gewesen. Doch »von einer Beteiligung des Hofes ist an keiner Stelle die Rede, so daß dieses vom Stadtmusikus Fürstenau organisierte rein bürgerliche Konzert sich möglicherweise auch in dem neu erbauten Rathaus zugetragen hat«. (Viertel)

Wenn auch Einzelheiten über das Programm nicht bekannt sind, so kann als sicher gelten, daß Chöre aus Webers Kantate »Kampf und Sieg« einstudiert worden sind. In einem sehr viel späteren Bericht über dieses Ereignis ist davon die Rede, daß Weber sich in Eutin sehr anerkennend darüber geäußert habe, daß man im Jahre vorher in dem kleinen Eutin Haydns »Schöpfung« mit vereinten Kräften und Unterstützung aus ganz Holstein in der Stadtkirche habe aufführen können.


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ber zeigte sich als gemütlicher herrlicher Mensch, dabei mit wahrer innerlicher Innigkeit für seine Vaterstadt«, heißt es dort. Und so nimmt es nicht wunder, daß Weber selbst voll Freude die Direktion des Konzertes übernahm. Und das geschah bei großer Menge zu allgemeiner Freude. Vierzehn Tage weilte er mitten unter ihnen. Dann schied er mit Rührung. Sein Sohn Max Maria charakterisiert die Situation damals mit folgenden Worten: »Das Konzert fand am 13. September statt, und obwohl Weber weder sein eigenes Spiel, da er übel disponiert war, noch den Vortrag der meisten seiner Sachen loben konnte, so wurde er doch aus patriotischem Enthusiasmus mit Ehren so sehr erdrückt, daß er froh war, am 14. Sept. nach Plön flüchten zu können, wo er am 15. auf Ansuchen des Herrn von Fabricius ein Konzert gab, der dadurch dem böden Herzog von Oldenburg, welcher sich bei ihm aufhielt, eine Zerstreuung zu verschaffen hoffte.«


Erste Bemühungen um eine Weber-Ehrung in Eutin

Die ersten feststellbaren Bemühungen in Eutin um das ehrende Andenken des damals schon in Europa anerkannten großen Sohnes der Stadt fallen in das Jahr 1829, als der Regierungssekretär Sprenger und der Stadtphysikus Volquardts anregten, den Musikverein neu zu begründen, der 1819 die »Schöpfung« aufgeführt hatte und der es sich zur Aufgabe machen könnte, »dem Genialen in seiner Vaterstadt ein würdiges Gedächtnis zu stiften«. Man wollte kein ostentatives Denkmal, sondern dachte eher an ein Stipendium zum Zwecke, irgend einen von Virtuosen Deutschlands geprüften und mithin für würdig befundenen Jüngling zu Webers Gedächtnis in allen Teilen der Tonkunst ausbilden und nach dessen Ausbildung andere nachfolgen zu lassen.

Doch der Herzog Peter Friedrich Ludwig wollte das Protektorat über den Verein übernehmen. Doch da der Herzog noch im gleichen Jahre verstarb, verlief die ganze Sache im Sande.

Zu einer Neuauflage dieses Planes kam es unter dem Großherzog Paul Friedrich August 1835, doch blieb das Vorhaben auch damals ohne entsprechenden Widerhall. Erst als 1844 der Leichnam Webers von London überführt und in Dresden beigesetzt wurde, lebten diese Pläne in Eutin wieder auf.


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Der große Lagerschuppen der Waggonfabrik Westphal am Bahnhofsgelände wurde zur Festhalle umfunktioniert. Wo sonst Holzvorräte lagerten hörte man jetzt die feierlichen Klänge von Webers Es-Dur-Messe, der sogenannten »Freischütz-Messe«, der Kantate »Kampf und Sieg« und auch sonst ausschließlich Werke des großen Sohnes der Stadt, den es zu ehren galt.

Die eigentliche Denkmalweihe im Weber-Hain wurde durch anhaltendes Regenwetter beeinträchtigt. Nach der Weihe des Schleswiger Klosterpropstes Freiherrn von Liliencron übernahm Bürgermeister Völckers das Denkmal in die Obhut der Stadt Eutin und gelobte, es bis in die Ewigkeit zu schützen.

Die musikalischen Ereignisse jener Tage standen unter der Leitung des Eutiner Organisten Carl Heysen, der sein Amt 1900 an Andreas Hofmeier weitergab. Es waren bewegende Tage für das kleine Eutin, und alle Erlebnisse, Beobachtungen und Erfahrungen erfüllten einen großen Teil der sonst ganz für sich lebenden Kleinstädter so sehr, daß sie sich über ihren Alltag erhoben fühlten und das Bewußtsein hatten, an einem Werk von dauernder Bedeutung beteiligt zu sein.


Eutiner Weber-Tradition im 20. Jahrhundert

Die im 19. Jahrhundert begründete Weber-Tradition fand seit der Jahrhundertwende ihre Fortsetzung im Musikleben der Stadt, das vor allem durch Professor Andreas Hofmeier als Organist, Pianist und Komponist durch vielfältige musikalische Veranstaltungen entscheidend geprägt wurde.

Auch ihm lag diese Traditionspflege als verpflichtendes Erbe am Herzen. Er bewies das während seiner fünf Jahrzehnte währenden Tätigkeit in gleich drei Weber-Jubiläen, die er maßgeblich ausrichtete: 1926 zum 100. Todestag, 1936 zum 150. Geburtstag und 1951 zum 125. Todestag Webers.

Nicht zuletzt haben diese für Eutin so bedeutenden künstlerischen Ereignisse die Stadt veranlaßt, Hofmeier 1962 für seine Verdienste mit dem Ehrenring der Stadt auszuzeichnen.

 

 

 

„Vom Wunderkind zum Welterfolg“

Zum 200. Geburtstag Carl Maria von Webers

Eutin, 1986
Während eines Festakts zum Weber-Jahr erinnerte die Stadt an ihren berühmtesten Sohn:
Carl Maria von Weber, geboren am 18. November 1786 in Eutin, gestorben am 5. Juni
1826 in London.
Die Feier verband Historisches und Gegenwärtiges – Reden, Musik und ein symbolischer
Kranz am Denkmal im Weberhain.
Im Mittelpunkt stand die Lebensgeschichte eines Künstlers, der zwischen Genie und
Krankheit, Aufbruch und Erschöpfung schwebte.
Eutin, seine Geburtsstadt, hatte ihn lange vergessen – erst die Festspiele und das Weber-Jahr
brachten ihn wieder ins allgemeine Bewusstsein.
Webers Vater, Franz Anton von Weber, war ein weitgereister Theatermann; seine Mutter
Genovefa, geborene Brenner, eine Sängerin. Der junge Carl Maria wuchs zwischen Bühne,
Noten und Wanderkiste auf. Früh galt er als „Wunderkind“, das Klavier spielte,
komponierte, dirigierte, zeichnete und träumte – ein Künstler, der seiner Zeit weit voraus war.
Mit Opern wie „Der Freischütz“, „Euryanthe“ und „Oberon“ wurde er zum Schöpfer der
deutschen romantischen Oper. Seine Musik verband Volkston, Gefühl und dramatische
Präzision – ein Stil, der nachwirkend Mendelssohn, Marschner, Wagner und
Humperdinck beeinflusste.
Der Artikel erinnerte auch daran, dass Webers Urenkel Hans-Jürgen Freiherr von Weber
in Eutin anwesend war und an den Familiennachlass erinnerte – mit Autographen, Briefen
und Gemälden, die in den 1980er Jahren in die Sammlungen von Dresden und Berlin
gelangten.
„Vom Wunderkind zum gefeierten Kapellmeister, vom Idealisten zum Erschöpften –
Webers Lebenslauf ist der eines Romantikers, der die Musik über das Leben stellte.“

(Textrekonstruktion)

„Aufforderung zum Tanz“ als TV-Gala

Eutin, Februar 1986 –
Als Auftakt zum Weber-Jahr 1986 sendete der Norddeutsche Rundfunk am 8. Februar ein
buntes Programm unter dem Motto „Aufforderung zum Tanz“ direkt aus den Eutiner
Schlossterrassen.
Die Bühne verwandelte sich in ein farbenprächtiges Szenario, in dem Webers bekannteste
Opernfiguren – Agathe, Max, Rezia, Oberon – in heiteren Spielszenen aufeinandertrafen.
Mitwirkende waren unter anderem Heinz Kruse (Hamburgische Staatsoper), Katherine
Stone (Bremen), Karsten Küsters, Hedwig Florey, Rolf Nagel und Dagmar Berghoff. Die
Moderation übernahm Wolfgang Knauer, bekannt aus dem NDR-Satireformat „Reißwolf“.
Zum Tanz spielte anschließend die Eutiner Stadtmusik unter Leitung von Günter Fuhlisch.
Der Abend war nicht nur festlich, sondern auch wohltätig:
Der Reinerlös ging an zwei Eutiner Projekte – den Ankauf einer neuen Orgel für die St.-
Michaelis-Kirche und die Restaurierung des Weber-Denkmals im Weberhain.
Eintrittskarten kosteten 50 DM, erhielten aber den Charakter einer Spende – ein „persönlicher
Beitrag zum musikalischen Erbe“, wie es im Einladungsschreiben hieß.

Eine Schallplatte zum Weber-Jahr

Kaufmännische Vereinigung und Ostholsteiner Anzeiger produzieren Sonderedition

Eutin, Sommer 1986 –
Pünktlich zum Jubiläum erschien eine Langspielplatte mit Musik von Carl Maria von
Weber, produziert von der Kaufmännischen Vereinigung Eutin und dem Ostholsteiner
Anzeiger.
Bürgermeister Gernot Grimm und Bürgervorsteherin Anneli Voigt nahmen die erste Platte
symbolisch entgegen.
Die Aufnahme enthält:
• die Ouvertüren zu „Der Freischütz“ und „Oberon“,
• die „Aufforderung zum Tanz“,
• die Variationen über ein norwegisches Volkslied (op. 22),
• sowie das Trio g-Moll (op. 63).
Mitwirkende: Günter Göbel (Klavier), Wolfgang Dünschede (Flöte), Christoph Kapler
(Violoncello).
Die Plattenhülle gestaltete der Grafiker Helmut Kaun, inspiriert vom Eutiner Schlosspark
und den „Freischütz“-Szenen.
„Eine solche Privatinitiative ist lobenswert“, sagte Bürgermeister Grimm – und gab damit den
Ton des ganzen Jubiläumsjahres an: Bürger tragen Weber.