Weber & Eutin 1976

Weber & Voß Gedenkjahr

Weber & Voß Ersttagsbrief

Quelle: Stadtarchiv Eutin
Foto: Hans-Peter Förster

Presseausschnitte

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Quelle der Presseausschnitte:
Stadtarchiv Eutin

Kultureller Anziehungspunkt für Eutin

Eröffnung am 18. November 1976: Ein Weber-Museum wird an der Lübecker Straße
eingerichtet

Eutin. Die Kreisstadt Eutin wird um eine kulturelle Attraktion reicher: Zum 190. Geburtstag
Carl Maria von Webers am 18. November 1976 will die Weber-Gesellschaft im Gebäude
der Schleswig-Holsteinischen Landgesellschaft, Lübecker Straße 6, ein Weber-Museum
eröffnen.
Initiator ist der Buchhändler und Autor Hans Hoffmann, Vorsitzender der im Februar 1976
gegründeten Weber-Gesellschaft.
Ursprünglich war geplant, das Museum im Geburtshaus Webers, Lübecker Straße 48 –
heute Standort des „Weber-Cafés“ – einzurichten. Da die Räume dort jedoch zu klein waren,
wurde nun eine Lösung in unmittelbarer Nachbarschaft gefunden: Das neue Museum liegt nur
wenige Schritte entfernt, zwischen Geburtshaus und Kreismuseum.
Die Weber-Gesellschaft zählt bereits zahlreiche prominente Mitglieder, darunter den Wiener
Operndirektor Prof. Seefehlner, den Generalintendanten der Niedersächsischen Bühnen
Hannover, Prof. Roth, den stellvertretenden NDR-Intendanten Dietrich Schwarzkopf, den
Musikwissenschaftler Paul Kotzott (Hamburg), sowie die Verleger Dr. Robert Lienau
(Berlin) – Inhaber des Stammverlages der Weber-Werke – und Hans Schneider (Tutzing),
in dessen Antiquariat sich noch zahlreiche bibliographische Kostbarkeiten befinden. Auch der
CDU-Landtagsabgeordnete Fritz Latendorf (Malente) gehört der Gesellschaft an, deren
Jahresbeitrag 12 Mark beträgt.
Neben der Förderung des Weber’schen Werkes hat sich die Gesellschaft die Einrichtung eines
Museums ausdrücklich in ihre Satzung geschrieben. Damit entsteht in Webers Geburtsstadt
die einzige dauerhafte Gedenkstätte für den 1826 in London verstorbenen Komponisten
innerhalb der Bundesrepublik.
Sammlungen und Exponate
Aus dem Nachlass von Erika von Witzleben, Ururenkelin des Komponisten, stammen
zahlreiche Gegenstände, die sie dem Museum vermacht hat. Einige Stücke sind bereits in der
seit Monaten gut besuchten Weber-Ausstellung im Kreismuseum zu sehen.
Die Sammlung umfasst Erstausgaben der Opern Euryanthe, Der Freischütz und Oberon, die
1. Sinfonie, verschiedene Lieder, Autographe und Briefe von Webers Frau Caroline und
seines Sohnes Max Maria, sowie das Tagebuch der Enkelin Maria von Wildenbruch, die mit
dem Haus Hohenzollern verschwägert war.
Besondere Raritäten sind Notenblätter, die Weber für den preußischen Prinzen Louis
Ferdinand komponierte, sowie Stiche, Porträts und Handschriften.
Die Deutsche Staatsbibliothek in Ost-Berlin stellte Mikrofilme von Weber-Autographen
zur Verfügung, um Faksimiles herzustellen. Weitere Leihgaben aus der Bevölkerung sind
willkommen.
Langfristig soll das Museum über Mitgliederbeiträge, Spenden und Zuschüsse erweitert
werden.
Konzept
Besucher sollen die Werke Webers künftig nicht nur sehen, sondern auch hören können: Eine
Stereoanlage wird eingerichtet, um Musikbeispiele abzuspielen.
Mit der Eröffnung am 18. November 1976 – dem 190. Geburtstag Webers – erhält Eutin ein
neues kulturelles Zentrum. Die Eröffnungsansprache wird Oberstudienrat L. R. Geihardt
halten.
Hans Hoffmann selbst verlegt seine Buchhandlung in das Gebäude an der Lübecker Straße 6,
wodurch sich Museum und Geschäft zu einem kleinen kulturellen Zentrum verbinden.

Ein Weber-Museum entsteht

Die Eröffnung in Eutin soll noch zum 190. Geburtstag des Komponisten erfolgen

Eutin (cas). In der Kreisstadt Eutin entsteht die einzige Pflegestätte des Wirkens von Carl
Maria von Weber in der Bundesrepublik Deutschland. Noch zum 190. Geburtstag des
Komponisten am 18. November 1976 soll die im Vorjahr gegründete Weber-Gesellschaft
ein eigenes Weber-Museum eröffnen.
Initiator des Projekts ist der Eutiner Buchhändler Hans Hoffmann, der das Museum im
Gebäude der Schleswig-Holsteinischen Landgesellschaft an der Lübecker Straße
einrichten lässt.
Das Eutiner Weber-Museum soll eine umfangreiche Sammlung beherbergen – darunter
Handschriften, Erstdrucke von Weber-Werken, Kompositionsentwürfe, Buchausgaben,
Porträts und alte Stiche.
Besonders wertvoll sind Stücke aus dem Nachlass von Erika von Witzleben, einer
Ururenkelin des Komponisten, die im September 1976 im Alter von 75 Jahren verstarb. Sie
hinterließ dem Museum zahlreiche Erinnerungsstücke an ihren berühmten Vorfahren.
Die Weber-Gesellschaft, der inzwischen zahlreiche namhafte Persönlichkeiten aus dem Inund
Ausland angehören, erfüllt damit eines ihrer satzungsgemäßen Ziele: die Pflege und
Förderung des Weber’schen Vermächtnisses und die Schaffung einer dauerhaften
Heimstatt für seine Musik in der Bundesrepublik.
Zur Erweiterung der Sammlung bemüht sich die Gesellschaft um Kontakte nach Dresden und
London, zwei für Webers Leben besonders wichtige Städte, um dortige Quellen und
Dokumente einzubeziehen. Die Deutsche Staatsbibliothek in Ost-Berlin hat bereits
Mikrofilme mit Weber-Handschriften und Kompositionsentwürfen übersandt, die im
Kieler Weltwirtschaftsinstitut vergrößert und aufbereitet wurden.
Die Gesellschaft ruft auch Privatleute dazu auf, noch vorhandene Sammlungsstücke
beizusteuern. Mitglied kann jeder Interessierte mit einem Jahresbeitrag von zwölf Mark
werden.
Das Museum soll nicht nur Dokumente zeigen, sondern die Besucher auch musikalisch
ansprechen: Über eine Stereoanlage soll Musik des Komponisten erklingen.
Zur Eröffnung wird der Eutiner Oberstudienrat i. R. und Weber-Biograph Gerhard Kamin
die Ansprache halten.

Webers Geist ist gegenwärtig im Eutiner Weber-Museum

Am Sonnabend Gedenkfeier und Eröffnung

Eutin. Sein Geist ist so stark gegenwärtig, dass man sich kaum wundern würde, wenn er sich
plötzlich von einem alten Sekretär oder dem Biedermeiersofa unter dem Ölbild erhübe, durch
die Samtportiere träte und sich an den Flügel setzte:
Carl Maria von Weber hat, 150 Jahre nach seinem Tod, in seiner Geburtsstadt Eutin ein
Museum erhalten – eine Gedenkstätte, die man fast als seine „Wohnung“ bezeichnen könnte.
Bilder seiner Familie und Zeitgenossen hängen an den Wänden, mehrfach blickt sein eigenes
Porträt auf den Besucher herab. Dazu kommen Abbildungen der Stätten seines Wirkens. Der
nur 40-jährige Lebenslauf des Komponisten wird durch zahlreiche Druckschriften
dokumentiert.
Zu den wertvollen Autographen zählen drei Originalbriefe Webers sowie mehrere
Handschriften seiner Frau Caroline. Liebhaber dürften aber auch die Erstausgaben
schätzen, etwa die frühesten „Six petites pièces faciles“ (1801, Gombard, Augsburg) und die
Liedsammlung „Leyer und Schwert“ (1814/1816, Schlesinger, Berlin) nach Texten von
Theodor Körner, die Webers Ruhm als junger Komponist begründeten.
Die Weber-Gesellschaft hat sich um größtmögliche Vollständigkeit bemüht und die
wichtigsten Notenhandschriften in Faksimile anfertigen lassen.
Ein besonderer Platz im Museum ist Prof. Andreas Hofmeier gewidmet, dem Förderer der
Weber’schen Musik in Eutin. Sein Flügel steht nun in den Räumen, sein Porträt – gemalt von
Alexej von Assaulenko – hängt an der Wand.
Ein dritter Raum beherbergt umfangreiche Literatur über Carl Maria von Weber, darunter
Werke, die seine Beziehung zum Dichter Johann Heinrich Voß, dem anderen großen Sohn
der Stadt, beleuchten.
Das Eutiner Weber-Museum wird am Sonnabend, 27. November 1976, im Anschluss an
eine Gedenkfeier in der evangelischen Kirche eröffnet, die um 17 Uhr beginnt.
Der Weber-Biograph Gerhard Kamin hält die Ansprache; es musiziert das Eutiner
Barocktrio mit dem Opus 71 Nr. 1 von Franz Danzig.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Foto: Der Flügel von Prof. Hofmeier gehört nun zum Inventar des Weber-Museums. An der
Wand darüber: Bildnisse von Webers Eltern, seinem ersten Lehrer Abt Vogler, seinem
Förderer Graf Brühl, seiner Frau Caroline – und ihm selbst.

Stadt und Bürger sollten das Weber-Museum unterstützen

Eutin.
Die Würdigung Carl Maria von Webers anlässlich seines 190. Geburtstages und die
Eröffnung des ihm gewidmeten Museums im Haus der Schleswig-Holsteinischen
Landgesellschaft in der Lübecker Straße waren Anlass für eine Feierstunde im großen Saal
der evangelischen Kirche.
Überraschend viele Zuhörer waren zu diesem festlichen Ereignis gekommen. Der
musikalische Auftakt mit einem Trio von Franz Danzi leitete über zur Ansprache des Weber-
Biographen Gerhard Kamin.
Kamin nannte es „außerordentlich gefährlich, Weber nur auf den ›Freischütz‹ zu
reduzieren.“ Er zitierte den Komponisten selbst:
„Nie werde ich mich herabwürdigen, um bloßen Tagelohn zu schreiben. Stets werde ich auf
jede Kleinigkeit, die meinen Namen trägt, vollendete Sorgfalt und Fleiß verwenden.“
In seiner Rede zeichnete Kamin das Bild des jungen Weber – seine frühe Kindheit, die
unruhigen Wanderjahre mit dem ehrgeizigen Vater Franz Anton von Weber, und die
fruchtbare Begegnung mit Johann Heinrich Voß während des Eutiner Aufenthalts. Diese
Begegnung habe Weber zur Vertonung von Voß-Gedichten angeregt.
Kamin stellte heraus, dass Eutin einen besonderen Platz in Webers Lebensweg einnimmt –
nicht nur durch seine Geburt hier, sondern auch durch seinen Besuch im Herbst 1820, als er,
bereits berühmt, mit Begeisterung empfangen wurde.
Er erinnerte an ein Konzertprogramm, das Weber damals persönlich leitete, obwohl seine
Frau Caroline krank in Hamburg zurückgeblieben war. Die Eutiner hätten ihm mit großer
Herzlichkeit gedankt, und die mitwirkenden Musiker seien von weit her angereist, ohne
nennenswerte Gage zu verlangen.
Gerhard Kamin verwies auch auf die Bedeutung Eutins im Kreis anderer Musiker-
Gedenkstätten:
„Beethoven hat in Bonn, Mozart in Salzburg, Haydn in Eisenstadt ihre Erinnerungsorte – es
war längst überfällig, dass auch Eutin dem Sohn der Stadt eine dauerhafte Stätte widmet.“
Er betonte, dass Weber nicht nur der Schöpfer des Freischütz sei, sondern einer der größten
musikalischen Erneuerer seiner Zeit – ein Vorbild für Schumann und andere Romantiker.
Kamin schloss mit den Worten des damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel:
„Dankbar zu erinnern – das ist der Sinn solcher Stunden.“
Eutin, so Kamin, dürfe Weber mit Recht und Stolz als seinen Sohn bezeichnen; keine andere
Stadt in der Bundesrepublik sei ihm so verbunden und verpflichtet.
Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Eutiner Barock-Trio (Ingrid Brebeck –
Violine, Ingrid Galda – Flöte, Karl Kalliwoda – Violoncello), das das Trio op. 71 Nr. 1 von
Franz Danzi spielte – ein heiteres, technisch anspruchsvolles Werk, das die Virtuosität der
drei Musiker eindrucksvoll zeigte. Danzi, Freund Webers und im gleichen Jahr 1826
verstorben,