Weber & Eutin 1975
25 Jahre Oper im Schlosspark
Presseausschnitte
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Quelle der Presseausschnitte:
Stadtarchiv Eutin
Eine Weber-Gesellschaft für Eutin
Gründungsidee: Museum & Oper auch im Winter
Eutin, Sommer/Herbst 1975
Der Buchhändler Hans Hoffmann (Groos’ Buchhandlung) stößt eine „Carl-Maria-von-
Weber-Gesellschaft“ an. Ziel: ein Weber-Museum in Eutin und eine kontinuierliche
Pflege der Weber-Musik – nicht nur im Sommer. Langfristig denkt die Initiative sogar an
Opernaufführungen außerhalb der Festspiel-Saison, sofern ein geeigneter Theatersaal
(im Umfeld geplanter Kreishaus-Bauten) realisiert wird.
Für die Gründung holt Hoffmann namhafte Mitstreiter:
• Erika von Witzleben (geb. Weber), Ur-Ur-Enkelin des Komponisten (Hannover)
• den Musikwissenschaftler Paul Kotzott (Hamburg)
• den Eutiner Biographen Gerhard Kamin
• Kontakte u.a. zu Karl Vibach (Lübeck)
Ein Museum im Geburtshaus (Lübecker Straße 48) wäre ideal. Besitzer Karl-Heinz Schade
zeigt sich überrascht; eine Einigung zeichnet sich nicht ab. Hoffmann betont dennoch: schon
ein bis zwei Räume würden genügen – als Anziehungspunkt auch für den Fremdenverkehr.
Konzeptskizze:
Aus Familiennachlass (Erika von Witzleben), Eutiner Beständen und gezielten Ankäufen
(Antiquariate) soll eine repräsentative Sammlung entstehen: Erstdrucke, Briefe, Noten,
Bühnen- und Bildmaterial, ergänzt durch akustische Präsentation (Stereoanlage).
Einordnung
1975 bündelt sich bürgerliches Engagement, familiengeschichtliche Nähe und
wissenschaftliche Expertise zu einer institutionellen Weber-Pflege – ein Schritt von der
Festspiel-Tradition hin zu ganzjähriger Präsenz. Die Raumfrage wird zum Schlüssel.
*
1975 Text
und mehr
Empfehlungsschreiben nach Oldenburg
Hinrich Lichtenstein an Friedrich August Bach in Oldenburg
Berlin, Freitag, 21. Juli 1820
„Einen herzlichen Gruß schicke ich dir“
Kopie: Eutin (D), Ostholstein-Museum
Weitere Informationen:
Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A041571, abgerufen am 18.11.2025
Aus der Timeline / Sicherung
Am Dienstag, 11. September 1820, war Carl Maria von Weber auf der Reise von Dresden nach Kopenhagen in seiner Geburtsstadt Eutin eingetroffen. Unterwegs hatten in Hamburg und Lübeck seine Brüder Fridolin und Edmund, beide Kinder aus des Vaters erster Ehe, sich ihm, dem weitaus jüngeren Bruder, angeschlossen. Gleich nach der Ankunft waren sie durch die Straßen der kleinen Stadt gegangen und hatten Carl Marias Geburtshaus aufgesucht. Am andern Tage machten sie mit dem Stadtmusikus Carl Bernhard Fürstenau „durch die Wälder, durch die Auen“ eine Wagenfahrt um den Kellersee, und der Förster von Wüstenfelde am Ukleisee, Fürstenaus Schwager, lud sie zum Mittag ein. Weber erschrak fast, als der Förster durch das offene Fenster den Jägerburschen mit dem Namen „Max!“ zum Essen hereinrief. Noch mehr erstaunte er, als der Gerufene, die Büchse im Arm, hereintrat, ein stattlicher hochgewachsener Jüngling. Keiner hätte für Weber, der bei der Wahl seiner Spieler besonders auf Aussehen und Gestalt Wert legte, einen besseren „Max“ seiner „Freischütz“-Oper darstellen können als dieser Uklei-Jägerbursche.
Als man vorn Forsthaus schied, musste Carl Maria immer wieder zurückblicken nach dem Geweih am Giebel und dem „schlanken Burschen“ darunter, der ihm salutierend nachschaute. Wie durch einen Zauber schienen sie miteinander verbunden zu sein. Auf der Rückfahrt war Weber schweigsam; er wollte ungestört sein mit den unvergesslichen Bildern dieser romantischen Landschaft.
Der Morgen des 13. September war fast ganz mit der Konzertprobe ausgefüllt. Von weit her waren Musici gekommen, um unter des berühmten Komponisten Stab zu spielen und am Abend im Rathaussaal ein Konzert zu geben. Als Weber nach dem Mittagsmahl bei dem Regierungspräsidenten von Maltzahn, sich verabschiedete, hatte der Maler Wilhelm Tischbein, der mit ihm zu Tisch geladen war, an ihn ein besonderes Anliegen. Er bat Weber auch im Namen des Rektorsohnes Dr. Voß, bei dem der Komponist den Mittwochabend erlebt hatte, ihnen beiden, wenn es anginge, am Nachmittage eine Stunde der Gemeinschaft zu schenken.
Es war ein klarer, warmer Spätsommertag, als die Drei durch Tischbeins Hausgarten gingen und den Schlossgarten betraten. Vor dem bescheidenen Mansardenhaus, in dem sein Vater vor vierzig Jahren dem Hofe Konzerte und Singspiele geboten hatte, blieb Weber stehen. „ Wie eng“, sagte er, „wie eng das Haus! Und ringsher die weite, schöne, klingende Welt!“
Dann wählte man den Weg zum See, zu der Halbinsel, der jetzigen Stätte der „Sommerspiele“. Auf dem Pfad, der auf halber Hügelhöhe den Hang überquert, hemmte Weber den Schritt. Sinnend überschaute er die Landschaft. Zu seinen Füßen hinter schmalem Rethgürtel schimmerte der blaue See mit der lindenumstandenen Insel. Dort das breitgelagerte Backsteinschloss! Es überragte weit die noch jungen Alleebäume. Über ihm die untergehende Sonne, die den Rand einer weißen Wolke vergoldete. Stille ringsher, nur ein leises, spätes Zwitschern in Gezweig und Gebüsch. Lange schaute Weber in das Bild und sagte dann vor sich hin, doch so, dass seine etwas abseits stehenden Begleiter es vernehmen konnten:
„Leise, leise, fromme Weise. Hier müsste Agathe ihr Abendlied singen.“ Erst nach reichlich 130 Jahren wurde das Wirklichkeit.
Quelle: „Hier müssten Rosen stehen – !“ in Eutiner Sommerspiele, mit einem Beitrag: Aus der Geschichte der Landschaftsbühne, Bruno Schönfeldt, Alfred Burkhardt Verlag, Eutin, 1954