Weber & Eutin 1826

† 5. Juni 1826 – Oberons Horn ruft ...

Carl Maria von Weber in London

Quelle: Stadtarchiv Eutin
Foto: Hans-Peter Förster
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„Oberon“ ist die letzte Oper, die Weber komponiert hat (1826 in London uraufgeführt, selten aufgeführt – im Gegensatz zur Ouvertüre. Im Theater Lübeck z. B. zuletzt 1837 aufgeführt, bei den Eutiner Festspielen 1986 und 1987). Die ursprüngliche deutsche Übersetzung von Hell führte dazu, dass das Libretto häufig gekürzt oder Teile in Erzählform für Neuinszenierungen umgeschrieben wurden. Zum englischen Libretto von J. R. Planché zur Uraufführung in London: Mehrere Musikwissenschaftler ermuntern dazu, das Libretto neu zu übersetzen und die Oper ungekürzt  unter Einsatz heutiger Theater-Techniken zu inszenieren.

Letzter Brief … Carl Maria von Weber an Caroline von Weber in Dresden

London, 2. Juni 1826

Welche Freude geliebte Mukkin hat mir dein lieber Brief vom 23t May gemacht. welches Glük für mich Euch so Gesund zu wißen. Wie beneide ich Euch um euren Apetit. Hätte ich nur den 1000 Theil davon. aber leider bin ich noch sehr erregt und angegriffen. Guter Gott, nur erst im Wagen sizzen. Mein Concert* ist doch noch beßer ausgefallen als ich dachte, ich habe gegen 100 £ übrig, für Deutschland viel, für London nicht*. Wäre nur der Freyschütz künftigen Montag schon überstanden*. nun, Gott wird Kräfte schenken. Seit Gestern habe ich einen Hand großen Visikator* auf der Brust, daß soll die entsezliche Kurzathmigkeit bannen. Dein Benehmen Schleßinger gegenüber, ist tadellos. ich bitte Dr: Engelhard in meinem Auftrag in der Leipziger Zeitung zu erklären, daß jener unwürdige Artikel nicht von mir herrührt; — — Lebst ja recht in Sauß und Brauß, täglich Gäste!! nun das ist Recht, das höre ich lieber als wenns in die Apotheke ginge. Gott gebe daß ich recht helfen kann, wenn ich komme. den besten Willen dazu bringe ich mit. Da dieser Brief keine Antwort erhält, so wird er sehr kurz ausfallen. gelt, das ist bequem, nicht antworten zu dürfen? Fürstenau hat sein Concert aufgegeben*. vielleicht kommen wir da noch ein paar Taage früher fort. — Heisa! Gott segne Euch alle + + + und erhalte Euch gesund‡. wäre ich nur schon in E‡urer Mitte. — ich küße dich innigst meine geliebte Mukkin, behalte mich auch lieb, und denke heiter an deinen dich über alles liebenden Carl. Dem guten Roth drükke ich die Hand!


Quelle:

Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A042813 (Version 4.13.1 vom 12. Dezember 2025)
Abgerufen am 14.02.2026

Wenige Wochen nach der Oberon-Premiere vom 12. April 1826:

Webers Abreise sollte am 6. Juni morgens vor sich gehen. Am 4. Juni abends waren zum letzten Mal engste Freunde bei ihm. Weber zog seine Uhr auf: „Nun lasst mich schlafen“, waren seine letzten Worte.
Vielleicht ist er in der Nacht noch einmal aufgewacht. Vielleicht war ihm, als hätte ihn jemand gerufen. Ein Stimme, die er gut kannte, ein Ton, den er liebte: Oberons Horn.Vielleicht ist es so gewesen. Vielleicht.

Quelle: Carl Maria von Weber, Titel der Originalausgabe: „Oberons Horn“.
Karla Höcker, dtv, 1988