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Hinrich Lichtenstein an Friedrich August Bach in Oldenburg
Berlin, Freitag, 21. Juli 1820
Incipit: „Einen herzlichen Gruß schicke ich dir“
Zusammenfassung: Empfehlungsschreiben für Weber nach Oldenburg
Kennung: A041571 in Bearbeitung
Weiterere Informationen: Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition
https://weber-gesamtausgabe.de/A041571
11. September 1820
d: 11t an Lina geschrieben durch den Kutscher No. 1. |
um 8 Uhr mit Edmund und Fritz nach Eutin gefahren*. WMstr‡ |4 gr–
Fuhrlohn 12 M:‡ 12 S:‡ |4. rh6 gr–
Unterweges |8 gr–
Trinkgeld. ½ 2 Uhr |16 gr–
Mittag bei Ranniger. Barbier bei Fürstenau.‡ |3 gr–
Brief von Bouè erhalten. an Mukkin bei Fürstenau |
geschrieben No. 2. Porto |2 gr–
um 8 Uhr Probe im Rathhaus Saale von dem Chor*. |
Quelle:
Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A061399 (Version 4.13.1 vom 12. Dezember 2025)
12. September 1820
d: 12t Besuche gemacht. über Kremsmühl nach Silbek
zu Förster Schwager Fürstenaus gefahren. Mittag
da. dann spazieren um den See*. Tr:‡ 1. rh––
Abends bei Dr. Voss.
Quelle:
Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A061400 (Version 4.13.1 vom 12. Dezember 2025)
13. September 1820
d: 13t ConcertProbe. Mittag bey Präsident von Malzahn,
mit seinem Bruder dem General, und Tischbein. Abends
½ 8 Uhr Concert 7tesT TotalEinnahme. 68 rh: 12 gr Un-
kosten. 8 rh: 18 gr 6 pf komt also als reiner Gewinn
in Cassa. 59 rh: 17 g. 6 pf. an Mukkin geschrieben
durch Fritz. No. 3. um 1 Uhr reißten die Brüder ab*.
Medizin |14 gr–
Rechnung im Hause bei Ranniger. 29 M:‡ 8 Sch:‡ |9 rh:20 gr–
Trinkgelder |2. rh8 gr–
Quelle:
Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A061401 (Version 4.13.1 vom 12. Dezember 2025)
14. September 1820
d: 14t an Lina geschrieben No: 4. Abschiedsbesuche.
H: Haak der das Pf:‡ gab pp. Nachtische, nachdem
ich noch bei Voss gegeßen hatte, mit Herbarth, Fürstenau
und 2 Spechte* nach Ploen gefahren um 7 Uhr in
Stadt Hamburg angekommen. zu H. v. Fabrizius..‡
den Herzog da getroffen. der Kleine spielte Sonate
in As*. ich phantasierte etwas. Mlle: Nolte* aus
Hamburg da.
Quelle:
Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A061402 (Version 4.13.1 vom 12. Dezember 2025)
Links am 27.02.2026 abgerufen.
1820, 13. September, Eutin:
Beharrlichkeit führt zum Ziel
Quelle:
Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A041633 (Version 4.12.0 vom 8. April 2025)
d: 13t ConcertProbe. Mittag bey Präsident von Malzahn, mit seinem Bruder dem General, und Tischbein. Abends ½ 8 Uhr Concert 7tesT TotalEinnahme. 68 rh: 12 gr Unkosten. 8 rh: 18 gr 6 pf komt also als reiner Gewinn in Cassa. 59 rh: 17 g. 6 pf. an Mukkin geschrieben durch Fritz. No. 3. um 1 Uhr reißten die Brüder ab*. Medizin Rechnung im Hause bei Ranniger. 29 M:‡ 8 Sch:‡ Trinkgelder
Quelle: Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A061401 (Version 4.12.0 vom 8. April 2025)
Der zweite Besuch Webers in Eutin ist im September 1820. … Am 13. September 1820 traf er, von Lübeck kommend, in Eutin ein.
„Neugierig durchlief er die Straßen der kleinen Stadt in aller Frühe und besuchte sein niederes, aus Fachwerk ausgeführtes Geburtshaus.“
(M. M. v. Weber).
Quelle: Eutiner Sommerspiele 1953, Bruno Schönfeldt, Alfred Burkhardt Verlag, Eutin, 1953
Am Dienstag, 11. September 1820, war Carl Maria von Weber auf der Reise von Dresden nach Kopenhagen in seiner Geburtsstadt Eutin eingetroffen. … Gleich nach der Ankunft waren sie durch die Straßen der kleinen Stadt gegangen und hatten Carl Marias Geburtshaus aufgesucht. Am andern Tage machten sie mit dem Stadtmusikus Carl Bernhard Fürstenau „durch die Wälder, durch die Auen“ eine Wagenfahrt um den Kellersee, und der Förster von Wüstenfelde am Ukleisee, Fürstenaus Schwager, lud sie zum Mittag ein. …
Der Morgen des 13. September war fast ganz mit der Konzertprobe ausgefüllt. Von weit her waren Musici gekommen, um unter des berühmten Komponisten Stab zu spielen und am Abend im Rathaussaal ein Konzert zu geben.
Als Weber nach dem Mittagsmahl bei dem Regierungspräsidenten von Maltzahn, sich verabschiedete, hatte der Maler Wilhelm Tischbein, der mit ihm zu Tisch geladen war, an ihn ein besonderes Anliegen. Er bat Weber auch im Namen des Rektorsohnes Dr. Voß, bei dem der Komponist den Mittwochabend [Anm. 12. September 1820] erlebt hatte, ihnen beiden, wenn es anginge, am Nachmittage eine Stunde der Gemeinschaft zu schenken.
Es war ein klarer, warmer Spätsommertag, als die Drei durch Tischbeins Hausgarten gingen und den Schlossgarten betraten. … Dann wählte man den Weg zum See, zu der Halbinsel, der jetzigen Stätte der „Sommerspiele“. Auf dem Pfad, der auf halber Hügelhöhe den Hang überquert, hemmte Weber den Schritt. … Lange schaute Weber in das Bild und sagte dann vor sich hin, doch so, dass seine etwas abseits stehenden Begleiter es vernehmen konnten: „Leise, leise, fromme Weise. Hier müsste Agathe ihr Abendlied singen.“
Elfenchronik – Fundstücke, Erinnerungen und Nachklänge aus Webers Geburtsstadt
(Erfundene Dialoge in Anlehnung an Beiträgen in Spielzeitheften der Eutiner Sommerspiele)
Puck:
Majestät, sie erzählen gern, wie unser Meister im September 1820 zurückkehrte – fast wie ein Heimkehrer aus einem Märchen. Von Dresden nach Kopenhagen war er unterwegs, und in Hamburg und Lübeck hatten sich ihm seine Brüder Fridolin und Edmund angeschlossen. Gemeinsam gingen sie durch die Straßen der kleinen Stadt und suchten das Haus in der Lübecker Straße auf, in dem alles begonnen hatte. „Wie eng“, soll er gesagt haben, „wie eng das Haus – und ringsher die weite, schöne Welt.“ So klingt es schön, beinahe zu schön.
Oberon:
Er kam nicht als Märchenfigur, sondern als Reisender, mit Müdigkeit im Gepäck und mit Erinnerungen, die sich erst im Gehen formten. Manches, was wir heute als Wort überliefern, mag später geglättet worden sein. Ein Komponist sieht anders als ein Chronist; was er hört, verwandelt sich, was er sieht, wird Bühne.
Puck:
Am Ukleisee dann diese Szene, die man nicht müde wird zu erzählen: Ein Förster ruft durch das offene Fenster „Max!“, und herein tritt ein hochgewachsener Jägerbursche mit der Büchse im Arm – wie bestellt für den Freischütz. Keiner, so heißt es, hätte einen besseren Max abgeben können. Und unser Tonkünstler habe immer wieder zurückgeblickt auf das Geweih am Giebel und auf den schlanken Burschen darunter, als seien sie durch einen Zauber miteinander verbunden.
Oberon:
Vielleicht stand dort ein Jäger. Vielleicht fiel tatsächlich jener Name. Doch zwischen Wirklichkeit und Erinnerung liegt Zeit. Ein Blick wird im Nachhinein bedeutungsvoll, ein Zufall erhält Gestalt. Die Oper war längst geschrieben; der Held brauchte keinen leibhaftigen Zwilling mehr am Ukleisee. Doch die Landschaft bot Bilder, und Bilder suchen sich ihre Geschichten.
Puck:
Am nächsten Tag dann die Konzertprobe im Rathaussaal. Von weit her waren Musici gekommen, um unter seinem Stab zu spielen. Nach dem Mittagsmahl bat der Maler Tischbein ihn um eine Stunde gemeinsamer Muße. Sie gingen durch den Garten, traten in den Schlosspark hinaus und hinauf auf den Hang über dem See. Stille lag über dem Wasser, die Insel schimmerte zwischen Linden, das Schloss hob sich gegen den Abendhimmel, und über allem stand das goldene Licht der untergehenden Sonne.
Oberon:
Und hier fällt jener Satz, den man so gern zitiert:
„Leise, leise, fromme Weise. Hier müsste Agathe ihr Abendlied singen.“
Ein schöner Satz, gewiss, doch er klingt wie ein Echo aus der Partitur. Ob er genau so gesprochen wurde, wissen wir nicht. Vielleicht dachte er ihn nur, vielleicht formte ihn erst die spätere Erzählung. Musik entsteht selten in einem einzigen Augenblick; sie wächst, sie reist mit, sie lagert sich an Orte an, die ihr Resonanz geben.
Puck:
Man liebt es, Anfänge festzulegen: Hier sah er seinen Max, dort hörte er Agathe, hier entstand der Zauber des Freischütz. Und man stellt ihn gern auf jene Halbinsel, wo später die Sommerspiele begannen, als habe er schon vorausgeahnt, was erst nach Generationen Wirklichkeit wurde.
Oberon:
Doch er war Gast in seiner Geburtsstadt, nicht Prophet ihrer Zukunft. Eutin war an jenem Septembertag vielleicht einfach Landschaft, vielleicht Erinnerung, vielleicht nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Norden. Der Zauber liegt weniger in einer einzelnen Szene als im stillen Nachklang, den Orte bewahren, wenn Menschen ihnen im Rückblick Bedeutung schenken.