PETER SCHMOLL

und seine Nachbarn

PETER SCHMOLL

Libretto lesen & hören

Die Gesangstexte der Urfassung und die Ersteinspielung nach Bearbeitung von Willy Werner Götting aus dem Jahr 1963.
Die Tonaufnahmen wurden freundlicherweise von NAXOS für das Libretto zur Verfügung gestellt.

Aus dem CD-Booklet:

Die Originalpartitur zeigt „eine große dramatische Begabung,
und für einen fünfzehnjährigen Komponisten ist es ein
außergewöhnliches Werk … Peter Schmoll steht am Beginn
eines Weges, der schließlich zu Oberon und Der Freischütz führt.“

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    Peter Schmoll und seine Nachbarn

    Erschienen am 10. Nov. 1993
    Gerhard Markson, Philharmonisches Orchester Hagen
    Label: Marco Polo, Art. Nr.: 8.223592-93, EAN: 4891030235922

    *

    Die Originalpartitur zeigt „eine große dramatische Begabung, und für einen fünfzehnjährigen Komponisten ist es ein außergewöhnliches Werk …  Peter Schmoll steht am Beginn eines Weges, der schließlich zu Oberon und Der Freischütz führt.“

    *

    NAXOS

     

     

     

     

     

     

     

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Empfehlung: Zur Libretto-Ausgabe Peter Schmoll 2026 Tonaufnahmen hören und vergleichen.

  • Texte der Bearbeitung von Willy Werner Götting aus dem Jahr 1963 hören und  synchron dazu die Texte der Urfassung um 1801/02 von Joseph Türke im Libretto lesen.

  • Ersteinspielung mit Gerhard Markson und dem Philharmonischen Orchester Hagen vom 5. Februar 1993.
  • Zusammenspiel von Text und Musik: Hauptmerkmale des Weberschen Tonsprache sind darin zu erkennen

  • Ideales Arbeitsmittel für Studium, Dramaturgie und Inszenierungsvorbereitung

  • Peter Schmoll nicht nur lesen, sondern als Musiktheater erfahren

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♫ 1 Peter Schmoll, Minette, Hans Bast
„Das sind die schönen Früchte der Revolution“
Nr. 1 Introduktion – Terzett (Minette, Schmoll, Bast)
SCHMOLL:
Das sind die schönen Früchte
Der Revolution,
Das ist die Mordgeschichte
Der Frankennation.MINETTE:
Mein Vater, guten Morgen!SCHMOLL:
Da sitz‘ ich nun verborgenMINETTE:
Sag‘, wie befind‘st Du dich?SCHMOLL:
Kein Frank‘ verfolget mich;
Doch bin ich nicht zufrieden,
Weil mir die Freiheit fehlt;
Sie ist es, die hienieden.
Des Menschen Muth beseelt.MINETTE:
Des guten Vaters Sinne
Hat Kummer ganz verkehrt.
O Tochter! jetzt beginne,
Was Liebe nur begehrt.

HANS BAST:
Hier bin ich zu Befehle,
Mein werter Herr Patron.

SCHMOLL:
Nimm, dumme Stockfischseele,
Der Domestiken Lohn.

HANS BAST:
O Herr! Die Domestiken
Sind lange von uns fort.

SCHMOLL:
Sieh, Hornochs, die Rubriken
Steh‘n noch am alten Ort.
Ein Hauptbuch kann nicht lügen,
Das merk Dir, dummer Wicht!

Minette, HANS BAST:
Sein Kopf liegt ja in Zügen,
Ich glaub‘ es anders nicht.

Schmoll

Man sollt‘ es gar nicht glauben,
die Menschen sind so schlecht!
Sie stehlen und sie rauben –
dem Pack ist alles recht!

Bast
Sie stehlen und sie rauben – sie haben ja so recht!

Minelle
Warum denn immer klagen
an diesem schönen Ort …

Schmoll
Ich muss die Wahrheit sagen!

Bast
Ja, ich versteh kein Wort!

Minette
Es eilen die Gedanken
zu jener Zeit zurück.
Nur liebe schenkt das süße,
das wahre Glück!

Schmoll
Der Dieb ist ausgerissen,
das bare Geld ist fort!

Bast
Beruhigt Euch, Herr Schmoll!

Jetzt möchte ich nur wissen,
wie ich ihn trösten soll!

Minette
Es ist so schön zu hoffen,
die Sonne lacht so hell!
Es wird noch alles gut –
die Zeit vergeht so schnell!

Schmoll
Geglückt wär‘ es mir fast,
dass ich den Dieb gefasst!
Hält‘ ich ihn hier zur Stell‘ –
wie gerbt ich ihm das Fell!

Bast
Ihr jammert doch vergebens,
beruhigt euch, Herr Schmoll!

Schmoll
Du Hölle meines Lebens,
du machst mich noch ganz toll!

Bast
Ihr habt genug gerettet,
ich weiß es ganz genau!

Schmoll
Ich hab‘ genug gerettet?

Bast
Ich weiß es ganz genau!

Schmoll
Woher willst Du das wissen?
Du bist doch sonst nicht schlau!
Hör auf mit deinem Schwatzen,
weil ich nichts hören will!
Der Herr bin ich in meinem Hause!
Drum schweige endlich still!

Minelle
Solange sie sich streiten,
gibt keiner acht auf mich.
Ich denke, was ich will,
was ich will!

Schmoll

Der Herr bin ich im Hause,
drum schweige Du ietzt still!
So schweig doch endlich still,
schweige still, schweige still!

Bast

Der Herr seid Ihr im Hause,
drum schweige ich ietzt still!
Ich denke, was ich will.
Ich denke, was ich will!

♫ 1 Peter Schmoll, Minette, Hans Bast
„Das sind die schönen Früchte der Revolution“

SCHMOLL:
[unwillig die Feder wegwerfend]
Das sind die schönen Früchte
Der Revolution,
Das ist die Mordgeschichte
Der Frankennation.

MINETTE:
Mein Vater, guten Morgen!

SCHMOLL:
[ohne sie zu bemerken]
Da sitz‘ ich nun verborgen

MINETTE:
Sag‘, wie befind‘st Du dich?

SCHMOLL:
Kein Frank‘ verfolget mich;
Doch bin ich nicht zufrieden,
Weil mir die Freiheit fehlt;
Sie ist es, die hienieden.
Des Menschen Muth beseelt.

MINETTE:
[zu sich]
Des guten Vaters Sinne
Hat Kummer ganz verkehrt.
O Tochter! jetzt beginne,
Was Liebe nur begehrt.

HANS BAST:
[geht von den mittleren Treppenstufe aus
schnell hinauf in Turmzimmer]
Hier bin ich zu Befehle,
Mein werter Herr Patron.

SCHMOLL:
[deutet auf zwei Geldsäcke]
Nimm, dumme Stockfischseele,
Der Domestiken Lohn.

HANS BAST:
O Herr! Die Domestiken
Sind lange von uns fort.

SCHMOLL:
[schlägt das Hauptbuch auf, und stößt Hans Basts Nase darauf]
Sieh, Hornochs, die Rubriken
Steh‘n noch am alten Ort.
Ein Hauptbuch kann nicht lügen,
Das merk Dir, dummer Wicht!

Minette, HANS BAST:
[schüttelt den Kopf, Bast greift sich an die Stirn; beide leise]
Sein Kopf liegt ja in Zügen,
Ich glaub‘ es anders nicht.

 

 

 

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♫ 2 Terzett – Schmoll, Hans Bast, Minette
„Spiele, alter Esel, Du“

SCHMOLL:

Spiele, alter Esel, Du,
Immerhin die blinde Kuh;

HANS BAST:
Ja, wir spielen blinde Kuh;
Bindet mir die Augen zu.

MINETTE:
[verbindet Bast die Augen mit einem weißen Tuch]
Lass Dir das Gesicht verbinden;
O Du sollst uns schwerlich finden.

HANS BAST:
Wenn sie mich auch ganz verbinden,
Werde ich sie dennoch finden;
Drehet Euch nun dreimal stumm
Bis ich stampfe, rund herum.

Schmoll und Minette springen dreimal um Bast im Kreise herum. Bast stampft mit dem Fuß und fängt an im Zimmer zu suchen. Schmoll und Minette weichen ihm auf allen Seiten sorgfältig aus. Bast verfolgt insbesondere Schmoll, dieser entwischt ihm aber durch verschiedene komische Seitensprünge. Bast tappt immer im Zimmer herum und kommt
endlich zu einem an der Seite stehenden Kleiderständer,
auf welchem ein Kleid Minettes hängt, das er hastig erfasst.

HANS BAST:
Herr Patron, was gilt die Wette?
Dieses ist Mamsell Minette!

SCHMOLL, MINETTE:
Ei, Hans Bast, sei doch gescheit:
Es ist meiner Tochter Kleid.
Sieh doch! Es ist nur mein Kleid.

HANS BAST:
[nimmt das Tuch vom Gesicht]
Es ist leider nur ihr Kleid.

SCHMOLL, MINETTE:
[verbindet Bast nochmals die Augen, leise]
Ha! er findet ein Vergnügen
An dem Spaß, das freut mich sehr.
Unser Plan, er wird nun siegen,
Er hat keinen Kummer mehr.

HANS BAST:
Wenn ich sie nicht diesmal fange,
Schlag ich mir den Schädel ein.

SCHMOLL, MINETTE:
[leise]
Vor Dir ist uns gar nicht bange,
Denn Du müsstest klüger sein.

HANS BAST:
[sucht wieder im Zimmer herum, taumelt hastig hin und her und
fällt der Länge nach über einen Stuhl]
O Herr Jemine! Mir krachen
Alle Rippen in dem Leib‘.

SCHMOLL, MINETTE:
Aber, das ist doch zum Lachen,
Das ist wahrer Zeitvertreib.
Steh‘ doch fester auf den Füßen,
Ungeschickter Tölpel Du!
Sollte Dich der Fall verdrießen,
Geben wir Dir gerne Ruh.
HANS BAST:
Soll mich nicht der Fall verdrießen?
Herzlich gerne geb‘ ich Ruh!
Soll ich‘s Morgen wieder büßen,
Hol‘ die Pest die blinde Kuh!

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♫ 3 Ballade – Minette
„Im Rheinland eine Dirne war“
MINETTE:
[melancholisch, blickt sehnsüchtig bei Abenddämmerung aus dem Fenster
in die Ferne]
Im Rheinland eine Dirne war,
Recht lieblich, schön und rein,
Hellblau ihr Aug, kohlschwarz ihr Haar,
Das Antlitz zart und fein.
Ein Herzchen, wie gediegen, Gold,
Und warmes, junges Blut,
Agnese war der Menschheit hold,
Die Menschheit war ihr gut.
Ganz im Hintergrund der Bühne eine Felswand oder ein Busch.
Carl zieht eine Flöte hervor und accompagniert verborgen den Gesang.
Minette hört die Flötenklänge, empfindet dies einem Zauber gleich
und ist sichtbar erstaunt wie entzückt.

 

MINETTE:
Ihr Vater stracks ein Rittersmann
Nach alter deutscher tugendhafter Art –
Mit Mann‘skraft stattlich angetan,
Rau, wie sein ein Ross und Bart –
Versteckte einst in Tod‘sgefahr
Sein schmuckes, Töchterlein
Zum Dienste Gottes am Altar
Ins stille Klösterlein.
Schön Liebchen folgte wie ein Lamm
Mit tiefverschloss‘nem Mund
Voll herzertödtend bitterm Gram,
Die Äuglein rot und wund;
Doch seht, es fühlte selbst der Tod
Mitleid in ihrem Harm,
Und in der höchsten Herzensnot
Schloss er sie sanft in Arm.

Carl wiederholt die letzte Strophe der Ballade auf der Flöte.

„Bei Minettes Romanze wiederholt die Soloflöte ohne jegliche Begleitung die ganze Melodie nach dem Gesang noch einmal, ein noch nicht dagewesenes Verfahren.“
(Quelle: Berühmte Musiker, Heinrich Reimann).

♫ 4 Arie – Carl
„Der Wüstling verschwendet der Liebe Gefühl“
Vision
CARL:
Der Wüstling verschwendet
Der Liebe Gefühl,
und jammervoll endet
Das wonnige Spiel.
Zwar redlichen Herzen
Macht Liebe nur Schmerzen;
Doch führt sie die Trauten zum glücklichen Ziel.
Sie leitet die Großen
Zur rühmlichen Tat.
Es keimen auch Rosen
Auf dornichtem Pfad.
Heil allen Getreuen,
Die rein sich ihr weihen:
Sie ernten die Früchte der köstlichsten Saat.
D‘rum Mädchen der Liebe!
D‘rum kümmert Euch nicht,
Wenn selten durchs Trübe
Ein Sonnenstrahl bricht.
Die Schmerzen verfliegen,
Die Tränen versiegen,
Und hinter den Wolken strahlt heller das Licht.

♫ 5 Arie – Hans Bast
„Die Menschen sind schon so –“
HANS BAST:
Die Menschen sind schon so!
Stets furchtsam wie die Kinder,
Der mehr, der Eine minder,
Des Lebens selten froh.
Die Menschen sind schon so.
Die Menschen sind schon so!
Sie fürchten, was sie wollen:
Und was sie fürchten sollen,
Erfreut sie oft sehr hoh.
Die Menschen sind schon so.
Die Menschen sind schon so.
Sie gehen hin und wandern.
Und jeder zeigt dem Andern
Sich nur inkognito.
Die Menschen sind schon so.

♫ 6 Terzett – Minette, Hans Bast und Niklas
„Wenn er nur Ruh und Ordnung hält“
HANS BAST:
Wenn er nur Ruh und Ordnung hält,
So ist er schon ein Mann,
Der mir und meinem Herrn gefällt,
Und uns beschützen kann.

NIKLAS:
Ich schwöre Euch bei meiner Ehr:
Er ist gefällig, gut,
Ein wackrer Mann, wie keiner mehr,
Er hat Gefühl und Mut.

MINETTE:
Ha! dieses Lob entzückt mich sehr,
Erheitert meinen Muth,
O, wenn ich nur bei ihm bald wär!
Er ist so herzlich gut.

NIKLAS:
Er hat ein engelgutes Herz,
Und viel, recht viel Verstand,
Drückt Jemand Kummer oder Schmerz,
Gleich ist er bei der Hand.

HANS BAST:
So sind mit diesem braven Mann,
Der Alles hier vermag,
Ich und mein Herr recht gut daran,
Und frei von aller Plag.

MINETTE:
[zu sich]
Es ist mit diesem braven Mann,
Der Alles hier vermag,
Niemand so gut, als ich, daran,
Die an der Brust ihm lag.

NIKLAS:
Ihr seid mit diesem lieben Mann,
Der Alles hier vermag,
Gewiss am allerbesten dran,
Und frei von jeder Plag‘.

♫ 7 Arie – Hans Bast
„Hans Bast, gib Acht, Hans Bast!“
HANS BAST:
Hans Bast, gib Acht, Hans Bast!
Mit Nettchens neuem Gast
Ist‘s nun so eine Sache.
Trag‘ lieber deine Last,
Du ehrlicher Hans Bast!
Wie Du sie sonst getragen hast.
Schlaf nicht auf deiner Wache.
Bei Mädchen und beim Spiel
Gewinnt man selten viel,
Und muss oft Haare lassen,
Sei‘s wenig oder viel.
Läuft alles nach dem Ziel.
Nur Eins gewinnt das Spiel,
Klug ist‘s, stets aufzupassen.
Hans Bast, gib Acht, Hans Bast!
Wirfst Du ab deine Last,
Bekömmst Du eine frische.
Ja, ja! glaub‘ Du es fast,
Du ehrlicher Hans Bast
Mit Nettchens neuem Gast
Sind‘s wahrlich faule Fische.

♫ 8 Rezitativ mit Begleitung und Arie – Carl
„O Hoffnung, gütigste der Feen“

CARL:
O Hoffnung, gütigste der Feen!
Gieß Balsam in mein liebekrankes Herz,
Das ohne deinen Trost verschmachtet,
Und wie die Frühlingsrose welkt.

(Arie)
Schön bist du, Nettchen, wie die Sonne,
Aus deinem Auge strahlt die Wonne
Der ganzen Himmels-Seligkeit.
Ich liebe Dich mit dem reinstem Triebe,
O. Engel! fühle Gegenliebe,
Und weih mir deine Zärtlichkeit.
Die Liebe ist der Reiz des Lebens,
O Heißgeliebte! Nicht vergebens
Entflammet sie der Menschen Herz.
Sie schafft uns Freude und Vergnügen,
Und drängt mit zauberischen Zügen
Aus unserm Busen Gram und Schmerz.

♫ 9 Duett – Carl und Minette
„Dich an dies Herz zu drücken“

CARL:
Dich an dies Herz zu drücken
Ist wahre Götterlust.

MINETTE:
Mein Herz schlägt voll Entzücken
An Deiner trauten Brust.

BEIDE:
Der Liebe sanfte Wonne
Begeistert und entzückt,
So wie die goldne Sonne
Saat, Flur und Hain erquickt.

CARL:
Lass‘, Mädchen, dieses Leben
Uns nur der Liebe weihn!

MINETTE:
Mein einziges Bestreben
Soll Dich zu lieben sein.

CARL:
Und wenn auch herbes Leiden
Die Freude manchmal trübt, –

MINETTE:
So kann doch den nichts scheiden,
Der treu und zärtlich liebt.

 

BEIDE:
Du mächt‘ger Gott der Liebe!
O führ‘ uns Hand, in Hand,
Entflammt vom reinsten Triebe,
Am Rosen-Gängelband.

♫ 10 Duett – Minette und Hans Bast
„Der edle junge schöne Mann“
MINETTE:
Der edle, schöne, junge Mann
Hat ganz mein Herz entzückt,
Ich bin ihm innigst zugetan,
Er ist‘s, der mich beglückt.
Der reinsten Liebe Sympathie
Hat nun mein Herz besieget
Und meine trunkne Fantasie
In Schlummer eingewieget.
Hans Bast hört Minette und lauscht an der Tür,
ohne von Minette bemerkt zu werden.
HANS BAST:
[zu sich]
Ei, ei, der junge Reitersmann,
Den sie heut‘ hat erblicket.
Steckt schon ihr Herz mit Feuer an,
Hat ihr den Kopf verrücket.

MINETTE:
So sanft sein Herz, sein Blick so mild
Voll Zärtlichkeit und Leben,
Des teuren Lieblings Ebenbild
Wird ewig mich umschweben.
HANS BAST:
[zu sich]
Des teuren Lieblings holdes Bild?
Hans Bast, was wird das geben?
Jetzt sage mir es, wer da kann,
Dass ich es nicht erraten.
Ihr Herz ist durch den jungen Mann
In volle Flamm‘ geraten.
Und geht das Ding noch lang so fort,
So wird mir wirklich bange;
Denn die erstickt bei meinem Wort,
Vor lauter Liebesdrange.
Ihr Herz ist mit dem jungen Mann
Auf und davon geloffen.

MINETTE:
Sein wonnevoller Kuss durchglüht
Den Busen mit Entzücken,
Das Feuer reiner Liebe glüht
Aus seinen Zauberblicken.
Mein Herz, o Trauter! schlägt so warm,
Und überströmt vom Drange,
Geliebter, komm in meinen Arm,
Und weile nicht so lange!

♫ 11 Chor – Minette, Carl, Hans Bast
„Es ist das seligste Vergnügen“

MINETTE:
Es ist das seligste Vergnügen,
Wohltätig, gut und sanft zu sein,
Die Leidenschaften zu besiegen,
Der Menschenliebe sich zu weihn.

ALLE:
Wer edel denkt, noch edler handelt,
Die Menschen liebt, die Tugend ehrt,
Nicht schleicht, nicht kriecht, gerade wandelt,
Der Mann ist wahrlich Goldes wert

♫ 12 Arie – Minette
„Du fröhlicher Jüngling, mit Flaumen um‘s Kinn“

MINETTE:
[geht zu Carl, der noch immer auf dem Stuhl sitzt
und streichelt ihm über das Kinn]

Du fröhlicher Jüngling mit Flaumen um‘s Kinn,
und Glut in den wonnigen Blicken!
Wo ist Deine muntere Laune nun hin,
Was sticht Dich im Busen, was liegt Dir im Sinn?
Was mag Dir das Herzchen so drücken?
Hast Du vielleicht Jemand ein Unrecht getan,
Und kannst Dir die Schuld nicht vergeben?
Wie? Oder es nagte mit giftigem Zahn
Ein tückischer Wurm Dir das Herzchen schon an,
Fraß ab Dir Dein jugendlich Leben?
Lass fahren die Grille, bekämpfe den Schmerz,
Die Freude kehrt herrlicher wieder.
Ein ruhig Gewissen macht fröhlich das Herz,
Auf giftigem Grunde gedeihet kein Scherz,
Denn Tugend und Frohsinn sind Brüder.

♫ 13 Arie – Schmoll
„Ja! Gottes Erde ist doch schön!“

SCHMOLL:
Ja! Gottes Erde ist doch schön,
Die Saaten, Fluren, Felder,
Gebirge, Täler, Wälder,
Sind wunderlieblich anzusehn,
Ja Gottes Erde ist doch schön.
Sie bleibt stets ein Elysium;
Die Menschen mögen grollen
Darüber, wie sie wollen,
Und geht‘s darauf auch noch so krumm,
Sie bleibt stets ein Elysium.
Genuss der Schöpfung ist uns Pflicht,
Und wenn auch unsre Herzen
Des Schicksals Stürme schmerzen
So ist‘s nur Schatten in das Licht,
Genuss der Schöpfung ist uns Pflicht!

♫ 14 Terzett – Greis, Minette, Carl
„Empfanget hier des Vaters Segen“

GREIS:
[legt feierlich seine Hand auf Minettes Kopf,
und Minette kniet gerührt vor ihm nieder]

Empfanget hier des Vaters Segen
Aus einer welken Greises-Hand,
Er leite Euch auf Rosenwegen
Hinüber in der Wonne Land.

MINETTE:
O edler Greis, Dein Vater-Segen
Entströmt der hehren Allmacht Hand.

CARL:
Er schlingt auf diesen Dornen-Wegen
Um uns der Liebe himmlisch Band.

GREIS:
Kein Schlag, kein Sturm des Missgeschickes
Trüb‘ eures Lebens Sonnenschein;
Geschaukelt in dem Schoß des Glückes,
Sollt ihr unendlich glücklich sein.

MINETTE:
O Greis! die Urquell‘ unsers Glückes
Wird stets Dein Vatersegen sein.

CARL:
Entfernt vom Sturm des Missgeschickes
Wird unser Leben glücklich sein.

GREIS:
Der Menschen-Freundschaft edle Triebe,
Lohn‘ Euch der reichlichste Gewinn,
Nehmt zum Beweis der Gegenliebe,
Mein dankend Herz als Opfer hin.

CANON:
Selbst auf rauem Dornenpfade
Geht die Tugend rein in‘s Grab;
Denn unendlich ist die Gnade,
Die Gott ihren Freunden gab.

♫ 15 Arie – Greis
„Wie der bange Pilger zittert“
GREIS:
Wie der bange Pilger zittert,
Wenn im dichtverwachs‘nen Wald
Sturm aus hohlen Klüften wittert,
Und des Donners Brüllen hallt;
So voll Ahndung, so verlegen
Schlägt mit innerm Gram und Schmerz
Dem verlornen Sohn entgegen
Mein verwaistes Vaterherz.
Wie so bang die Brust mir bebet
Vom Gedanken, ihn zu seh‘n;
Ha! dann wär ich neu belebet,
Und erhört mein heißes Fleh‘n.

♫ 16 Arie – Hans Bast
„Ein Lügner ist ein großer Mann“
HANS BAST:
Ein Lügner ist ein großer Mann,
Wie die Erfahrung lehrt;
Weil er die Sachen lenken kann,
Wie es sein Wunsch begehrt.
Doch ist die Lüge gar so groß,
Dass man‘s mit Händen greift;
So ist die Peitsche oft sein Loos,
Die um den Rücken pfeift.
Die Lüge muss manierlich sein,
Und passen auf die Tat;
Nicht gar zu derb, nicht allzufein,
Wie oft im Zeitungsblatt.
Ihr guten Freunde, lügt ihr gern
Und macht oft blauen Dunst
So lügt doch wie gewisse Herrn!
Denn so ist‘s eine Kunst.

♫ 17 Quartett – Schmoll, Hans Bast, Carl, Minette
Fort! Fort! Von hier, er ist es nicht!
SCHMOLL:
Fort! fort! von hier, er ist es nicht,
Bei meinem Ehrenwort!

CARL:
Mein Herr!

SCHMOLL:
Er ist ein schlechter Wicht!
Gleich pack‘ er sich fort;
Wird er nicht gleich vom Schlosse gehn,
Lass ich die Hunde los.

HANS BAST:
Ei, Herr Patron! Sie missversteh‘n,
Es ist ein Irrtum bloß.

SCHMOLL:
Nein! Nein! Nein! Nein! Er ist es nicht,
Der junge schlanke Mann
Hat ganz ein freundlicheres Gesicht,
Und rote Kleider an.

CARL:
Ich weiß nicht, was ich denken soll!
SCHMOLL:
So jagt den Hund doch fort!

HANS BAST:
Ei, Herr Patron! Das ist zu toll!

MINETTE:
[heimlich, leise und bittend zum Oberbereiter]
Geh‘, meide diesen Ort!

♫ 18 Arie – Hans Bast
„Fürwahr ich bin ein kleines Tier“
HANS BAST:
Fürwahr, ich bin kein kleines Tier,
Der General im Haus;
Fällt ein fataler Casus für,
Ich fecht allein ihn aus.
Ich hab‘ Courage in dem Leib
Mehr als mein Herr Patron,
Und käm‘ der Satan und sein Weib,
So lief ich — – schnell davon.
Ich bin der Schlossvogt und der Herr,
Der Kellner und der Koch,
Minister, Rath und Sekretär,
Gott weiß, was alles noch.
Vor mir trägt alles hoch Respekt,
Ich handle, wie ich will,
Und ist mir wirklich was suspekt.
So bin ich – – mäusestill.
Ich stehe immer auf der Wacht
Und schütze unser Schloss,
Zu jeder Stunde Tag und Nacht,
Vor räuberischem Tross.
Und drohte uns der Feinde Schwarm
Mit aller Kriegesnot,
So macht‘es mir doch niemals warm
Denn ich wär – plötzlich tot.

♫ 19 Duett – Minette und Carl
„O großer Gott! Ich danke Dir für meines Vaters leben“

MINETTE:
O großer Gott! Ich danke dir
Für meines Vaters Leben.

CARL:
Der Himmel wird der Freuden dir
Unzählige noch geben.

MINETTE:
Wie hätte mich sein Tod gekränkt!
Mein Herz liebt ihn so warm.

CARL:
Das Schicksal guter Kinder lenkt
Ein unsichtbarer Arm.
MINETTE:
Hoch werden solche edle Triebe
Des alten Vaters Herz erfreun;

CARL:.
Auch ich, Du Teuerste! Ich liebe
Den guten Vater heiß und rein.

MINETTE:
Es sinkt uns freilich im Gedränge
Der schwersten Leiden oft der Mut,

CARL:
Des Schicksals unbelauschte Gänge
Sind zwar verworren, aber gut!
BEIDE:
Vertraut der Vorsicht! Erdenwonne
Ist nur ein flüchtig Spiel der Zeit;
Denn wirklich unter dieser Sonne
Reift keine wahre Seligkeit.

♫ 20 Finale – Minette, Carl, Schmoll, Greis, Hans Bast
„So hab ich nach schmerzlich vertrauerten Stunden“

CARL:
So hab ich nach schmerzlich vertrauerten Stunden,
O himmlische Wonne, entzückende Lust!
Doch endlich den zärtlichen Vater gefunden,
Hier liegt er an meiner hochschlagenden Brust.

SCHMOLL UND DER EREMIT :
[im höchsten Ausdruck der Überraschung und Freude,
zu dem Greis, der sich allmählich erholt]
Oberster Freund Helmers! So find‘ ich Dich wieder,
Du Edler, der immer mein Herz hat entzückt;
So sehen sich wieder die besten der Brüder,
O gütige Vorsicht, wie bin ich beglückt!

MINETTE:
O Freund meines Vaters! So find‘ ich Dich wieder,
Du Edler! der immer mein Herz hat entzückt,
So seh‘n sie sich wieder, die traulichen Brüder,
O gütige Vorsicht! Wie bin ich beglückt!

GREIS:
Ihr edelsten Freunde! Wir sehen uns wieder,
Verzeiht mir, das Maß meiner Freude ist voll;
Kommt an meinen Busen, singt dankbare Lieder,
Mein Liebling! Mein Saurin! Mein Nettchen! Mein Schmoll!

HANS BAST:
[kommt furchtsam dahergeschlichen]
Potz Donner und Hagel!
die soll ich ja kennen!
Freund Saurin und Helmers! Du himmlische Macht!
Ich möchte den Kopf an die Felsenwand rennen,
Wie hat Euch der Zufall zu uns hergebracht?

GREIS:
Du guter und treuer Hans Bast, lasse Dich küssen!
Willkommen mein Alter in friedlicher Ruh!
Küssen sich wechselweise.
SCHMOLL:
[zu Hans Bast]
Ich trete, so wahr der Herr lebt, Dich mit Füßen,
Wenn du nicht bald schweigst, du Plappermaul, du!

[zu allen Anwesenden]
Hier hat nach des Schicksals tiefblutenden Wunden,
Nach schrecklichen Stürmen im trauten Verein,
Das Kleeblatt der Freundschaft sich wieder gefunden,
Hier soll auch der Wohnplatz der Nachbarschaft sein.

[zu Carl]
Du liebst meine Tochter?

CARL:
Mit zärtlichster Liebe.

SCHMOLL:
[zu Minette]
Und Du fühlst für diesen?

MINETTE:
Die feurigsten Triebe.

SCHMOLL:
Nun wohl denn, so schlinge mit seligstem Triebe
Freund Hymen ein nimmer auflösliches Band,
Gewirket aus Einigkeit, Anmuth und Liebe
Durch Reihen von Jahren um eure Hand.
Es ströme der Allmacht beglückender Segen

GREIS:
[feierlich]
Auf Euch aus dem Füllhorn des Glückes herab
O wandelt in Wonne auf blumigen Wegen
Als Muster der kindlichen Liebe zum Grab.

MINETTE UND CARL:
Hier hat sich das Kleeblatt der Freundschaft gefunden,
Hier nenn‘ ich Dich Mein! Und Du nennst mich Dein!
Hier haben uns liebende Eltern verbunden,
Hier soll auch das frohe Verlobungsfest sein.

HANS BAST:
[zu Minette und Carl]
Jetzt muss ich zur Hochzeit recht schön gratulieren,
Und mache vom Herzen auch mein Kompliment.

[zu Carl allein]
Jetzt dürfens durch‘s vordre Tor herein spazieren,

[zu Schmoll]
Und unser Inkognito hat auch ein End‘.
Schluss-Chor – Alle
O traut auf die Vorsicht mit redlichem Herzen,
Verliert nie im Drange der Leiden den Mut;
Sie prüft oft der Sterblichen Zutrau‘n durch Schmerzen,
Die Wege des Schicksals sind dunkel, doch gut.