LÜBECKER STRASSE

Webers Geburtshaus in Eutin

Vor 240 Jahren begann hier Musikgeschichte …

Aus einem Brief von Ernst Ludwig Hellwag an Max Maria von Weber:
Die Kanzleiräthin Stricker wußte mir noch das Zimmer zu bezeichnen,
in welchem sie der Frau von Weber einen Wochenbesuch gemacht.
1872 habe ich das Zimmer selbst gesehen.
Vor dem Hause stehend befinden sich dessen Fenster
als die letzten beiden rechts
eine Treppe hoch liegenden an dem Hause.“ *)

 

 

Nach historischen Zeichnungen, Plänen, Möbeln sowie Portraits von Genovefa Weber frei KI-gestützt gestaltet.
*) Textquelle: Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition)

GETREIDEGASSE 9 IN SALZBURG
LÜBECKER STRASSE 48 IN EUTIN

Beide Adressen haben eines gemeinsam: Hier stehen die Geburtshäuser, in denen zwei Geschichten großer Musikkunst ihren Anfang nahmen. Während das Geburtshaus von Wolfgang Amadeus Mozart zu den meistbesuchten Museen der Welt zählt, führt das von Carl Maria von Weber (angeheirateter Vetter Mozarts) ein ganz anderes Dasein. Das Fachwerkhaus im Herzen Eutins ist kein Museum – und gerade darin liegt seine besondere Aura.

Das Carl Maria von Weber Café lädt dazu ein, Weber ganz nebenbei zu begegnen: Noten, Relikte, Exponate und seltene Erinnerungsstücke in liebevoll gestalteten Vitrinen, dazu Portraits an den Wänden.

An Sonntagen kann man mitten im Geburtshaus frühstücken oder bei Kaffee und Kuchen verweilen – und blickt dabei auf Spuren eines Lebens, das die Musikwelt veränderte. Ein Ort, der Geschichte atmet und doch von vielen noch unentdeckt. Vielleicht macht ihn gerade das so reizvoll …

Und wer länger bleiben mag, kann heute im selben Haus in einer Ferienwohnung im 1. Stock verweilen, in dem Carl Maria von Weber das Licht der Welt erblickte. So ist das Gebäude mehr als ein Ort des Erinnerns. Seit dem späten 19. Jahrhundert gehört auch das Bäckerhandwerk zu seiner Geschichte: Brot, Kuchen und Gebäck entstehen hier aus wenigen, ausgewählten Zutaten, in handwerklicher Arbeit.

Und draußen, auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, in dem Weber 1820 konzertierte, setzt sich diese Spur fort: Mittwochs und samstags finden sich dort auf dem Wochenmarkt die Backwaren des Weber-Cafés – ein leiser Gruß aus der Gegenwart an die Musikgeschichte des Ortes.

HAUS MIT GESCHICHTE

Das Haus in der Lübecker Straße 48 in Eutin wurde im Jahr 1745 vom Tischleramtsmeister Groenwoldt errichtet. Vier Jahrzehnte später, 1786, zog die Familie Weber als Mieter ein. Oben im ersten Stock dieses bürgerlichen Fachwerkhauses wurde Carl Maria von Weber am 18. oder 19. November 1786 geboren.

 

 

Nur ein halbes Jahr blieb der Knabe in seiner Geburtsstadt. Im Mai 1787 verließ die Familie Eutin – und mit gerade sechs Monaten begann für Carl Maria die erste von vielen Reisen. Doch Eutin blieb kein fernes Kapitel: Mit fünfzehn Jahren kehrte er 1802 zurück, und noch einmal, 1820, trat er hier auf – nun bereits als anerkannter Tonkünstler. Im Rathaus gab er ein Konzert. Um diese beiden Besuche ranken sich bis heute kleine Geschichten und Erinnerungen, die an anderer Stelle weiterzuerzählen sind.

Das Geburtshaus selbst wechselte im Laufe der Zeit mehrfach den Besitzer. Um 1825 erwarb die Kaufmannsfamilie Spielmann das Gebäude und ließ es baulich verändern. Weitere Umbauten folgten 1887, wie erhaltene Baupläne aus dem Stadtarchiv Eutin belegen. Die Fassade wandelte sich dabei nur wenig, doch der kleine Laden mit seinen Vitrinen und dem separaten Eingang – vermutlich auch zur Wohnung der Familie Weber auf der rechten Seite – verschwand im Laufe der Jahre.

Zum Gedenken des Komponisten wurde 1853 an der Fassade eine Gedenktafel enthüllt, gerahmt vom Wappen der Familie Weber. Sie machte das Haus erstmals öffentlich als Geburtsort Carl Maria von Webers kenntlich. Jahrzehnte später wurde diese Tafel erneuert: Die reichen Verzierungen wichen einer schlichten geometrischen Form – das Andenken blieb, das Bild änderte sich.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erwarb der Bäckermeister Schade das Gebäude und richtete darin seine Bäckerei ein. Über Generationen blieb das Haus im Besitz der Familie Schade. 1925 genehmigte die Regierung des Landes Lübeck bauliche Veränderungen unter den Auflagen des Denkmalschutzes. Aus dem Laden wurde 1930 eine Bäckerei.

1955 eröffnete Karl-Heinz Schade, ein Enkel des Erwerbers, zusätzlich zur Bäckerei erstmals das Weber Café. Damit erhielt das Geburtshaus eine neue, öffentliche Bestimmung: Es wurde zu einem öffentlichen Ort des Erinnerns.

2009 entstand die Idee, in dem Gebäude ein Weber-Museum einzurichten. Der Kulturausschuss der Stadt zeigte sich von diesem Vorhaben angetan, doch schon 2010 zerschlugen sich die Pläne. In den Lübecker Nachrichten hieß es: „Das meist fotografierte Haus in Eutin – Weber-Café droht das Aus.“ Nach 111 Jahren im Besitz der Familie Schade wurde das Haus schließlich zum Verkauf angeboten.

Im Jahr 2017 begann ein neues Kapitel. Marco Scharge und Anne Neumann übernahmen das Gebäude. Unter ihrer Hand erhielt das Weber-Café neuen Glanz und wurde erneut zu einem lebendigen Ort zwischen Alltag und musikalischer Erinnerungskultur. Edle Tapeten, Mobiliar im Stile des frühen 20. Jahrhunderts  – diese Räume laden ein, sich wohl zu fühlen. Liebevoll gestaltete Vitrinen zeigen Leihgaben, darunter historische Partituren und Texthefte. Portraits und Infotafeln schmücken die Wände, und selbst die Frühstücks- und Getränkekarten erzählen von der besonderen Geschichte dieses Hauses.

So spiegelt das Fachwerkgebäude bis heute mehr als zweieinhalb Jahrhunderte Stadt- und Kulturgeschichte: vom Handwerkerhaus des 18. Jahrhunderts in der kleinen Residenzstadt über Kaufmanns- und Bäckereibetrieb bis hin zum Café und Erinnerungsort an jenen Komponisten, dessen Lebensweg hier begann – und dessen Musik bis heute weit über die Festspielstadt Eutin hinaus in der Welt erklingt.

 

270 JAHRE UND MEHR

 

Die Chronik

  • 1745
    Tischleramtsmeister Groenwoldt erbaut das Haus.
  • 1786
    Familie Weber zieht als Mieter ein.
    Carl Maria von Weber wird hier am 18. oder 19. Noevember geboren.
  • um 1825
    Familie Spielmann erbt das Haus. Kaufmann Spielmann baut es um.
  • 1853
    Eine Gedenktafel mit Umrahmung des Familienwappens wird am Haus enthüllt.
  • 1887
    Baupläne belegen, dass Kaufmann Bielmann das Haus erneut umbaut.
    Im Haus nefand sich 1889 eine Gaststätte
  • 1898
    kauft Bäckermeister Fritz Schade das Haus. Er richtet dort seine Bäckerei ein.
  • 1925
    Die Regierung des Landes Lübeck erteilt Bäckermeister Schade eine Umbaugenehmigung unter Auflagen des Denkmalschutzes.
  • 1930
    Aus dem Laden wird eine Bäckerei.
  • 1936
    Tafel erneuert? (150. Geburtstag)
  • 1941
    Baugenehmigung wird an Karl Schade für Anbauten im Hof erteilt
  • 1955
    Enkel Karl-Heinz Schade eröffnet zusätzlich zur Bäckerei erstmals das Weber Café.
  • 2009
    Die Gründung eines Weber-Museums ist im Gespräch. Geprüft werden soll, ob das Weber Café dafür bereitgestellt werden könne.
    Der Kulturausschuss ist von der Idee begeistert.
  • 2010
    Die Pläne für ein Museum haben sich zerschlagen.
    Lübecker Nachrichten 26.11.2010: „Das meist fotografierte Haus in Eutin – Weber Café droht das Aus““
    Nach über einhundert Jahren im Besitz der Familie Schade wird das Haus über einen Makler zum Kauf angeboten.
    Der Eutiner Kulturausschuss will das Geburtshaus erhalten.
  • 2017
    „Neues Leben in Webers Geburtshaus“
    Marco Scharge und Anne Neumann sind die neuen Eigentümer. Das Weber Café erstrahlt in neuem Glanz.

RÜCKBLICK

Zeichnungen, Pläne, Briefe, Pressberichte aus dem Stadtarchiv Eutin.

ZUR RUNDFAHRT, STOP (9) …

 

EINBLICK

Ausstellung und mehr im Carl Maria von Weber Café

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ZUR WEBSITE WEBER CAFÉ …

 

EINBLICK: AUSTELLUNG WEBER CAFÉ

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