Weber & Eutin 2004

9. Eutiner Weber-Tage

Programmheft

Quelle: Stadtarchiv Eutin
Foto: Hans-Peter Förster
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Presseausschnitte

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Quelle der Presseausschnitte:
Stadtarchiv Eutin

Weber-Tage: So viele Konzerte wie noch nie

EUTIN (Bernd Schröder).
So umfangreich war das Programm noch nie:

Die 9. Eutiner Weber-Tage (25. August – 17. November 2004) bieten acht
Veranstaltungen an sieben Orten – von der Residenz Wilhelmshöhe über das
Jagdschlösschen am Ukleisee bis zum Ostholstein-Museum und erstmals auch im Malenter
Kursaal.
Schirmherrin ist Dr. Ute Schwab aus Gettorf, ehemalige Präsidentin der Internationalen
Weber-Gesellschaft.
„In diesem Jahr wird es so viele Konzerte wie nie geben“,
freute sich Schwab bei der Präsentation des Programms gemeinsam mit Anita Wagner von
der Betriebsgesellschaft Wilhelmshöhe.
Ein vielfältiges Programm
Den Auftakt am Mittwoch, 25. August, 18 Uhr, in der Residenz Wilhelmshöhe bildet das
Konzert
„Arien, Lieder und Duette“ – mit jungen Musizierenden des Hamburger
Konservatoriums.
Es folgen:
• 15. September, 17 Uhr
„Carl Maria von Weber und Weggefährten“ – Duo Sarasate, Hamburg
• 10. Oktober, 17 Uhr, Jagdschlösschen am Ukleisee
„Die Wiener Aufforderung zum Tanz“ – Wagners Salon-Ensemble
(erstmals auch ein Konzert in Bad Malente)
• 15. Oktober, 19.30 Uhr, Haus des Kurgastes Malente-Gremsmühlen
„Carl Maria von Weber und Dresden“ – Philharmonisches Kammerorchester Dresden
• 29. Oktober, 19 Uhr, Wilhelmshöhe
„Große Oper – ganz klein“ – Arrangements aus dem Freischütz für Violine und
Klavier
• 6. November, 20 Uhr, Ostholstein-Museum Eutin
„Weber und Mozart in Harmonie?“ – „Harmoniemusik“ mit dem Septett
Divertimento Hamburg
• 13. November, 19 Uhr, Herzogliches Palais Eutin
„Sauerhof 1823“ – Gedanken zur Begegnung von Weber und Beethoven
• 17. November, 19 Uhr, Wilhelmshöhe
„Hommage an Carl Maria von Weber“ – Klavierwerke von Haydn, Schumann,
Wagner u. a.
Karten und Informationen bei der Tourist-Info Eutin, Markt 19, Tel. 04521 / 709734.
Romantik in vielen Facetten
Die Dresdner Philharmonie präsentiert romantische Streicherserenaden von Leoš Janáček
und Antonín Dvořák (anlässlich seines 100. Todestages) sowie das Violinkonzert d-Moll
von Mendelssohn-Bartholdy.
Ein Konzert im Ostholstein-Museum lässt die im 19. Jahrhundert beliebte Tradition der
„Harmoniemusik“ wiederaufleben – kleine Bläserensembles, die Opernmelodien spielten,
wenn große Orchester zu teuer waren.
Im ehemaligen Herzoglichen Palais wird mit „Sauerhof 1823“ ein szenisch-musikalischer
Abend geboten, der Webers Begegnung mit Beethoven thematisiert.
Darüber hinaus soll ein privater Austausch mit Marktoberdorf im Allgäu, dem Geburtsort
von Webers Mutter, stattfinden, berichtete Per Köster (Eutin GmbH).
Musikalischer Reichtum und neue Kooperationen
„Statt Mozart und Gershwin bieten wir in unseren regelmäßigen Konzerten verstärkt Weber
an“, erklärte Veranstalterin Anita Wagner.
Erstmals werden auch Arrangements für kleinere Besetzungen vorgestellt, um Webers
Musik in kammermusikalischem Rahmen erlebbar zu machen.
Damit setzen die Veranstalter bewusst auf Vielfalt – von Nachwuchsförderung über
internationale Kooperationen bis zu ungewöhnlichen Aufführungsorten.
📸 Foto (Schröder):
Dr. Ute Schwab (links) und Anita Wagner (Wilhelmshöhe) blättern im frisch gedruckten
Programmheft der Weber-Tage 2004.

Weber-Tage gehen über Eutin hinaus

Ein hochklassiges Programm trägt bei den Eutiner Weber-Tagen 2004 dem vielfältigen
Werk des berühmten Komponisten aus Eutin Rechnung.

Von Harald Voß
EUTIN.
Das anhaltend große Interesse am Gesamtwerk des in Eutin geborenen Komponisten Carl
Maria von Weber (1786–1826) soll bei den Eutiner Weber-Tagen 2004 (25. August bis 17.
November) um einige neue Facetten erweitert werden.
Gemeinsam mit Per Köster, Geschäftsführer der Eutin GmbH, stellte Dr. Ute Schwab von
der Internationalen Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft das Programm der Öffentlichkeit
vor.

„Wir bieten so viele Konzerte wie noch nie“,

erklärte Schwab, die ehemalige Präsidentin der Weber-Gesellschaft.
Acht Veranstaltungen stehen auf dem Plan – drei davon im traditionsreichen Koppe-Saal der
Residenz Wilhelmshöhe.
Renommierte Künstlerinnen und Künstler gestalten das Programm, das zugleich einen neuen
Schwerpunkt setzt:
Die Jugend soll an Webers Werk herangeführt und für klassische Musik begeistert
werden.

Vielfalt statt Routine

Schwab erinnerte daran, dass zu Beginn der Reihe 1986 nur ein einziges Konzert
stattgefunden habe.
Heute wolle man die künstlerische Bandbreite Webers sichtbar machen – von Lied und
Kammermusik bis zu Oper und Harmoniemusik.
So steht etwa am 13. November im ehemaligen Witwenpalais ein literarisch-musikalischer
Abend auf dem Programm:
„Sauerhof 1823“ – Gedanken zur Begegnung von Carl Maria von Weber mit Ludwig van
Beethoven in Baden bei Wien.
Am 6. November präsentiert das Hamburger Septett „Divertimento“ im Ostholstein-
Museum unter dem Titel
„Mozart und Weber in Harmonie?“ klassische Harmoniemusik – jene elegante Gattung des
19. Jahrhunderts, in der berühmte Opernmelodien für kleine Bläserensembles arrangiert wurden.
Neue Horizonte – auch regional Erstmals gehen die Weber-Tage über Eutin hinaus:
Am 15. Oktober gastiert das Philharmonische Kammerorchester Dresden unter der
Leitung von Wolfgang Hentrich im Haus des Kurgastes in Bad Malente-Gremsmühlen.
Damit dokumentieren die Organisatoren den Anspruch, die Weber-Pflege in der gesamten
Region Ostholstein zu verankern.
Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz lobte die Initiative und das Engagement der
Residenz Wilhelmshöhe: „Die wachsende Zusammenarbeit in der Region ist ein kultureller Gewinn.“
Auch Per Köster unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung für den Kulturtourismus:
„Die Weber-Tage sind eine großartige Chance, neue Besucher für die Stadt zu gewinnen.“
Der kostenlose Programmflyer mit dem kompletten Konzertplan liegt nicht nur in Eutin,
sondern auch in den Bibliotheken von Kiel und Lübeck aus.

Eintrittskarten zu 10 Euro (ermäßigt 8 Euro) sind im Ticket-Shop der Eutin GmbH
erhältlich.

📸 Foto: Dr. Ute Schwab und Per Köster stellten das Programm der 9. Weber-Tage 2004 vor
– mit acht Konzerten, so vielen wie nie zuvor.

Aus Pucks und Oberons Feder

Zwischen dem roten Glanz des Hornklangs und den halsbrecherischen Kunststücken von Webers Concertino folgen Oberon und Puck der Spur eines Instruments, das mehr Farbe trägt, als Menschen ahnen. In der nahezu verborgenen Horn-Ausstellung im Schlosses Eutin entdecken sie jene Naturhörner, deren Seele Webers Musik einst entzündete – und die bis heute leise von dieser Magie erzählen.

Zwischen Mär und Musik: Weber, Voß und Eutin

Oberon:
Man erzählt sich in Eutin seit Generationen eine Begegnung: der junge Carl Maria von Weber und der Dichter Johann Heinrich Voß, ein Hauskonzert, eine Maultrommel, verletzter Künstlerstolz. Die Geschichte ist schön – und sie hat sich tief eingeprägt.

Puck:
Schön, ja. Wahr? Nicht ganz. Die Chroniken widersprechen ihr. Doch auch Märchen haben ihre Wahrheit – nur liegt sie manchmal nicht im Zeitpunkt, sondern in der Wirkung.

Erinnerungen an Eutin, 1802

🪶 Aus meiner Feder

(Erfundene Gedanken Carl Marioa von Webers)

Ich war fünfzehn Jahre alt, als ich in Salzburg meine komische Oper
„Peter Schmoll und seine Nachbarn“ vollendete.
Mein Vater, rastlos wie immer, hatte sogleich die nächste Etappe
unserer „musikalischen Reise“ im Sinn: Norddeutschland.
So zogen wir im Jahre 1802 gen Eutin,
an einem hellen Frühherbsttag,
der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Unerwartet traten wir in das Rektorhaus,
wo man sich des ehemaligen Stadtmusikus, meines Vaters,
noch lebhaft erinnerte.
Doch schien unser Besuch wenig willkommen,
denn Herr Voß und seine Frau Ernestine
waren ganz vom Umzug nach Jena eingenommen.
So fanden wir erst im Hause des musikliebenden Kanzleirats Stricker
eine herzliche Aufnahme.

Schon am zweiten Abend gab man ein Hauskonzert zu Ehren der Gäste.
Ich spielte meine Schmoll-Ouvertüre
und einige kleine Fughetten,
die ich als Knabe zu Papier gebracht hatte.
Man lobte mich sehr –
bis der achtjährige Sohn des Hauses
seine Maultrommel ergriff
und mit demselben Eifer spielte,
der mir doch allein vorbehalten schien.
Sein Spiel erregte lebhaften Beifall.
Ich weiß nicht, ob es Eifersucht oder Schmerz war –
doch empfand ich die Töne dieser Maultrommel
wie kleine Stiche ins Herz.

Frau Ernestine Voß, die mein Verstummen bemerkt hatte,
sprach mir freundlich zu
und lud uns für den nächsten Tag zum Mittagessen ein.
Noch vor Tagesanbruch fuhr uns der Hofprediger Uckert
nach dem Uklei.
Über Gremsmühlen hinweg sah ich die Sonne aufsteigen,
wie sie sich im stillen See brach –
und dieser Anblick,
das Schweigen der Wälder,
die atmende Landschaft,
machte mich still und andächtig zugleich.
Ich wusste nicht, ob ich Komponist oder Träumer war.

Nach dem Mahl im Rektorhaus
saßen wir im Garten am See,
auf dem „Agneswerder“.
Voß las einige seiner Gedichte vor –
darunter das heitere „Sagt mir an, was schmunzelt ihr?“
Ich bat ihn um Abschriften;
die Verse klangen in mir nach,
als ich am Abend allein durch den Schlossgarten ging.
Zu seinen Worten hörte ich eine Melodie,
so luftig und verspielt,
dass ich sie sogleich niederschrieb,
noch ganz erfüllt von jener stillen Freude,
die nur die Schöpfung kennt.

Später, beim Konzert im Hause Stricker,
spielte ich sie –
und sang dazu die Voß’schen Zeilen.
Das Lächeln der Gäste war mir Beifall genug.
Aber kaum verklangen die letzten Akkorde,
nahm der junge Stricker wieder seine Maultrommel zur Hand.
Er stellte sich neben mich,
als wolle er wetteifern.
Er spielte nun mit zwei Maultrommeln zugleich –
und das Publikum jubelte.
Sogar mein Vater nickte freundlich:
„Wie schön!“ sagte er.
Ich aber stand da, wie gelähmt,
als sei mir der Boden entzogen.

Was war dies für ein Tag!
Er begann im Zauber des Morgens,
und endete in einer bitteren Lektion.
Doch vielleicht war es eine heilsame.
Denn in jener Stunde lernte ich,
dass Beifall flüchtig ist –
und dass wahre Musik
nicht im Lärm der Hände,
sondern in der Bewegung der Seele lebt.

Carl Maria von Weber mit ca. 18 Jahren
(Quelle: Kupferstich von J. Neidl nach J. Lang, Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin)