Weber & Eutin 2010
15. Eutiner-Webertage
Presseausschnitte
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Quelle der Presseausschnitte:
Stadtarchiv Eutin
„Weber ist ein großes Pfund, mit dem Eutin wuchern kann“
Eutin.
Ob Ausstellung, Vortrag, Orchesterkonzert oder Jazz-„Freischütz“:
Die 15. Eutiner Weber-Tage bieten in diesem Jahr ein besonders buntes und
abwechslungsreiches Programm – es reicht vom 5. Juni bis zum 13. November.
Matthias Schiffer (Kulturbund Eutin),
Dr. Frank Baudach (Landesbibliothek Eutin),
Martin Karl-Wagner (Ausstellungsgestalter und Musiker)
und Per Köster (Geschäftsführer der Eutin GmbH)
haben sich erneut zusammengeschlossen, um Webers Geist in seiner Geburtsstadt lebendig zu
halten.
Bei der Programmvorstellung am Freitag erklärten sie unisono:
„Weber ist ein großes Pfund, mit dem Eutin wuchern kann.“
Bereits ab 5. Juni ist im Eutiner Schloss die Ausstellung
„Mich umgarnen finstere Mächte…“ zu sehen.
Sie zeigt Bilder, Zeichnungen und Bühnenentwürfe aus zwei Jahrhunderten –
von der Uraufführung des „Freischütz“ (1821) bis zu modernen Inszenierungen des 21.
Jahrhunderts.
Die Weber-Tage werden ergänzt durch Konzerte, Lesungen, Vorträge und sogar einen
Jazz-„Freischütz“, der das Werk des Komponisten mit neuen Klangfarben interpretiert.
Mit dieser Bandbreite wollen die Veranstalter zeigen,
dass Webers Musik und Themen zeitlos modern sind –
und dass Eutin als seine Geburtsstadt davon noch stärker profitieren kann.
„Die romantische deutsche Volksoper schlechthin“
Ausstellung im Eutiner Schloss beleuchtet Carl Maria von Webers „Freischütz“
Von Ulrike Benthien
EUTIN.
„Der Freischütz – gespielt auf nur einer Flöte oder einer Geige?“
Selbst erfahrene Opernfreunde staunen, wenn sie die historischen Notenblätter sehen, die ab
heute im Eutiner Schloss zu bestaunen sind. Sie gehören zu den außergewöhnlichen
Exponaten der neuen Ausstellung rund um Carl Maria von Webers berühmtestes Werk,
die ab sofort im Rahmen der 15. Eutiner Weber-Tage zu sehen ist.
Veranstalterin ist die Eutin GmbH, die mit dieser Schau sowohl den Sohn der Stadt ehrt als
auch das 60. Jubiläum der Eutiner Festspiele würdigt.
Vom Gendarmenmarkt bis zur Wolfsschlucht
Seit Januar hat der Musiker, Komponist und Ausstellungsgestalter Martin Karl-Wagner
Material gesammelt: aus dem Fundus der Eutiner Festspiele, aus Theaterarchiven im ganzen Bundesgebiet,
von privaten Leihgebern, dem Ostholstein-Museum und der Landesbibliothek Eutin.
Viele der gezeigten Objekte stammen aus seiner privaten Sammlung, die er augenzwinkernd
seine „Requisitenscheune“ nennt.
Unterstützt von seiner Frau Christin Möller sichtete Wagner unzählige Programmhefte,
Bühnenbilder, Kostümentwürfe und Notenausgaben zu Webers Oper – der „romantischen
deutschen Volksoper schlechthin“.
Nach der Uraufführung am 18. Juni 1821 im Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt
begann der Siegeszug des Werks:
„Der Freischütz wurde überall gespielt – in Leipzig, Lübeck, Wien, Prag, Kopenhagen,
Philadelphia, Moskau, ja sogar in Bordeaux“, erzählt Wagner.
„Hätte Weber damals ein Urheberrecht gehabt, er wäre ein reicher Mann geworden.“
Bilder, Bühnen und finstere Mächte
Zu sehen sind Originalzeichnungen, Reproduktionen und Requisiten aus 200 Jahren
Aufführungsgeschichte.
Ein Schwerpunkt liegt auf den legendären Inszenierungen, etwa:
• „The Black Rider“ (Hamburg 1990) von William S. Burroughs, Tom Waits und
Robert Wilson – als moderne Paraphrase auf Webers Stoff,
• historischen Kostümen und Vorderladern,
• Bühnenmodellen der Wolfsschlucht,
• einer eigens rekonstruierten Miniaturbühne im Stil des Urania-Papiertheaters, auf
der sich – nur fürs Foto! – Agathe, Ännchen und Samiel treffen dürfen.
„Die Ausstellung soll Appetit machen“
„Wir wollen keine trockene Werkschau zeigen“, sagt Wagner.
„Die Ausstellung soll Appetit auf Weber machen – neugierig darauf, sich selbst mit der
Musik, den Mythen und der Bildsprache zu beschäftigen.“
So entsteht in den Schlossräumen eine atmosphärische Zeitreise:
vom romantischen Wald voller „finsterer Mächte“ bis zu den grellen Bühnenlichtern der
Neuzeit.
Neben Noten und Bildern gibt es auch Hörstationen, die den Wandel der musikalischen
Interpretation verdeutlichen – vom zarten Kammermusik-Freischütz bis zu orchestralen
Festspielaufführungen.
Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig Webers „Freischütz“ im Laufe der Jahrhunderte
interpretiert wurde: zwischen Aberglaube und Aufklärung, deutscher Romantik und modernem
Theaterexperiment.
Eine Lanze für Weber brechen
Ausstellung zeigt den „Freischütz“ von der Uraufführung bis heute
Eutin (maz).
Als „klein, aber exquisit“ bezeichnete Dr. Juliane Moser, Geschäftsführerin der Stiftung
Schloss Eutin, die neue Ausstellung
„Mich umgarnen finstere Mächte – Webers Freischütz von der Uraufführung bis
heute“, die am Wochenende im Schloss eröffnet wurde.
Im stilvollen Ambiente der ehemaligen herzoglichen Räume können sich Besucher über die
vielfältige Wirkungsgeschichte von Carl Maria von Webers berühmtester Oper informieren.
Gezeigt werden Bilder, Zeichnungen und Entwürfe verschiedenster Inszenierungen – von der
Uraufführung 1821 in Berlin bis zu modernen Bearbeitungen für Puppen-, Marionetten- oder
Papiertheater.
Der Musiker und Ausstellungsgestalter Martin Karl-Wagner, Initiator und Kurator der
Schau, hat dafür Material aus Theatern, Archiven und Privatsammlungen
zusammengetragen.
„Es ist vielleicht, als würde man Eulen nach Athen tragen, wenn man in Eutin den Freischütz
erklärt“, sagte Wagner augenzwinkernd, „aber gerade hier gehört er doch hin.“
Weber nicht verstauben lassen
Per Köster, Geschäftsführer der Eutin GmbH, erinnerte in seiner Ansprache daran, dass
Weber in der öffentlichen Wahrnehmung heute nicht unbedingt „up to date“ sei:
„Da hilft auch der schöne Name seiner Epoche – die Romantik – nicht automatisch.
Deshalb wollen wir mit dieser Ausstellung eine Lanze für den Freischütz brechen.“
Die Schau greift zugleich das 60-jährige Jubiläum der Eutiner Festspiele auf.
Eine Ausstellung nur zur Geschichte der Festspiele sei zwar überlegt, aber verworfen worden:
„Man kann schließlich nicht alle fünf oder zehn Jahre eine Chronik zeigen“, so Köster.
„Aber Festspiele, Weber und sein Hauptwerk Freischütz – das ist eine Verbindung, die trägt.“
Lebendige Vielfalt
Musikalisch eröffnete die Geigerin Juliana Soproni die Vernissage mit Passagen aus dem
Freischütz.
Wagner selbst berichtete, wie er als Jugendlicher oft den Proben auf der Freilichtbühne
lauschte:
„Mich reizt der Freischütz – ich bin damit aufgewachsen.“
Die romantische Oper habe, so Wagner, zahllose Formen gefunden:
Sie wurde für Hausmusik, Puppentheater, Marionetten- und sogar Jazz-Bearbeitungen
adaptiert.
„Weber war das selbst gar nicht recht“, schmunzelt er,
„doch gerade diese Popularität hat das Werk am Leben erhalten.“
Auch Fragen nach modernen Interpretationen würden in der Ausstellung thematisiert:
Darf man den Freischütz modernisieren?
Wie viel Romantik verträgt das heutige Theater?
„Die Themen Webers sind übertragbar – seine Musik und seine Konflikte sind erstaunlich
aktuell“, betonte Wagner.
„Man muss nur ein bisschen tiefer schauen, um seine Vielschichtigkeit zu entdecken.“
Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist im Schloss Eutin bis 31. Oktober 2011 zu sehen.
Öffnungszeiten:
• bis 9. Juli und ab 30. August: Sa & So 11–13 Uhr und 14.30–15.30 Uhr
• zwischen 10. Juli und 29. August: täglich 11–13 Uhr und 14–17 Uhr
„Swing frei, Schütz!“ – Romantische Oper als Jazzversion
Eutin.
Wer endlich wissen will, was es mit den Freikugeln, dem Jungfernkranz, der merkwürdigen
Gesellenprüfung für Oberförster und dem Spektakel in der Wolfsschlucht auf sich hat, sollte
das Mittsommerkonzert des Kulturbundes am Sonnabend, 19. Juni, um 20 Uhr im
Jagdschlösschen am Ukleisee nicht verpassen.
Unter dem Titel „Swing frei, Schütz!“ erklingt Carl Maria von Webers „Freischütz“ in
einer ungewöhnlichen, swingenden Jazzfassung.
„Auf vielfachen Wunsch gastiert noch einmal das Harald-Rüschenbaum-Trio aus München
und Augsburg mit seiner legendären Swing-Version – am wohl passendsten Ort: im
Jagdschloss am Ukleisee“, kündigt Wolfgang Griep in einer Pressemitteilung an.
Vom Volkslied zur Jazz-Session
Webers romantische Oper, von der Ouvertüre bis zum Finale in Jazzrhythmen – geht das
überhaupt?
„Dass das nicht nur funktioniert, sondern sogar ein fulminanter Spaß ist, konnten sich die
Eutiner schon vor drei Jahren selbst überzeugen“, so Griep.
Die Idee entstand ursprünglich in Marktoberdorf, dem Geburtsort von Webers Mutter.
Dort traf eine Delegation aus Eutin auf das Harald-Rüschenbaum-Trio, das einige Weber-
Melodien als Medley improvisierte.
Spontan fragte Griep, ob sich die Musiker vorstellen könnten, den ganzen Freischütz als
Jazzsession neu zu arrangieren.
Sie konnten – aber nur, wenn ein Erzähler das Publikum durch die Oper führe.
Der Pianist Daniel Eberhard überarbeitete daraufhin die Partitur,
Wolfgang Griep schrieb einen augenzwinkernden Kommentartext,
und Schauspieler Christian Kaiser übernahm die Erzählerrolle.
Die Uraufführung in Marktoberdorf wurde ein Überraschungserfolg –
seitdem ist der swingende Freischütz vor allem in Süddeutschland ein Geheimtipp.
Ein Mittsommerabend voller Swing und Spuk
Am kommenden Sonnabend wird die Eutiner Fassung erneut erklingen.
Das Trio „swingt durch die Wälder und Auen“, folgt dem Jägerburschen Max in die
Wolfsschlucht,
schnipst mit dem Jungfernkranz – und lässt dabei den Geist der Romantik mitreißend lebendig
werden.
Christian Kaiser führt als Erzähler mit Witz und Ironie durch die Geschichte,
stellt „merkwürdige Tiere“ der Oper vor
und erklärt augenzwinkernd, warum der Freischütz eigentlich nie ganz „werkgetreu“
aufgeführt werden kann.
Aus Pucks und Oberons Feder
Zwischen dem roten Glanz des Hornklangs und den halsbrecherischen Kunststücken von Webers Concertino folgen Oberon und Puck der Spur eines Instruments, das mehr Farbe trägt, als Menschen ahnen. In der nahezu verborgenen Horn-Ausstellung im Schlosses Eutin entdecken sie jene Naturhörner, deren Seele Webers Musik einst entzündete – und die bis heute leise von dieser Magie erzählen.
Zwischen Mär und Musik: Weber, Voß und Eutin
Oberon:
Man erzählt sich in Eutin seit Generationen eine Begegnung: der junge Carl Maria von Weber und der Dichter Johann Heinrich Voß, ein Hauskonzert, eine Maultrommel, verletzter Künstlerstolz. Die Geschichte ist schön – und sie hat sich tief eingeprägt.
Puck:
Schön, ja. Wahr? Nicht ganz. Die Chroniken widersprechen ihr. Doch auch Märchen haben ihre Wahrheit – nur liegt sie manchmal nicht im Zeitpunkt, sondern in der Wirkung.

Erinnerungen an Eutin, 1802
Aus meiner Feder
(Erfundene Gedanken Carl Marioa von Webers)
Ich war fünfzehn Jahre alt, als ich in Salzburg meine komische Oper
„Peter Schmoll und seine Nachbarn“ vollendete.
Mein Vater, rastlos wie immer, hatte sogleich die nächste Etappe
unserer „musikalischen Reise“ im Sinn: Norddeutschland.
So zogen wir im Jahre 1802 gen Eutin,
an einem hellen Frühherbsttag,
der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.
Unerwartet traten wir in das Rektorhaus,
wo man sich des ehemaligen Stadtmusikus, meines Vaters,
noch lebhaft erinnerte.
Doch schien unser Besuch wenig willkommen,
denn Herr Voß und seine Frau Ernestine
waren ganz vom Umzug nach Jena eingenommen.
So fanden wir erst im Hause des musikliebenden Kanzleirats Stricker
eine herzliche Aufnahme.
Schon am zweiten Abend gab man ein Hauskonzert zu Ehren der Gäste.
Ich spielte meine Schmoll-Ouvertüre
und einige kleine Fughetten,
die ich als Knabe zu Papier gebracht hatte.
Man lobte mich sehr –
bis der achtjährige Sohn des Hauses
seine Maultrommel ergriff
und mit demselben Eifer spielte,
der mir doch allein vorbehalten schien.
Sein Spiel erregte lebhaften Beifall.
Ich weiß nicht, ob es Eifersucht oder Schmerz war –
doch empfand ich die Töne dieser Maultrommel
wie kleine Stiche ins Herz.
Frau Ernestine Voß, die mein Verstummen bemerkt hatte,
sprach mir freundlich zu
und lud uns für den nächsten Tag zum Mittagessen ein.
Noch vor Tagesanbruch fuhr uns der Hofprediger Uckert
nach dem Uklei.
Über Gremsmühlen hinweg sah ich die Sonne aufsteigen,
wie sie sich im stillen See brach –
und dieser Anblick,
das Schweigen der Wälder,
die atmende Landschaft,
machte mich still und andächtig zugleich.
Ich wusste nicht, ob ich Komponist oder Träumer war.
Nach dem Mahl im Rektorhaus
saßen wir im Garten am See,
auf dem „Agneswerder“.
Voß las einige seiner Gedichte vor –
darunter das heitere „Sagt mir an, was schmunzelt ihr?“
Ich bat ihn um Abschriften;
die Verse klangen in mir nach,
als ich am Abend allein durch den Schlossgarten ging.
Zu seinen Worten hörte ich eine Melodie,
so luftig und verspielt,
dass ich sie sogleich niederschrieb,
noch ganz erfüllt von jener stillen Freude,
die nur die Schöpfung kennt.
Später, beim Konzert im Hause Stricker,
spielte ich sie –
und sang dazu die Voß’schen Zeilen.
Das Lächeln der Gäste war mir Beifall genug.
Aber kaum verklangen die letzten Akkorde,
nahm der junge Stricker wieder seine Maultrommel zur Hand.
Er stellte sich neben mich,
als wolle er wetteifern.
Er spielte nun mit zwei Maultrommeln zugleich –
und das Publikum jubelte.
Sogar mein Vater nickte freundlich:
„Wie schön!“ sagte er.
Ich aber stand da, wie gelähmt,
als sei mir der Boden entzogen.
Was war dies für ein Tag!
Er begann im Zauber des Morgens,
und endete in einer bitteren Lektion.
Doch vielleicht war es eine heilsame.
Denn in jener Stunde lernte ich,
dass Beifall flüchtig ist –
und dass wahre Musik
nicht im Lärm der Hände,
sondern in der Bewegung der Seele lebt.

Carl Maria von Weber mit ca. 18 Jahren
(Quelle: Kupferstich von J. Neidl nach J. Lang, Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin)