Weber & Eutin 2011
16. Eutiner Weber-Tage
Presseausschnitte
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Quelle der Presseausschnitte:
Stadtarchiv Eutin
Ein Profi für die Weber-Tage
Martin Karl-Wagner hat acht Konzerte, zwei Vorträge sowie jeweils eine Oper und
Ausstellung zusammengestellt – Start am 5. Juni
EUTIN – Große Erleichterung herrscht bei der Stadt Eutin: Die Politik hat endlich Gelder für
einen hauptverantwortlichen Koordinator der Weber-Tage bewilligt. „Ich habe die Aufgabe
bisher gern gemacht, aber mir fehlte der fachliche Hintergrund“, sagte Annette Rudolph,
Mitarbeiterin des Fachdienstes Schule, Kultur und Städtepartnerschaften.
Neuer Frontmann ist der freiberufliche Musiker und Klassikkenner Martin Karl-Wagner,
der sich langfristig eine feste Struktur für die Weber-Tage wünscht. „Erhalten bleiben soll die
bunte Mischung, die junge Menschen ebenso anspricht wie Musikwissenschaftler“, betonte er.
Die Weber-Tage werden seit diesem Jahr mit einem jährlichen Zuschuss von 8.000 Euro
unterstützt. Für Diskussion sorgte im Vorfeld die spöttische Bemerkung des Stadtvertreters
Karlheinz Jepp, Weber habe „hier nur in die Windeln geschissen“. Karl-Wagner nahm die
Aussage gelassen – sie inspirierte ihn sogar zu der Idee, ein Programm über Musikerinnen
und ihre Mehrfachrollen als Mütter, Künstlerinnen und Lehrerinnen zu gestalten.
Das Programm 2011 umfasst acht Konzerte, zwei Vorträge sowie eine Oper und eine
Ausstellung an insgesamt sieben Veranstaltungsorten.
Zu den Höhepunkten zählt die Aufführung von Webers heiterem Singspiel „Abu Hassan“
am 16. September in der Aula der Carl-Maria-von-Weber-Schule. Studenten der Hochschule
für Musik und Theater Rostock haben die Oper für kleine Besetzung eingerichtet und führen
sie gemeinsam mit Schülern des Weber-Gymnasiums auf.
Der Auftakt der Weber-Tage erfolgt am 5. Juni – einen Tag nach der Einweihung der
restaurierten Orangerie im Schlossgarten – mit dem Konzert „Soirée de Salon“ des
Wagners Salonquartetts.
Drei Wochen später erklingen dort unter dem Titel „Die Musik der Eutiner Hofkapelle“
Sonaten, Ouvertüren und Tänze aus der Zeit von Vater Franz Anton von Weber, die aus
dem Notenarchiv der Eutiner Landesbibliothek stammen.
Im Jagdschlösschen Sielbeck steht am 24. Juli „Kammermusik der deutschen Romantik“ auf
dem Programm. Im Rittersaal des Schlosses gestaltet der argentinische Pianist Leopoldo
Lipstein im August einen besonderen Klavierabend.
Zwei Vorträge ergänzen die Konzertreihe:
• Prof. Joachim Veit (Detmold) fragt im Ostholstein-Museum, ob Weber ein
Romantiker oder Realist war.
• Dr. Matthias Viertel (Kiel) spricht am 24. August in der Landesbibliothek über
„Warum Webers Freischütz nach Eutin gehört“.
Das Schwerpunktthema des Jahres, „Türkei“ (angelehnt an das Schleswig-Holstein Musik
Festival), wird am 2. Juli im Dr.-Koppe-Saal der Residenz Wilhelmshöhe aufgegriffen.
Unter dem Titel „alla turca“ singt die renommierte Sopranistin Martina Doehring Arien aus
Opern wie „Abu Hassan“ und „Oberon“ von Weber sowie Werke von Mozart, Kunzen und
anderen europäischen Komponisten am Hof des Sultans Mahmud II.
Weitere Stationen sind die musikalisch-literarische Reise „Fahrt nach dem Ugley“ im
September, das Duo Bozza mit Flöte und Gitarre im Oktober sowie das abschließende
Orchesterkonzert der Kreismusikschule Ostholstein am 19. November, bei dem auch
Eigenarrangements der Schüler erklingen.
Im Ostholstein-Museum ist vom 27. Mai bis 14. August eine Ausstellung mit
Bühnenkostümen aus dem Fundus der Eutiner Festspiele zu sehen.
Zitat:
„Die bunte Mischung, die junge Menschen wie auch Musikwissenschaftler genießen können,
soll erhalten bleiben.“
— Martin Karl-Wagner, Koordinator der Weber-Tage
Foto: Annette Rudolph, Markus Föhrweißer, Dr. Julia Hümme, Martin Karl-Wagner und
Sabine Richter (Vitaparc AG) präsentieren das neue Programm der Weber-Tage. (Foto:
EMM)
16. Weber-Tage in Eutin: Favorit-Walzer und „Türkenoper“
Koordinator Martin Karl-Wagner fahndet in der Landesbibliothek nach musikalischen
Programmperlen
Von Ulrike Benthien
Eutin – Die Landesbibliothek am Schlossplatz ist eine wahre Fundgrube – auch für Martin
Karl-Wagner, Musiker, Musikveranstalter und in diesem Jahr erstmals von der Stadt
bezahlter Koordinator der Weber-Tage. Er stellt derzeit das Programm der 16. Weber-Tage
zusammen und stöbert dabei in Noten aus der Zeit vor rund 250 Jahren.
Rund 130 Notenblätter, Handschriften und Drucke aus jener Epoche besitzt die
Landesbibliothek – viele davon von bislang unbekannten Komponisten, die jedoch alle mit
der ehemaligen Eutiner Hofkapelle in Verbindung standen. „Geschenkt, gekauft – vorwiegend
aber stammen sie aus der alten fürstlichen Bibliothek“, erklärt die wissenschaftliche
Mitarbeiterin Dr. Susanne Luber. Leider sei die Sammlung bislang noch nicht fachgerecht
katalogisiert.
Trotzdem ist Karl-Wagner fündig geworden. Begeistert zeigte er sich über eine Sonate, die
Herzog Peter Friedrich Wilhelm (1784–1823) gewidmet ist, sowie über Notenblätter eines
M. P. Große, der einst für Franz Anton Webers Theaterensemble eine Tanzpantomime
schrieb. Beide Werke sollen in das Auftaktkonzert der 16. Weber-Tage am 5. Juni in der
Orangerie eingehen – ein Konzert, das „Weber und seine Zeit im Salon“ beleuchten soll.
Karl-Wagner möchte dabei besonders die unterhaltsame Seite Webers hervorheben – etwa mit
den „Favorit-Walzern“, die der Komponist einst für die französische Kaiserin Marie Louise
schrieb.
Ende Juni folgt in der Orangerie ein weiteres Konzert: Das Trio Brioso (Flöte, Fagott,
Cembalo) musiziert gemeinsam mit einem Quartett um Juliana Soproni (zwei Violinen,
Bratsche, Cello) – in jener Besetzung, die einst die Alte Eutiner Hofkapelle ausmachte.
Neben dem Salon Quartett und der Kreismusikschule beteiligen sich weitere Musiker an der
Reihe. Außerdem ist Ende August ein Klavierabend im Schloss mit dem Argentinier
Leopoldo Lipstein geplant, der bereits mehrfach beim Eutiner Konzertsommer zu Gast war
und Werke der deutschen Romantik spielen wird. „Er freut sich schon auf den Steinway-
Flügel im Rittersaal“, sagt Karl-Wagner.
Als musikalischen Höhepunkt der 16. Weber-Tage kündigt der Koordinator die Aufführung
des Einakters Abu Hassan an – Webers heiterer „Türkenoper“. Das Werk soll in kleiner
Kammermusikbesetzung mit Sprecher und Kinderchor dargeboten werden. Karl-Wagner
hofft, dafür die Pianistin Lea Rink von der Hochschule für Musik und Theater Rostock zu
gewinnen. „Diese Einakter, die rund eine Stunde ohne Pause dauern, waren bei Hofe eine
beliebte Unterhaltungsform“, erklärt er. „Sie sollten kein abendfüllendes Werk sein, sondern
als kurzweiliges Intermezzo – mal heiter, mal dramatisch – das Publikum erfreuen.“
Das detaillierte Programm der 16. Weber-Tage soll Anfang Mai vorgestellt werden.
Ein „vorbelastetes“ Elternhaus:
Carl Maria von Weber wurde am 18. oder 19. November 1786 in Eutin geboren (urkundlich
belegt ist nur das Taufdatum, 20. November). Der Komponist, Dirigent, Pianist und
Schriftsteller starb am 5. Juni 1826 in London.
Webers Vater Franz Anton von Weber war lange Zeit Eutiner Hofkapellmeister und
Stadtmusiker, später gründete er eine Schauspieltruppe und wurde reisender Theaterdirektor.
Webers Mutter Genovefa Weber, geborene Brenner, war Opernsängerin und Schauspielerin.
Die bekannteste Oper des Komponisten, Der Freischütz, entstand zwischen 1817 und 1820 in
Dresden und wurde am 18. Juni 1821 unter Webers Leitung im Berliner Schauspielhaus
uraufgeführt. Weitere Opern sind Oberon und Abu Hassan, daneben schrieb Weber zahlreiche
Lieder, Messen, Konzerte sowie Kammer- und Klaviermusik.
Seit 1951 finden in Eutin alljährlich Festspiele zu seinem Gedenken statt.
Weber und seine Zeit in Musik und Vorträgen
16. Weber-Tage warten wieder mit abwechslungsreichem Programm auf
Eutin (maz) – Die diesjährigen Weber-Tage, die am 5. Juni, dem Todestag von Carl Maria
von Weber, beginnen, bieten ein abwechslungsreiches Programm. Neben Musik werden auch
Vorträge und eine Ausstellung geboten. Dabei soll nicht nur Webers Werk selbst im
Mittelpunkt stehen, sondern auch die Zeit, in der der Komponist lebte.
Die Bedeutung Webers für Eutin ist bis heute viel diskutiert. „Viel bedeutender ist sein Vater,
der fast zehn Jahre in Eutin gelebt hat. Daher geht es bei den Weber-Tagen auch um die
Musik jener Zeit, die Weber mitgeprägt hat“, betonte Martin Karl-Wagner, bei dem als
neuer „Weber-Tage-Koordinator“ alle Fäden zusammenlaufen.
Erstmals hat die Stadt Eutin finanzielle Mittel für diese Koordinierung bereitgestellt. Darüber
zeigte sich auch Annette Rudolph, Mitarbeiterin des Fachdienstes Schule, Kultur und
Städtepartnerschaften, erfreut: „Das kann nur ein Gewinn für Eutin sein.“
Eröffnet werden die 16. Weber-Tage am Sonntag, 5. Juni, in der Orangerie im Schlossgarten
mit einem Konzert des Wagner-Salonquartetts, das romantische Musik der Biedermeierzeit
präsentiert.
In diesem Jahr werden zwei Vorträge angeboten:
Am Ende Juni wird Prof. Dr. Joachim Veit die Frage erörtern, ob Weber tatsächlich ein
Romantiker war oder nicht eher ein Realist.
Am 24. August folgt der Vortrag Warum Webers Freischütz nach Eutin gehört, der den
Spuren des Komponisten in seiner Geburtsstadt nachgeht.
Im September erwartet die Besucher eine literarisch-musikalische Veranstaltung mit
historischen Reiseberichten, kombiniert mit „reisetauglicher Musik“. „Es sind charmante
Berichte aus Webers Zeit; unter anderem lesen wir auch aus seinen Tagebüchern“, erläuterte
Karl-Wagner.
Begleitet werden die Weber-Tage von einer Ausstellung im Ostholstein-Museum: Kostüme
aus 60 Jahren Eutiner Festspiele. Diese bietet vom 27. Mai bis 14. August Einblicke in den
Fundus der Freilichtoper.
Weitere Veranstaltungsorte sind die Kreismusikschule Ostholstein, die Carl-Maria-von-
Weber-Schule und die Vitaparc AG.
In der Weber-Schule steht am 16. September ein besonderer Programmpunkt an: Angelehnt
an das Schleswig-Holstein Musikfestival, dessen thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr
die Türkei ist, wird Webers Singspiel Abu Hassan auf die Bühne gebracht.
Auch in diesem Jahr soll, so die Veranstalter, der Charakter der Reihe erhalten bleiben. „Die
Vielfalt ist uns wichtig“, betont Karl-Wagner. „Wir wollen keinen Schwerpunkt auf einen
einzigen Ort legen, sondern die ganze Stadt mit einbeziehen. Es soll nicht irgendwann nur
fünf professionelle Konzerte geben, sondern weiterhin eine bunte Mischung aus
Musikschülern und professionellen Musikern.“
Der Programmflyer liegt an bekannten Orten aus und kann auch über die Internetseite der
Stadt Eutin eingesehen oder heruntergeladen werden.
Auf dem Foto: Annette Rudolph, Markus Föhrweißer (Leiter der Kreismusikschule
Ostholstein), Dr. Julia Hümme (Leiterin des Ostholstein-Museums), Martin Karl-Wagner und
Sabine Richter (Vitaparc AG).
Von Webers Einfluss auf Eutin
Die 16. Weber-Tage beleuchten Werke und Zeit der Musikerfamilie
Eutin – „Es ist schön, dass die Politik Mittel für die Weber-Tage bewilligt hat. Dafür haben
wir über zwei Jahre gekämpft“, sagte Annette Rudolph, Fachdienstleiterin für Schule und
Kultur, im Ostholstein-Museum. Dort stellte Martin Karl-Wagner, Koordinator der Weber-
Tage, das Programm der 16. Auflage vor.
Karl-Wagner ist inzwischen offiziell von der Stadt eingesetzt und erhält mit 8.000 Euro
jährlich erstmals eine Aufwandsentschädigung für seine bisher ehrenamtliche Arbeit.
„Es ist reizvoll: Unterschiedliche Veranstalter aus unterschiedlichen Bereichen nehmen sich
verschiedener Themen an“, fasste Karl-Wagner das Konzept zusammen.
Neben ihm als Musiker und Organisator beteiligen sich: das Ostholstein-Museum, der
Heimatverband Eutin, die Eutiner Landesbibliothek samt Freundeskreis, die Vitaparc AG, die
Tourist-Info Eutin und die Kreismusikschule Ostholstein.
Die Reihe beleuchtet in diesem Jahr nicht nur den Komponisten Carl Maria von Weber,
sondern auch die musikalische Tradition seiner Familie.
„Webers Vater war für die Prägung Eutins viel bedeutender als sein Sohn“, so Karl-Wagner.
Kapellmeister Franz Anton von Weber lebte rund zehn Jahre in Eutin und leitete dort die
Hofkapelle. Deren Musik, wie sie einst am fürstlichen Hof und in der Orangerie erklang, steht
am 26. Juni im Mittelpunkt eines historischen Konzerts.
Der berühmte Sohn – Komponist, Pianist und Dirigent – kam im Erwachsenenalter nur
zweimal kurz nach Eutin. Doch seine Geburt (am 18. oder 19. November 1786) und Taufe
(am 20. November) verbinden die Stadt bis heute mit seinem Namen.
Für Gesprächsstoff sorgte einst eine saloppe Bemerkung im Kulturausschuss: Ein
Stadtvertreter hatte geäußert, Weber habe „hier doch nur in die Windeln geschissen“. Karl-
Wagner nahm es mit Humor: „Wer mich kennt, weiß, dass ich skurrile Dinge gern aufgreife –
ich könnte mir diesen Satz sogar als Titel für ein Programm vorstellen, etwa über Frauen, die
im 18. Jahrhundert Kindererziehung, Haushalt und Gesangskarriere miteinander verbanden.“
Faltblätter mit dem kompletten Programm liegen in der Tourist-Info Eutin (Tel. 04521-
709734) aus, wo auch Karten für alle Veranstaltungen erhältlich sind (Preise zwischen 4 und
15 Euro zzgl. VVK).
Das Programm ist außerdem online unter www.eutin.de abrufbar.
Programmübersicht der 16. Weber-Tage:
• 5. Juni, 18 Uhr, Orangerie: Soirée de Salon mit Wagners Salonquartett
• 26. Juni, 18 Uhr, Orangerie: Die Musik der Eutiner Hofkapelle (Martin Karl-Wagner
und Ensemble)
• 28. Juni, 19.30 Uhr, Ostholstein-Museum: Vortrag Romantiker oder Realist (Prof.
Dr. Joachim Veit)
• 2. Juli, 17 Uhr, Wilhelmshöhe: Alla turca – Türkenopern und andere Exotica (Trio
Brioso und Martina Doehring)
• 24. Juli, 20 Uhr, Jagdschlösschen Kellersee: Kammermusik der deutschen Romantik
• 24. August, 19.30 Uhr, Landesbibliothek: Warum Webers Freischütz nach Eutin
gehört (Dr. Matthias Viertel)
• 28. August, 18 Uhr, Schloss Eutin: Klavierabend mit Leopoldo Lipstein
• 3. September, 20 Uhr, Orangerie: Fahrt nach dem Ugley – musikalische und
literarische Reiseimpressionen
• 16. September, 19 Uhr, Weber-Gymnasium: Abu Hassan (Singspiel)
• 29. Oktober, 17 Uhr, Wilhelmshöhe: Kammerkonzert Rund um Weber
• 19. November, 17 Uhr, Wilhelmshöhe: Orchesterkonzert mit dem Kammerorchester
der Kreismusikschule Ostholstein
Foto: Annette Rudolph, Markus Föhrweißer (Kreismusikschule), Dr. Julia Hümme
(Ostholstein-Museum), Martin Karl-Wagner und Sabine Richter (Vitaparc AG) präsentieren
das vielfältige Programm der 16. Weber-Tage.
Abu Hassan neu bei den Weber-Tagen
Eutin bezuschusst Veranstaltungsreihe erstmalig mit 8.000 Euro
Eutin – In ihrem 16. Jahr präsentieren sich die Eutiner Weber-Tage mit neuen Ideen,
Formaten und Veranstaltungsorten. Zum ersten Mal unterstützt die Stadt die traditionsreiche
Reihe mit einem Zuschuss von 8.000 Euro. Dadurch konnte der Musiker Martin Karl-
Wagner die Organisation hauptverantwortlich übernehmen – eine Aufgabe, die zuvor
„nebenbei“ von Rathausmitarbeiterin Annette Rudolph betreut worden war.
Im Ostholstein-Museum stellten Martin Karl-Wagner, Annette Rudolph, Marcus
Föhrweißer (Leiter der Kreismusikschule Ostholstein), Museumsleiterin Dr. Julia Hümme
und Sabine Richter (Kulturbeauftragte der Vitaparc AG/Residenz Wilhelmshöhe) das neue
Programm vor.
Zu den Höhepunkten zählt in diesem Jahr die Wiederaufnahme der selten gespielten Weber-
Oper „Abu Hassan“, ein heiteres Singspiel von rund einer Stunde Dauer, das unter
Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern des Eutiner Weber-Gymnasiums aufgeführt wird.
Eröffnet werden die 16. Weber-Tage am 5. Juni in der restaurierten Orangerie im
Schlossgarten, die am Vortag offiziell eingeweiht wird. Dort spielt Wagners Salonquartett
romantische Musik der Biedermeierzeit.
Insgesamt umfasst das Programm acht Konzerte, zwei Vorträge, eine musikalische Lesung
zu historischen Reiseimpressionen und eine Ausstellung von Figurinen aus dem Fundus der
Eutiner Festspiele im Ostholstein-Museum.
Der Heimatverband Eutin richtet einen Vortrag unter dem Titel „Romantiker oder Realist?“
aus, in dem es um das Bild des Komponisten geht.
Ein zweiter Vortrag, organisiert von der Eutiner Landesbibliothek und ihrem Förderverein,
beleuchtet die Frage, „Warum Webers Freischütz nach Eutin gehört“ – vor dem Hintergrund,
dass Weber zwar in Eutin geboren wurde, die Stadt aber nur zweimal besuchte.
Weitere Konzerte finden in der Orangerie, in der Residenz Wilhelmshöhe, im Rittersaal des
Schlosses und im Jagdschlösschen am Ukleisee statt. Gespielt werden Werke der Eutiner
Hofkapelle, Musik aus Webers Opern, Kammermusik der deutschen Romantik, ein
Klavierabend mit Leopoldo Lipstein sowie Kompositionen aus Webers Umfeld. Den
Schlusspunkt setzt im November das Kammerorchester der Kreismusikschule
Ostholstein.
Foto: Vor dem Weber-Gemälde von Armin Mueller-Stahl und der Weber-Vitrine im
Ostholstein-Museum stellten (von links) Annette Rudolph, Marcus Föhrweißer, Dr. Julia
Hümme, Martin Karl-Wagner und Sabine Richter das Programm der Weber-Tage vor. (Foto:
Schekahn)
Viel mehr als nur „Freischütz“: Weber – ein vielseitiger Künstler
Wagners Salonquartett eröffnete die 16. Eutiner Weber-Tage in der Orangerie
Eutin (Ulrike Benthien) – Nur kurze Zeit seines Lebens hat Carl Maria von Weber (1786–
1826) in Eutin verbracht – doch die Stadt hält seinem Ruhm als Komponist, Musiker und
Schriftsteller seit Jahrzehnten die Treue. Zur offiziellen Eröffnung der 16. Eutiner Weber-
Tage erklang in der nach jahrelanger Restaurierung wiedereröffneten Orangerie im
Schlossgarten ein festliches Konzert mit Wagners Salonquartett.
Die Musiker – Juliana Soproni (Violine), Thomas Gronau (Viola), Katrin Klotz
(Violoncello) und Martin Karl-Wagner (Flöte) – führten durch ein Programm voller
Eleganz und Spielfreude. Präsentiert wurden musikalische Kostbarkeiten aus der Zeit des
Biedermeier, darunter Walzer und Tänze von Weber, Schubert, Strauss und Zeitgenossen.
Moderator Karl-Wagner verband die Stücke mit Anekdoten und historischen Erläuterungen –
so entstand ein lebendiges Bild jener Epoche, in der Weber und seine Familie wirkten.
Besonders eindrucksvoll: der Favorit-Walzer und die humorvolle Anspielung auf Webers
Vielseitigkeit als Komponist zwischen Salon und Bühne.
Am Ende des Abends nutzte Karlheinz Jepp die Gelegenheit, auf die Bedeutung von Webers
Geburtshaus hinzuweisen, das dringend erhalten werden müsse. „Möge die Popularität der
Weber-Tage das Bestreben, Webers Geburtshaus zu bewahren, unterstützen“, appellierte er.
Mit langem Applaus dankte das Publikum den Musikerinnen und Musikern. Die Weber-Tage
werden am 26. Juni in der Orangerie fortgesetzt – dann mit dem Konzert „Die Musik der
Eutiner Hofkapelle“, das historische Werke aus dem Notenarchiv der Landesbibliothek Eutin
präsentiert.
Foto: „Walzer – nicht nur ein Tanz, sondern ein Ereignis“: Wagners Salonquartett bei der
Eröffnung der Weber-Tage in Eutin (Foto: Benthien).
Warum Webers „Freischütz“ nach Eutin gehört
Vortrag im Rahmen der 16. Eutiner Weber-Tage 2011 von Dr. Matthias Viertel (Kiel)
Eutin – Kann sich Eutin, so traditionsreich die Stadt auch sein mag, wirklich als „Weber-
Stadt“ bezeichnen? Diese Frage stellt Dr. Matthias Viertel in seinem Vortrag am 24. August
2011 in der Eutiner Landesbibliothek. Der Musikwissenschaftler und Theologe, der aus Eutin
stammt, geht darin der Spur nach, welche Rolle Carl Maria von Weber in seiner Geburtsstadt
spielte und welche Bedeutung dies heute noch haben kann.
Zwar steht außer Frage, dass Weber am 18. oder 19. November 1786 in Eutin geboren wurde,
doch war sein Aufenthalt hier nur kurz – die Familie zog bald weiter. Ein Biograf sprach
sogar von einem „Zufall“, dass dies gerade in Eutin geschah. Viertel nimmt diesen Einwand
zum Anlass, die besondere Wechselwirkung zwischen Eutin und seinem berühmten Sohn neu
zu betrachten.
Denn obwohl Eutin sich gern mit dem Namen Webers schmückt, ist der Umgang mit diesem
kulturellen Erbe nicht immer leicht. Schon bei den Anfängen der Eutiner Festspiele gab es
kritische Stimmen, die den Anspruch der Stadt als „Festspielstadt“ anzweifelten. Viertel zeigt,
dass sich in der über 60-jährigen Geschichte der Freilichtbühne am Großen Eutiner See ein
ständiges Ringen der Bürger um Identität und Tradition spiegelt – ein „Weber-Erbe“, das
auch heute noch Emotionen weckt.
Der Vortrag ist Teil der 16. Eutiner Weber-Tage und findet am Mittwoch, 24. August 2011,
um 19.30 Uhr im Seminarraum der Eutiner Landesbibliothek statt. Der Eintritt ist frei.
Dr. Matthias Viertel ist bekannt durch seine Publikationen Die Instrumentalmusik Carl Maria
von Webers und Carl Maria von Weber und Eutin (both 1986) sowie sein Bibliotheksheft Die
Musik am Eutiner Hof (1991).
Weber-Tage: Reise nach dem Ugley
Eutin – Eine weitere Musik- und Literaturveranstaltung findet heute, Sonnabend, um 18 Uhr
in der Orangerie im Schlossgarten statt. Sie gehört zum Programm der 16. Eutiner Weber-
Tage.
Unter dem Titel „Reise nach dem Ugley“ musizieren Juliana Soproni (Violine), Martin
Karl-Wagner (Flöte) und Uwe Petersen (Kontrabass). Auf dem Programm stehen Soli,
Duette, Trios und Sonaten von Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach,
Carl Maria von Weber, Otto Graf Blome und weiteren Komponisten.
Diese Werke waren ursprünglich nicht für den Konzertsaal gedacht. Wie Carl Philipp
Emanuel Bach im Vorwort zu seinen Noten schreibt, sollten sie zur Unterhaltung im
Freundeskreis dienen – für gesellige Abende, Landpartien und Reisen.
So verbindet sich an diesem Abend die Musik mit zeitgenössischen Reiseberichten aus
Webers Epoche. Gelesen werden Texte aus dem frühen 19. Jahrhundert, darunter die
humorvolle Erzählung „Die Fahrt nach dem Ugley“ von Sigismund Stille (1816), die den
Geist jener Zeit lebendig werden lässt.
Der Eintritt kostet 15 Euro; Konzertkasse und Einlass ab 17.30 Uhr.
Webers „Abu Hassan“ in der Weber-Schule
EUTIN – Im Rahmen der Eutiner Weber-Tage wird am Freitag, 16. September, um 19 Uhr
in der Aula der Carl-Maria-von-Weber-Schule Webers einaktiges Singspiel „Abu Hassan“
aufgeführt.
Die Produktion ist eine Kooperation zwischen Studenten der Hochschule für Musik und
Theater Rostock und Schülern der Weber-Schule.
Das Werk zählt zu den frühen Opern Carl Maria von Webers. Das Libretto stammt von
seinem Freund Franz Karl Hiemer, der eine Episode aus der orientalischen
Geschichtensammlung „Tausendundeine Nacht“ als Vorlage nutzte.
Im Mittelpunkt steht Abu Hassan, hier dargestellt als Komponist am Hofe des Kalifen
Harun al Raschid. Hassan liebt gutes Essen und teuren Wein – ein Lebensstil, der ihn rasch
in Schulden stürzt. Seine Gläubiger, allen voran der reiche Rechtsanwalt Omar, fordern ihr
Geld zurück. Nur wegen der schönen Fatime, Hassans Frau, gewährt Omar einen letzten
Aufschub.
Gemeinsam ersinnen Hassan und Fatime einen trickreichen Plan: Sie geben vor, gestorben zu
sein, um das Begräbnisgeld des Kalifen zu erhalten. Zuerst überbringt Fatime der Kalifin
Zobeide die Nachricht vom Tod ihres Mannes und erhält dafür Gold. Danach erscheint
Hassan beim Kalifen selbst und klagt über den Tod seiner Frau – auch er bekommt Gold. Als
der Kalif und die Kalifin herausfinden wollen, wer von beiden wirklich gestorben ist,
entspinnt sich eine humorvolle Verwechslungsgeschichte mit überraschendem Ausgang.
Die Regie führt Tine Topsøe, die seit ihrer Studienzeit an Opern- und Schauspielbühnen in
Dänemark, Deutschland und Italien arbeitet, zuletzt bei Wagners „Götterdämmerung“ in
Lübeck.
Die Solisten sind Nina Schulze (Sopran), Koen Vereertbrugghen (Tenor), Frieder Post
(Bariton) und Dino Gebauer (Erzähler).
Karten (12 Euro, Schüler 6 Euro) sind im musicbuero crescendo (Tel. 04521/74528), bei der
Eutin GmbH (04521/709734) und an der Abendkasse erhältlich.
Foto: Omar liebt Fatime – Frieder Post und Nina Schulze in einer Szene aus „Abu Hassan“.
Neckisches Singspiel im Orient
Im Rahmen der 16. Eutiner Weber-Tage kommt die Oper „Abu Hassan“ auf die Bühne des
Weber-Gymnasiums
Eutin (Ulrike Benthien) – Liebe und Geld: zwei klassische Zutaten für jedes Schau- und
Singspiel – und auch die Hauptthemen in Carl Maria von Webers heiterer Oper „Abu
Hassan“. Das selten gespielte Werk, eine sogenannte „Türkenoper“ in orientalischem
Ambiente, wird im Rahmen der 16. Eutiner Weber-Tage am Freitag, 16. September, in der
Aula der Carl-Maria-von-Weber-Schule aufgeführt.
Organisiert wird die Produktion von Martin Karl-Wagner, dem Koordinator der Weber-
Tage. Er brachte Studierende der Hochschule für Musik und Theater Rostock und
Schüler der Weber-Schule zusammen. Auf das Projekt aufmerksam wurde er durch den
früheren Eutiner Kirchenmusiker Birger Petersen, heute Professor in Rostock. Dort war das
Stück bereits im Frühjahr mit großem Erfolg drei Mal aufgeführt worden.
„Ich fand die Idee reizvoll, Profis und Jugendliche gemeinsam auf die Bühne zu bringen“, so
Karl-Wagner. 15 Schüler des Weber-Gymnasiums wirken mit – mal als Tross der Gläubiger,
mal als Hofstaat des Kalifen. Bei ihrem ersten Auftritt fordern sie lautstark „Geld, Geld,
Geld!“ – ein ironischer Verweis auf Webers eigene Lage, als er die Oper komponierte. „Er
war damals aus dem württembergischen Hofdienst entlassen und mittellos“, erklärt Karl-
Wagner.
Das rund einstündige Stück erzählt von Abu Hassan und seiner Frau Fatime, die über ihre
Verhältnisse leben. Der Gläubiger Omar – nicht nur an Geld, sondern auch an Fatime
interessiert – drängt auf Rückzahlung. Um der Misere zu entkommen, ersinnen Hassan und
Fatime eine List: Sie geben vor, gestorben zu sein, um vom Kalifenpaar Beerdigungsgelder zu
erhalten. Der Plan funktioniert, doch als Kalif und Kalifin rätseln, wer zuerst gestorben sei,
entsteht eine turbulente Komödie voller Verwechslungen und Witz.
Die Hauptrollen singen Koen Vereertbrugghen (Abu Hassan), Nina Schulz (Fatime) und
Frieder Post (Omar). Dino Gebauer führt als Erzähler durch die Handlung. Musikalisch
begleitet werden sie von Conna Hentschel (Violine), Eun-Hee Jang (Violoncello) und Lea
Fink (Klavier, musikalische Leitung). Die Regie führt Tine Topsøe, die an verschiedenen
Opern- und Schauspielhäusern in Dänemark, Deutschland und Italien tätig ist.
Karl-Wagner sieht in der Aufführung mehr als eine Hommage: „Sie lenkt Aufmerksamkeit
auf Weber, ist zugleich Jugendarbeit und macht mit Weber für Eutin Reklame.“
Karten kosten 12 Euro (ermäßigt 6 Euro) und sind bei der Eutin GmbH, beim musicbuero
crescendo oder per E-Mail an service@musicbuero.de erhältlich. Eine zweite Vorstellung
findet am Sonntag, 18. September, um 18 Uhr im Marstall Ahrensburg statt.
Fotos:
– Der Erzähler Dino Gebauer führt durch das Singspiel aus „1001 Nacht“.
– Omar (Frieder Post) umwirbt Fatime (Nina Schulz) – mit Charme und einem Aufschub
für ihren verschuldeten Gatten.
Gläubiger stehen schon vor der Tür
Weber-Oper „Abu Hassan“ auf der Bühne der Aula des Weber-Gymnasiums
Eutin. In der Reihe der Eutiner Weber-Tage bringen Schüler des Eutiner Weber-
Gymnasiums und Studierende der Hochschule für Musik und Theater Rostock am
Freitag, 16. September, um 19 Uhr in der Aula die heitere Oper „Abu Hassan“ von Carl
Maria von Weber auf die Bühne.
Das einaktige Singspiel nach einem Text von Franz Carl Hiemer gehört zu Webers frühen
Werken. Es wurde am 4. Juni 1811 im Hoftheater München uraufgeführt und nun von Lea
Fink für die Aufführung in Eutin neu bearbeitet.
Im Mittelpunkt steht Abu Hassan (gesungen von Koen Vereertbrugghen, Tenor), in dieser
Inszenierung als Komponist am Hofe des Kalifen Harun al Raschid dargestellt. Hassan liebt
gutes Essen und teuren Wein – doch seine Lebensfreude stürzt ihn in Schulden. Die Gläubiger
stehen schon vor der Tür, allen voran der reiche Rechtsanwalt Omar (Frieder Post, Bariton),
der sein Geld zurückfordert, sich aber von Hassans schöner Frau Fatime (Nina Schulz,
Sopran) bezirzen lässt und einen letzten Aufschub gewährt.
In weiteren Rollen wirken mit: Dino Gebauer als Erzähler, ein Kinderchor, ein Klaviertrio
sowie die jungen Schauspielerinnen Inke Johannsen, Inga Spiegel und Anna Wloch.
Karten kosten 12 Euro (ermäßigt 6 Euro) und sind bei der Eutin GmbH (Tel.
04521/709734) erhältlich.
Foto:
Die Gläubiger stehen schon vor der Tür – allen voran verlangt der Rechtsanwalt Omar
(Frieder Post) sein Geld zurück, während Fatime (Nina Schulz) mit Charme und List Zeit
gewinnt.
Aus Pucks und Oberons Feder
Zwischen dem roten Glanz des Hornklangs und den halsbrecherischen Kunststücken von Webers Concertino folgen Oberon und Puck der Spur eines Instruments, das mehr Farbe trägt, als Menschen ahnen. In der nahezu verborgenen Horn-Ausstellung im Schlosses Eutin entdecken sie jene Naturhörner, deren Seele Webers Musik einst entzündete – und die bis heute leise von dieser Magie erzählen.
Zwischen Mär und Musik: Weber, Voß und Eutin
Oberon:
Man erzählt sich in Eutin seit Generationen eine Begegnung: der junge Carl Maria von Weber und der Dichter Johann Heinrich Voß, ein Hauskonzert, eine Maultrommel, verletzter Künstlerstolz. Die Geschichte ist schön – und sie hat sich tief eingeprägt.
Puck:
Schön, ja. Wahr? Nicht ganz. Die Chroniken widersprechen ihr. Doch auch Märchen haben ihre Wahrheit – nur liegt sie manchmal nicht im Zeitpunkt, sondern in der Wirkung.

Erinnerungen an Eutin, 1802
Aus meiner Feder
(Erfundene Gedanken Carl Marioa von Webers)
Ich war fünfzehn Jahre alt, als ich in Salzburg meine komische Oper
„Peter Schmoll und seine Nachbarn“ vollendete.
Mein Vater, rastlos wie immer, hatte sogleich die nächste Etappe
unserer „musikalischen Reise“ im Sinn: Norddeutschland.
So zogen wir im Jahre 1802 gen Eutin,
an einem hellen Frühherbsttag,
der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.
Unerwartet traten wir in das Rektorhaus,
wo man sich des ehemaligen Stadtmusikus, meines Vaters,
noch lebhaft erinnerte.
Doch schien unser Besuch wenig willkommen,
denn Herr Voß und seine Frau Ernestine
waren ganz vom Umzug nach Jena eingenommen.
So fanden wir erst im Hause des musikliebenden Kanzleirats Stricker
eine herzliche Aufnahme.
Schon am zweiten Abend gab man ein Hauskonzert zu Ehren der Gäste.
Ich spielte meine Schmoll-Ouvertüre
und einige kleine Fughetten,
die ich als Knabe zu Papier gebracht hatte.
Man lobte mich sehr –
bis der achtjährige Sohn des Hauses
seine Maultrommel ergriff
und mit demselben Eifer spielte,
der mir doch allein vorbehalten schien.
Sein Spiel erregte lebhaften Beifall.
Ich weiß nicht, ob es Eifersucht oder Schmerz war –
doch empfand ich die Töne dieser Maultrommel
wie kleine Stiche ins Herz.
Frau Ernestine Voß, die mein Verstummen bemerkt hatte,
sprach mir freundlich zu
und lud uns für den nächsten Tag zum Mittagessen ein.
Noch vor Tagesanbruch fuhr uns der Hofprediger Uckert
nach dem Uklei.
Über Gremsmühlen hinweg sah ich die Sonne aufsteigen,
wie sie sich im stillen See brach –
und dieser Anblick,
das Schweigen der Wälder,
die atmende Landschaft,
machte mich still und andächtig zugleich.
Ich wusste nicht, ob ich Komponist oder Träumer war.
Nach dem Mahl im Rektorhaus
saßen wir im Garten am See,
auf dem „Agneswerder“.
Voß las einige seiner Gedichte vor –
darunter das heitere „Sagt mir an, was schmunzelt ihr?“
Ich bat ihn um Abschriften;
die Verse klangen in mir nach,
als ich am Abend allein durch den Schlossgarten ging.
Zu seinen Worten hörte ich eine Melodie,
so luftig und verspielt,
dass ich sie sogleich niederschrieb,
noch ganz erfüllt von jener stillen Freude,
die nur die Schöpfung kennt.
Später, beim Konzert im Hause Stricker,
spielte ich sie –
und sang dazu die Voß’schen Zeilen.
Das Lächeln der Gäste war mir Beifall genug.
Aber kaum verklangen die letzten Akkorde,
nahm der junge Stricker wieder seine Maultrommel zur Hand.
Er stellte sich neben mich,
als wolle er wetteifern.
Er spielte nun mit zwei Maultrommeln zugleich –
und das Publikum jubelte.
Sogar mein Vater nickte freundlich:
„Wie schön!“ sagte er.
Ich aber stand da, wie gelähmt,
als sei mir der Boden entzogen.
Was war dies für ein Tag!
Er begann im Zauber des Morgens,
und endete in einer bitteren Lektion.
Doch vielleicht war es eine heilsame.
Denn in jener Stunde lernte ich,
dass Beifall flüchtig ist –
und dass wahre Musik
nicht im Lärm der Hände,
sondern in der Bewegung der Seele lebt.

Carl Maria von Weber mit ca. 18 Jahren
(Quelle: Kupferstich von J. Neidl nach J. Lang, Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin)